D-München, Gorny & Mosch Giessener Münzhandlung

29. Juni 2011

Auktion 198 – Kunst der Antike

Antinoos, Miltiades, Topkapi & Co.: Ein hochkarätiges Angebot erzielt bei Gorny & Mosch hochkarätige Preise

Ende Juni war es wieder einmal soweit: Gorny & Mosch lud alle Liebhaber antiker Kunst zu seiner neuesten Auktion nach München ein. Und die zahlreich erschienenen Sammler wurden für ihr Kommen mehr als belohnt: Hoch qualitätvolle Objekte, zahlreiche Raritäten und heiße Bietergefechte sorgten für einen unvergeßlichen Tag.

Nr. 1: Antinoos-Balsamarium. Bronzehohlguß, römisch, 2. Jh. n. Chr. H 21 cm. Schätzung: 35.000 Euro. Endpreis: 97.750 Euro.

Nr. 1: Antinoos-Balsamarium. Bronzehohlguß, römisch, 2. Jh. n. Chr. H 21 cm. Schätzung: 35.000 Euro. Endpreis: 97.750 Euro.

Lassen wir die schönsten Stücke noch einmal Revue passieren. Wer hätte gedacht, daß gleich die erste Katalognummer, durchaus nicht mit dem höchsten Schätzpreis der Auktion, alle Erwartungen sprengen würde? Ein Bronze-Balsamarium in Form einer Antinoos-Büste mit einer herrlichen grünen Patina war es, das sich von geschätzten 35.000 Euro auf sage und schreibe 97.750 Euro* emporschwang (Nr. 1). Mancher mag den Atem angehalten haben, doch Zeit zum „Verschnaufen“ blieb nicht, denn schließlich befinden wir uns in der Rubrik „Besondere Objekte“, in der Gorny & Mosch traditionell nur das Schönste und Beste anbietet.
So folgte ein Höhepunkt nach dem anderen: Nach der Rückgabe der Feldzeichen, die auf dem unseligen Feldzug des Crassus den Parthern in die Hände gefallen waren, hatte Augustus dem Mars Ultor, dem rächenden Kriegsgott der Römer, einen Tempel geweiht. Eine Bronzestatuette, die der originalen Kultstatue nachempfunden ist, erreichte 41.400 Euro bei einer Schätzung von „nur“ 20.000 Euro (Nr. 3). Wenden wir uns von der Römischen Kaiserzeit zurück in die Zeit der frühen Hochkulturen im östlichen Mittelmeer. Aus dieser Epoche, vor mehr als 4000 Jahren, entstand ein Kykladenidol, beeindruckend in seiner schlichten Erhabenheit, vorsichtig auf 7.500 Euro geschätzt (Nr. 8). Der Endpreis lag bei 50.600 Euro, dem Sechsfachen!
Miltiades, so benannte die berühmte Archäologin Gisela M. A. Richter eine Replik des marmornen Porträtkopfes, der unter der Nr. 11 angeboten wurde. Das Fragment zeigt einen älteren Mann mit eindrucksvollen Zügen: Feinste Bildhauerarbeit, detailreich ausformuliert, anders läßt sich das Stück kaum charakterisieren. 48.300 Euro mußte sein neuer Besitzer dafür ausgeben, damit war der Schätzpreis von 15.000 Euro auf das mehr als das Dreifache angestiegen.

Nr. 12: Traianus Decius (?). Marmor, Mitte 3. Jh. n. Chr. H 26 cm. Schätzung: Schätzung: 50.000 Euro. Endpreis: 63.250 Euro.

Nr. 12: Traianus Decius (?). Marmor, Mitte 3. Jh. n. Chr. H 26 cm. Schätzung: Schätzung: 50.000 Euro. Endpreis: 63.250 Euro.

Kaum weniger spektakulär, aber einer ganz anderen Stilepoche angehörend war ein römischer Porträtkopf aus Marmor, der an Kaiser Traianus Decius aus dem mittleren 3. Jahrhundert n. Chr. erinnert (Nr. 12). Der Endpreis belief sich auf nicht weniger als 63.250 Euro.
Antonia minor, Tochter des Marcus Antonius und der Augustus-Schwester Octavia, war eine der schillerndsten Frauengestalten der frühen römischen Kaiserzeit. Ein marmorner Einsatzkopf mit ihrem charakteristischen Bildnis erzielte 55.200 Euro (Nr. 13). Zwei Jahrhunderte später ließ sich eine hochgestellte Dame in Marmor verewigen. Ihre modische Frisur erinnert an Julia Domna, die Gattin des Septimius Severus. Ihre Büste ließ den Schätzpreis von 25.000 Euro schnell hinter sich und wechselte schließlich bei 41.400 Euro den Besitzer (Nr. 14).

Nr. 50: Mumienporträt. Ägypten, 3. Jh. n. Chr. Porträt eines jugendlichen Mannes mit Lockenhaar und Bart. 34,5 x 21,5 cm. Schätzung: 18.000. Endpreis: 69.000 Euro.

Nr. 50: Mumienporträt. Ägypten, 3. Jh. n. Chr. Porträt eines jugendlichen Mannes mit Lockenhaar und Bart. 34,5 x 21,5 cm. Schätzung: 18.000. Endpreis: 69.000 Euro.

Nicht nur die antike Plastik sorgte für spektakuläre Ergebnisse. Höhepunkte begegneten auf nahezu allen Gebieten der antiken Kunst. Ein phrygischer Bronzehelm mit seiner typischen Form, selten gut erhalten, fand für stattliche 57.500 Euro ein neues Zuhause (Nr. 40, Schätzung: 35.000 Euro). Aus dem Ägypten des 3. nachchristlichen Jahrhunderts stammte ein Mumienporträt eines bärtigen Mannes, dessen Preis sich von geschätzten 18.000 Euro auf das Dreieinhalbfache steigerte, auf 69.000 Euro (Nr. 50). 46.000 Euro ließ sich ein Sammler ein geradezu königliches Kleinod kosten, eine Goldfibel mit fein ausgearbeiteten Ornamenten, in die ein Granat mit dem Bildnis eines hellenistischen Herrschers eingelassen ist (Nr. 52).
Nach den „Besonderen Objekten“ folgten die „Gewöhnlichen Objekte“ – so könnte man scherzhaft vermuten. Doch weit gefehlt, denn auch die nach ihren Kunstgattungen geordneten Stücke waren reich an Highlights. So eine blaue Glasschale, deren schlichte Eleganz den Preis von geschätzten 20.000 Euro auf 43.700 Euro steigen ließ (Nr. 94). Oder ein frühklassischer Jünglingskopf, stilistisch den berühmten Giebelfiguren des Zeustempels von Olympia verwandt, der es auf mehr als das Fünffache seines Schätzpreises brachte (Nr. 236: 4.000 / 23.000 Euro). Nicht zu vergessen eine Bronzestatuette der römischen Göttin Virtus, die es gleich mehreren Sammlern derart angetan hatte, daß ihr Preis von 1.700 Euro auf mehr als das Sechsfache, auf 11.000 Euro kletterte (Nr. 255).

Nr. 519: Iznik-Kachel mit cintamani. Osmanisch, ca. 1580. 25 x 12 cm. Schätzung: 1.000 Euro. Endpreis: 34.500 Euro.

Nr. 519: Iznik-Kachel mit cintamani. Osmanisch, ca. 1580. 25 x 12 cm. Schätzung: 1.000 Euro. Endpreis: 34.500 Euro.

Für eine Überraschung sorgte eine Iznik-Kachel, für den Laien Massenware, für den Kenner jedoch ein besonderes Stück, wurde doch ein in seinen Maßen und im Dekor sehr ähnliches Stück in London als Dekorationselement aus dem Topkapi Serail identifiziert. Geschätzt waren 1.000 Euro, dann schlug die Stunde der Experten, das seltene Objekt wurde für 34.500 Euro verkauft (Nr. 519). Auch sieben islamische Glasfliesen, datiert ins 8. bis 10. Jahrhundert, kamen auf einen ähnlichen Endpreis: 36.800 Euro bei geschätzten 3.500 Euro (Nr. 520)!
Bis zum Schluß blieb das Interesse der Käufer ungebrochen: Ein Thron mit byzantinischen Architekturelementen setzte mit 52.900 Euro Endpreis noch einmal einen fulminanten Akzent (Nr. 568, Schätzung: 30.000 Euro).

Ergebnisliste und Katalog sind wie immer unter www.gmcoinart.de einsehbar. Die nächste Auktion antiker Kunst ist für Dezember geplant.

Nr. 8: Kykladenidol. Marmor, ca. 2200 – 2100 v. Chr. H 21 cm. Schätzung: 7.500 Euro. Endpreis: 50.600 Euro.

* Alle Preise enthalten 15 % Aufgeld.

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