Auktion Gorny & Mosch, München

08. März 2010 - 12. März 2010

185-188

Konkurrenz für Saalbieter aus dem Internet

Gorny & Mosch setzen auf "Live-Bidding-Systems"

Vom 8. bis 12. März 2010 fand in München die Auktionswoche der Firma Gorny & Mosch, Giessener Münzhandlung statt. Die 4.500 Lose in vier Auktionen waren mit 3,5 Mio. Euro geschätzt. Der Endpreis lag bei 4,8 Mio.* Schon im Vorfeld hatte sich das Interesse der Käufer abgezeichnet: Während der Vorbesichtigung war in den Geschäftsräumen am Maximiliansplatz kein ruhiges Fleckchen zu finden. Außerdem hatten sich 250 Käufer für das Bieten via Internet angemeldet. Sie sollten kräftig mitmischen. Rund 10 % der Zuschläge gingen an Bieter im Internet. Bald werden die Saalbieter die Zeiten zurücksehnen, in denen sie lediglich gegen „das Buch“ zu kämpfen hatten.

Auktion 185 „Hochwertige Münzen der Antike“ beinhaltete ein hochkarätiges Angebot ausgesuchter Spitzenstücke.  Bereits die Schätzung hatte rund eine Million Euro betragen. Der Endpreis für die 329 Lose lag bei über 1,5 Mio. – das entspricht einem Durchschnittspreis(!) von über 4.700 Euro. Weit über dem Durchschnitt lag das teuerste Stück der Auktion, einer der vier bekannten Phanes-Statere. Wären nur Saalbieter anwesend gewesen, hätte ihn ein amerikanischer Händler zum Ausruf von 120.000 Euro „abgeschleppt“, so mußte er sich gegen einen chinesischen Internetbieter durchsetzen. Der Endpreis lag bei beeindruckenden 345.000 Euro.

Für angenehme Überraschungen sorgten einige seltene Stücke. So ein Meisterwerk der spätklassischen Kunst, ein Stater der arkadischen Stadt Pheneos, der auf der Rückseite Hermes mit dem kleinen Arkas zeigt. Er war mit 5.000 Euro geschätzt und brachte 11.500 Euro. Ein unpublizierter archaischer Stater der Kykladeninsel Tenos stieg gar von seiner Schätzung mit 6.000 Euro auf 48.300. Ungewöhnlich war auch das Ergebnis für eine Tetradrachme des nur kurz regierenden syrischen Königs Tryphon. Bei einer Schätzung von 3.000 Euro lautete das Ergebnis 20.700 Euro, was wohl dem besonders guten Porträt zu verdanken war.
Der „Star“ unter den römischen Münzen stammte aus der späten Republik: Ein höchst seltener Denar des Quintus Labienus Parthicus realisierte 94.875 Euro und brachte damit mehr als das Dreifache seiner Schätzung von 30.000 Euros. Auch die vielen feinen Bronzen mit der exquisiten Patina fanden Käufer, so ein Sesterz des Nero, geprägt unter Claudius in Thrakien. Das vorzügliche Stück war auf 5.000 Euro geschätzt. Verkauft wurde es mit fast 12.000 Euro. Ein Aureus des Septimius Severus mit den Porträts des Kaisers und seiner Gattin Julia Domna in Stempelglanz stieg von seiner Schätzung mit 18.000 Euro auf einen Endpreis von 25.300 Euro.

Auktion 186 enthielt „Antike Münzen und Lots“. Hier blieben die erzielten Preise durchwegs moderater, was nicht bedeutet, daß das Interesse der Käufer geringer gewesen wäre. Die Schätzung von 600.000 Euro stieg immerhin auf rund 750.000 Euro.
Ein Höhepunkt der Auktion war die kleine Sammlung von Goldstateren Alexanders. Dabei erzielte die ausgesprochen seltene Variante mit der nach rechts gewandten Nike 2.530 Euro (Taxe: 1.500 Euro).
Großer Beliebtheit erfreuten sich die Lots, für die Gorny & Mosch geradezu berühmt ist. Von den 117 Nummern wurden 104 verkauft. Hatte deren Schätzung 55.025 Euro betragen, lautete das Endergebnis auf stolze 111.000 Euro, also ziemlich genau das Doppelte. Dies zeigt, daß auch die Liebhaber günstiger Münzen bereit sind, sich ins Bietergefecht zu stürzen. So zu sehen bei Los 2738, einer umfangreichen Sammlung zur antiken Münzprägung, bei der alle 130 Münzen von ihrem früheren Eigentümer bestimmt und beschrieben worden waren. Es brachte 8.050 Euro (Taxe: 2.000 Euro).

Auktion 187 war den russischen Münzen gewidmet. Die Höchstpreise hier waren keine besondere Überraschung. Ob Zarenzeit, ob modernste Prägungen, der russische Markt ist bereit, gute Preise zu zahlen für alles, was angeboten wird.

Zu den Highlights der Zarenzeit gehörte – allen voran – ein äußerst seltener Dukat Peters I. 1712 aus dem Moskauer Roten Münzhof. Er erzielte mit 86.250 Euro das höchste Ergebnis der Rußland-Auktion (Taxe: 50.000 Euro). Nicht viel weniger ließ sich ein Sammler ein ebenso seltenes 50-Zloty-Stück in Gold kosten, das 1823 unter Alexander I. in Warschau geprägt wurde (35.000 / 80.500 Euro). Die Prägungen für Polen zählten grundsätzlich zu den begehrtesten Münzen der Auktion: Auch ein 25-Zloty-Stück desselben Jahrgangs konnte stark zulegen (15.000 / 29.900 Euro); ganz zu schweigen von demselben Nominal aus dem folgenden Jahr 1824, das seinen Schätzpreis von 6.000 Euro gleich um ein Vielfaches übertraf und schließlich für 35.650 Euro verkauft wurde.
Auch die Prägungen des 20. Jahrhunderts haben sich in der Zwischenzeit als hervorragende Investition erwiesen. Wer vor 20 bis 30 Jahren die Gedenkmünzen der UdSSR in PP sammelte, kann sich heute über das gewaltige Interesse an diesen Prägungen in Gold, Platin und Palladium freuen.
Wer sich gar spezialisierte, darf heute einen stolzen Gewinn verbuchen. 7 Proben zu Münzen hauptsächlich aus den 50er Jahren wurden mit einer Gesamtschätzung von 21.900 Euro angeboten. Schon der Endpreis der teuersten Münze, einer Kupfer-Nickel-Probe zum 10-Kopeken-Stück von 1959 übertraf diese Summe mit 34.500 Euro (Schätzung: 15.000 Euro. Das Gesamtresultat der 7 Stücke stieg auf 60.260 Euro.
Ein besonderes Kleinod der Auktion stellte der Weiße Adler-Orden aus dem Besitz der serbischen Königsfamilie dar. 63.250 Euro zahlte der stolze neue Besitzer für dieses prominente Stück (Taxe: 50.000 Euro).

Auktion 188 „Mittelalter und Neuzeit“ wurde noch einmal ein Höhepunkt der Auktionswoche. Mit 950.000 Euro waren die 1.746 Katalognummern geschätzt gewesen. Das Gesamtergebnis lag bei rund 1,4 Mio. Euro. Mit verantwortlich war dafür die Sammlung Goldmünzen und –medaillen aus aller Welt. Sie umfaßte rund 580 Nummern und erfreute das Investorenherz. Von A wie Albanien (9 Lose, alle verkauft, Taxe: 8.600 / Endergebnis: 22.603 Euro) bis U wie Ungarn (9 Lose, alle verkauft, Taxe: 11.550 / Endergebnis: 17.825) – Goldmünzen sind derzeit Sammlers Liebling. Den höchsten Preis brachte ein 100-Lei-Stück Karls II. von Rumänien aus dem Jahr 1940. Es stieg von seiner Taxe mit 7.500 Euro auf 19.550 Euro.
Das Interesse blieb bei allen Gebieten der Neuzeit erhalten. Erwähnung verdienen vor allem die interessanten Lots, die auch hier auf reges Interesse stießen. So zum Beispiel die 96 Münzen, die einen Querschnitt durch die deutsche Münzgeschichte des Mittelalters boten. Sie stiegen von ihrer Schätzung mit 2.500 Euro auf 5.060 Euro. Oder die exquisite Sammlung von englischen Münzen. Die ca. 170 Stück brachten 10.637 Euro (Taxe: 3.250 Euro).

Polen war wie immer für eine Überraschung gut. 31 Lose waren mit einer Schätzung von 15.080 Euro angeboten worden. Das Endergebnis lautete 88.555 Euro. Mit verantwortlich dafür waren vor allem die Proben zu Stücken der polnischen Republik. Hier wurden wahre Bieterschlachten inszeniert. So kletterte eine Tombak-Probe zum 5-Zlotych-Stück von 1925 von 500 Euro auf 20.700 Euro und realisierte damit mehr als das 40fache ihrer Schätzung.
Die Münzen aus der Welt des Islam stellten einen würdigen Abschluß der Münchner Auktionswoche dar. Seltenheiten wie die Goldmedaille auf die Münzreform (10.000 / 18.400 Euro) oder die Gold-Prämienmedaille für Leistungen in Landwirtschaft und Technik (3.000 / 39.100 Euro) zeigten, wie groß das Interesse an türkischen Medaillen heute ist.

Alle Ergebnisse sind einzusehen auf www.gmcoinart.de.

* alle Preise inklusiv Aufgeld 15 %.

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