Gorny & Mosch, D-München

05. März 2012 - 08. März 2012

Auktionswoche

Auktionswoche bei Gorny & Mosch: Alte und neue Preistrends

Die Auktionswoche bei Gorny & Mosch in München war für manche Überraschung gut. Vom 5. bis 8. März wurde Material von der Antike in die Neuzeit versteigert. Dabei zeigte sich: Russische Münzen kommen auf den Boden der Tatsachen zurück. Die teuerste Münze war eine antike!

Fast eine Woche lang, vom 5. bis zum 8. März 2012 dauerte die Versteigerung des Materials, das in den Auktionen 203 bis 205 bei Gorny & Mosch angeboten worden war. Rund 5.000 Lose mit einer Gesamtschätzung von 3,2 Mio. Euro wechselten den Besitzer. Das Endergebnis lautete 4,1 Mio. Euro.*
Für die Antike bleibt die Aufwärtsbewegung ungebrochen. Münzen in Spitzenerhaltungen bringen Spitzenpreise, gleichgültig ob Griechen, Römer oder Byzantiner; bei den Münzen in durchschnittlichen Erhaltungen dagegen kann der Sammler auch Seltenheiten für günstiges Geld erwerben. Für die Neuzeit ist eine Trendwende zu beobachten: Russische Münzen kommen auf den Boden der Tatsachen zurück.

Am Montag, dem 5. März 2012 begann Gorny & Mosch pünktlich um 10.00 die Auktion, wegen der Händler aus der ganzen Welt nach München gereist waren. Und bereits bei Nummer 37 gab es die erste Überraschung.

37: Kamarina (Sizilien). 1 1/3 Litra, ca. 410-405. Athenakopf mit attischem Helm. Rv. Olivenspross mit zwei Früchten. SNG ANS 1209. Av. kleine Kratzer, sonst vorzüglich. Schätzung: 7.500 Euro. Endpreis: 20.700 Euro.

37: Kamarina (Sizilien). 1 1/3 Litra, ca. 410-405. Athenakopf mit attischem Helm. Rv. Olivenspross mit zwei Früchten. SNG ANS 1209. Av. kleine Kratzer, sonst vorzüglich. Schätzung: 7.500 Euro. Endpreis: 20.700 Euro.

Eine kleine, äußerst seltene und vorzügliche Goldmünze von 1,16 g Gramm aus Kamarina brachte statt der Schätzung von 7.500 Euro 37.950 Euro. Ein stolzer Preis. Der Sammler, der sich mit der folgenden Nummer, einer nicht ganz so perfekten Variante, begnügte, zahlte „nur“ 10.925 Euro. Geradezu günstig erscheint dagegen ein sehr schönes Tetradrachmon aus Akragas mit den beiden Adlern, die den Hasen kröpfen. Sein Käufer erwarb es für 14.950 Euro, den gleichen Preis, den ein vorzügliches Tetradrachmon des Agathokles aus Syrakus mit der Kore auf der Vorderseite und der ein Tropaion errichtenden Nike realisierte (Taxe: 7.500 Euro).

157: Perseus, 179-168 (Makedonien). Tetradrachmon. Kopf mit Diadem n. r., unter dem Hals Signatur Zoilou. Rv. Adler auf einem Blitzbündel in Eichenkranz. Mamroth 15, 1. Ex Münzen und Medaillen 31 (2009), 29. Feine Tönung. Vorzüglich. Schätzung: 6.500 Euro. Endpreis: 36.800 Euro.

157: Perseus, 179-168 (Makedonien). Tetradrachmon. Kopf mit Diadem n. r., unter dem Hals Signatur Zoilou. Rv. Adler auf einem Blitzbündel in Eichenkranz. Mamroth 15, 1. Ex Münzen und Medaillen 31 (2009), 29. Feine Tönung. Vorzüglich. Schätzung: 6.500 Euro. Endpreis: 36.800 Euro.

Ebenfalls teuer gehandelt unter den griechischen Münzen der Auktion wurde ein Tetradrachmon des Königs Perseus, unter dessen Halsabschnitt auf der Vorderseite die Signatur des Zoilos zu sehen ist. Das fein getönte, vorzügliche Stück stieg von seiner Schätzung mit 6.500 Euro auf 36.800 Euro.
Und dieses Ergebnis war noch bescheiden, wenn man es mit den Preisen vergleicht, die für Münzen der späten Republik erzielt wurden.

Gleich zwei Aurei mit dem Porträt des Octavian waren in Auktion 203 zu entdecken. Der erste stammte aus einer Emission, die kurz nach dem Vertrag von Brundisium im Spätherbst 40 v. Chr. herausgegeben wurde. Das äußerst seltene Stück in gutem sehr schön war bereits mit 25.000 Euro geschätzt gewesen, doch der Endpreis überholte die Schätzung um mehr als das Doppelte. Mit 50.600 Euro wechselte die Münze den Besitzer.

312: Römische Republik. Octavian. Aureus, 43 v. Chr., Mzst. in Gallia Cisalpina. Kopf des Octavian n. r. Rv. Kopf des Iulius Caesar. Cr. 490/2. Im September 1956 im Münzhandel Ludwig Grabow, Berlin, gekauft. Gutes sehr schön. Schätzung: 25.000 Euro. Endpreis: 172.500 Euro.

312: Römische Republik. Octavian. Aureus, 43 v. Chr., Mzst. in Gallia Cisalpina. Kopf des Octavian n. r. Rv. Kopf des Iulius Caesar. Cr. 490/2. Im September 1956 im Münzhandel Ludwig Grabow, Berlin, gekauft. Gutes sehr schön. Schätzung: 25.000 Euro. Endpreis: 172.500 Euro.

Wäre das nächste Los, ein Aureus des Octavian, geprägt 43 v. Chr. auf dem Marsch durch die Gallia Cisalpina, bei diesem Preis geblieben, hätte sich der Sammler sicherlich gefreut. Aber die Gebote stiegen und stiegen. Für das Stück mit den Porträts von Octavian und dem verstorbenen Iulius Caesar zahlte der neue Besitzer 172.500 Euro – den höchsten Preis der ganzen Auktion.

327: Römische Kaiserzeit. Nero, 54-68. Sesterz, Lugdunum, 67. Rv. Nero mit Prätorianerpräfekt steht n. l. auf Podium und spricht zu drei Prätorianern. RIC 565. Originale, dunkelgrüne Patina. Gutes vorzüglich. Schätzung: 30.000 Euro. Endpreis: 74.750 Euro.

327: Römische Kaiserzeit. Nero, 54-68. Sesterz, Lugdunum, 67. Rv. Nero mit Prätorianerpräfekt steht n. l. auf Podium und spricht zu drei Prätorianern. RIC 565. Originale, dunkelgrüne Patina. Gutes vorzüglich. Schätzung: 30.000 Euro. Endpreis: 74.750 Euro.

Und die Gebote blieben hoch. Ein vorzüglicher Denar des Augustus mit dem reitenden Gaius Caesar auf der Rückseite wurde mit 25.300 Euro verkauft (Taxe: 1.500 Euro). Das prachtvolle Titelstück, ein vollkommener Sesterz des Nero mit Adlocutio-Szene, realisierte 74.750 Euro Taxe: 30.000 Euro). Ein realistischer Denar des Galba, bescheiden mit 1.500 Euro geschätzt, brachte gar 27.600 Euro. Überhaupt, die Sesterze: Ein Stück des Nerva, geprägt auf die Aufhebung des Fiscus Iudaicus, stieg von 3.500 Euro auf 16.100 Euro und ein Beispiel des Traian mit der Tiberbrücke auf der Rückseite von 4.000 Euro auf 14.950 Euro.
Beschließen wir die römischen Münzen mit einem unglaublichen Ergebnis für einen Antoninian des Victorinus. Das sehr seltene, vorzügliche Stück mit Sonderbüste war mit 500 Euro geschätzt. Einem Spezialsammler war die Prägung aus Trier 8.625 Euro wert.

Wer auf seinen Geldbeutel schauen muss, der liebt den zweiten Katalog von Gorny & Mosch mit dem Titel „Antike Münzen und Lots“. Hier werden Sammlerträume für alle wahr. Attraktive Kleinmünzen für 200 Euro – kein Problem; Tetradrachmen aus Syrakus für weniger als 1.000 Euro – genügend Auswahl. Aber auch der Spezialsammler wirft hier gerne einen Blick hinein, so dass gelegentlich bescheidene Stücke dann doch ein Mehrfaches ihrer Taxe erreichen, so zum Beispiel eine Bronze aus dem lydischen Saitta, geprägt unter Gordian III., die auf der Rückseite Herakles und den Zerberos zeigt. Das seltene Stück, das wohl einem Spezialsammler der Taten des Herakles ins Auge stach, stieg von 200 auf 690 Euro Endpreis.
Geradezu Kultstatus haben die Lots am Ende der Auktion. Von 120 Losen mit einer Gesamtschätzung von 67.000 Euro wechselten 110 mit 106.000 Euro Endergebnis den Besitzer.

Unter welchem Stern Auktion 205 „Mittelalter und Neuzeit“ stehen würde, davon zeugte schon das erste versteigerte Los: Ein vorzüglicher Denar Karls des Großen war mit 2.000 Euro geschätzt und wurde mit 9.200 Euro verkauft. Mit Spannung hatten die vielen anwesenden Italiener eine Sammlung von italienischen Münzen des Mittelalters und der Frührenaissance erwartet. Und tatsächlich wurden die rund 200 Lose zu einem Höhepunkt der Auktion. Hatte die Schätzung rund 135.000 Euro betragen, summierte sich das Endergebnis auf ca. 330.000 Euro. Fast jedes Stück brachte das Doppelte oder gar ein Mehrfaches seiner Schätzung. Rücklose waren ein einziges zu verzeichnen.

4119: Sizilien (Italien). Friedrich II., 1197/1220-1225. Augustalis, Messina, o. J. MEC 515var. Prüfhieb im Rand. Sehr schön bis vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro. Endpreis: 36.800 Euro.

4119: Sizilien (Italien). Friedrich II., 1197/1220-1225. Augustalis, Messina, o. J. MEC 515var. Prüfhieb im Rand. Sehr schön bis vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro. Endpreis: 36.800 Euro.

Hier ein paar besonders spektakuläre Ergebnisse: Ein Testone des Herkules I. von Este (Taxe: 2.000 Euro) brachte 14.950 Euro; eine kleine Serie von drei Augustaleis brachte bei einer gemeinsamen Schätzung von 29.500 Euro 87.400 Euro. Das teuerste Stück der drei wurde mit 36.800 Euro Endpreis gleichzeitig das teuerste Stück der Auktion.
Die beeindruckendste Steigerung erlebte eine seltene Variante eines Multiplo di Tarì von Karl I. von Anjou. Das vorzügliche Stück stieg von seiner Schätzung mit 1.500 Euro auf 20.700 Euro und blieb damit immer noch unter dem Ergebnis eines Reale d’oro aus Messina mit dem Porträt Karls von Anjou, der mit 27.600 Euro den Besitzer wechselte (Taxe: 9.000 Euro).

Altdeutschland wirkte dagegen fast bescheiden, obwohl wenn es natürlich auch hier einige bemerkenswerte Ergebnisse gab, so 12.650 Euro für einen Inngold-Dukat 1780 des Karl Theodor von Bayern (Taxe: 7.500 Euro) oder 13.800 Euro für einen Reichstaler 1667 Friedrich Wilhelms von Brandenburg-Preußen auf den Tod seiner Gemahlin (Taxe: 10.000 Euro).
Die Sammlung Hannover – ohne die zu ihr gehörenden Lots – mit etlichen Kleinmünzen, die in Auktion 205 aufgelöst wurde, brachte durchwegs solide Ergebnisse. Hatte die Schätzung 40.000 Euro betragen, summierte sich das Gesamtergebnis auf rund 84.000 Euro. Teuerstes Stück wurde mit 10.925 Euro ein 2/3 Taler auf die Ausbeute der Grube Bergwerkswohlfahrt von Wilhelm IV. von Hannover.

Reichsgold und -silber nach Jaeger hat in den letzten Monaten viele neue Sammler angezogen. Auch in dieser Auktion bezeugen das die Ergebnisse. Genannt sei hier lediglich ein 10-Mark-Stück 1905 Berlin Mecklenburg-Strelitz, geschätzt mit 5.000 Euro, verkauft mit 12.650 und ein 10-Mark-Stück 1898 München Sachsen Meiningen, geschätzt mit 5.000 Euro, verkauft mit 10.350.

Sehen wir uns zum Schluss noch Russland an. Zunächst eines: Der nicht enden wollende Aufwärtstrend ist gebrochen. Aber für gute, frische Sammlerware sind immer noch gute Preise zu erzielen, bei denen auch Sammler mit knapperem Budget zum Zuge kommen.
Nehmen wir zum Beispiel die hübsche Sammlung russischer Dengas, die zum Verkauf kam. Diese kleinen unauffälligen Silberstücke waren meist mit 100 Euro geschätzt, viele blieben nur knapp über der Schätzung. Doch je nach Motiv und Seltenheit waren immense Sprünge zu erleben. So, um nur ein Beispiel zu nennen, für eine Denga des Boris Alexandrowitsch aus Twer mit der Darstellung eines Münzmeisters beim Prägen. Das Stück brachte 2.760 Euro (Taxe: 100 Euro).

6246: Russland. Alexander III., 1881-1894. Goldene Verdienstmedaille o. J. Diakov 899, 5var. Vorzüglich. Schätzung: 1.000 Euro. Endpreis: 14.950 Euro.

6246: Russland. Alexander III., 1881-1894. Goldene Verdienstmedaille o. J. Diakov 899, 5var. Vorzüglich. Schätzung: 1.000 Euro. Endpreis: 14.950 Euro.

Bei den späteren Münzen gab es einige, wenn auch weit weniger Überraschungen als in früheren Auktionen. So bei einer Verdienstmedaille von Alexander III. Geschätzt war das vorzügliche Stück mit 1.000 Euro, das Endergebnis lautete auf 14.950 Euro, beeindruckend, aber immerhin stammten zum ersten Mal seit langer Zeit die teuersten Münzen der Auktion nicht aus der Abteilung Russland.

Wenn sie alle Ergebnisse sehen wollen, schauen Sie bitte ins Internet.

Ergebnislisten gibt es hier.

Die nächste Aktionswoche von Gorny & Mosch findet vom 15.-19. Oktober 2012 statt. Einlieferungsschluss ist der 27. Juli 2012. Und die Auktion „Kunst der Antike“ 206 ist für den 20. Juni 2012 geplant.
Katalogbestellungen unter www.gmcoinart.de/kontakt oder über:
Gorny & Mosch, Maximiliansplatz 20, 80333 München
Tel: +49 / 89 / 24 22 643-0, E-Mail

*Alle Preise inklusive Aufgeld in Höhe von 15 %.

Falls Sie sich für den historischen Hintergrund der Octavian-Prägungen interessieren, lesen Sie auf jeden Fall diesen Artikel, der sich dem Thema widmet!

← zurück

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Einmal die Woche pünktlich frei Haus. Mit unserem Email-Newsletter bleiben sie immer auf dem neuesten Stand der numismatischen Welt.



Danke, hab' ich schon...