Hermann Historica oHG, D-München

18. April 2016 - 29. April 2016

Auktion 72

Hermann Historica schließt Frühjahrsauktion mit einem der besten Ergebnisse seit Bestehen

Rund 6.300 Objekte aus allen Themengebieten des Hauses kamen in der 72. Auktion der Hermann Historica oHG in München zum Aufruf. Darunter gleich drei geschlossene Sammlungen, welche mit exzellenten Ergebnissen annähernd vollständig auktioniert werden konnten, kaum ein Stück verblieb im Nachverkauf und die Gesamttaxen wurden weit überboten bis verdreifacht.

Lot 4554: Bronzene Kalpis mit Weiheinschrift, griechisch, 4. Jahrhundert v. Chr. Zuschlag: 25.000 Euro.

Lot 4554: Bronzene Kalpis mit Weiheinschrift, griechisch, 4. Jahrhundert v. Chr. Zuschlag: 25.000 Euro.

Antiken

Auch in diesem Frühjahr war das Interesse an den exquisiten Highlights der archaischen Metallarbeiten, allesamt hochqualitativ gearbeitet, einzigartig und teils langjährig in namhaften Sammlungen dokumentiert, ungebrochen. Eine wahre Rarität fand sich unter den frühen Bronzehelmen mit einem Illyrischen Helm in intakter Erhaltung aus dem Ende des sechsten bis fünften Jahrhunderts vor Christus. Für 21.000 Euro, dem annähernd Dreifachen seiner Taxe von 8.000 Euro, wurde dieses überzeugende Belegstück in besterhaltener Originalsubstanz zugeschlagen. Grandios auch, eine bronzene Kalpis in erfreulicher Erhaltung und mit Weiheinschrift aus dem vierten Jahrhundert vor Christus. Für diesen seltenen Krug waren Gebote ab 25.000 Euro willkommen, der Betrag, zu dem er nun auch eine neue Sammlung ziert. Aus anderer Zeit und anderer Kultur, aber mit außerordentlich reger Beteiligung versteigert, erzielten kolumbianische Skulpturen aus Goldlegierung aus dem neunten bis fünfzehnten Jahrhundert ausgesprochen erfreuliche Zuschläge. Während für das Kultgefäß mit liegender Frauenfigur aus der Zenú-Kultur im Aufruf für 3.000 Euro, der Hammer bei 10.500 Euro fiel, erreichte die einmalig schöne und große Alligatorskulptur mit 13.000 Euro das annähernd Siebenfache ihrer Taxe von 2.000 Euro.

Lot 3001: Skythenbogen, Reiternomadisches Siedlungsgebiet, 5.-3. Jahrhundert v. Chr. Zuschlag: 14.000 Euro.

Lot 3001: Skythenbogen, Reiternomadisches Siedlungsgebiet, 5.-3. Jahrhundert v. Chr. Zuschlag: 14.000 Euro.

Bogen und Armbruste

Dass für die Versteigerung der unvergleichlichen Kollektion von Bogen, Armbrusten und kunstfertigen Bogenringen der Sammlung Karl Zeilinger (1944-2014) aus Nürnberg großes internationales Interesse bei Museen und Sammlern geweckt war, stand schon im Vorfeld der Auktion außer Frage. Dass sich dieses gleich in einer Abverkaufsquote von annähernd einhundert Prozent, einer Verdreifachung des Gesamtschätzpreises und Steigerungen für Einzellose bis zum fünfzehnfachen der Taxe niederschlug, kann ohne Frage als sensationeller Erfolg gewertet werden. Wahre Bietgefechte entstanden um Bogenringe aus kostbaren Materialien, wie acht Bogenringe aus heller Jade, die mit 1.800 Euro aufgerufen wurden und 26.000 Euro erzielten. Das Exemplar des legendären Skythen-Bogens angeboten mit Köcherfragment und aus den reiternomadischen Siedlungsgebieten Eurasiens des fünften bis dritten Jahrhunderts vor Christus stammend, war ab 9.000 Euro zu ersteigern und konnte bei 14.000 Euro zugeschlagen werden.

Handpavese der Freien Reichsstadt Schogau, Bayern, Ende 15. Jhdt. Zuschlag: 14.500 Euro.

Handpavese der Freien Reichsstadt Schogau, Bayern, Ende 15. Jhdt. Zuschlag: 14.500 Euro.

Alte Waffen

Auch im regulären Katalog der „Alten Waffen“ bestachen aufwändigst gearbeitete und teils für hochadelige Waffenkammern belegte Raritäten. Sehr schön hier aus dem Bereich der Schutzwaffen, eine mit religiösen Symbolen versehene, sehr seltene spanische Harnischgarnitur aus der Zeit der frühen Conquistadoren. Um 1500 gefertigt und aufgerufen für 8.000 Euro, konnte sie für 12.000 Euro verkauft werden. Eine Handpavese aus der Freien Reichsstadt Schongau in Bayern entstand bereits Ende des 15. Jahrhunderts, war mit 12.500 Euro durchaus moderat angesetzt und konnte auf 14.500 Euro hochgesteigert werden. Ansprechend auch, der überaus hochwertige, bereits um 1600 gearbeitete Kugelschnäpper, der sich vollends verziert mit geätzten, goldtauschierten und beineingelegten floralen Motiven präsentierte und zu seiner Taxe von 13.000 Euro zugeschlagen wurde.

Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Ehrenmedaille, 1677. Zuschlag: 9.500 Euro.

Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Ehrenmedaille, 1677. Zuschlag: 9.500 Euro.

Kunsthandwerk

Traditionsgemäß ebenfalls im Katalog der Alten Waffen, das Kapitel des Kunsthandwerks. So ein ungemein schönes und seltenes Kabinettstück preußischer Geschichte, das die Siege des Großen Kurfürsten feierte – das goldplatinierte, eiserne Medaillon zu Ehren des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) von 1677. Gebote waren für das zeitgenössische, auch kunsthandwerklich eindrucksvolle Stück, ab 8.000 Euro willkommen, bei 9.500 Euro erfolgte der Zuschlag. Eine wunderbare spätromanische Metallarbeit aus Frankreich oder Italien, ein durchbrochener, emaillierter Beschlag aus feuervergoldeter Bronze mit der halbplastischen Darstellung des Samsons im Kampf mit einem Löwen, wurde binnen weniger Minuten von 1.200 Euro auf 6.400 Euro hochgesteigert.

Lot 5448: Steinschlosspistolenpaar, Ivan Permiak, St. Petersburg um 1770. Zuschlag: 80.000 Euro.

Lot 5448: Steinschlosspistolenpaar, Ivan Permiak, St. Petersburg um 1770. Zuschlag: 80.000 Euro.

Historische und militärgeschichtliche Objekte

Im Katalog der historischen und militärhistorischen Objekte überzeugten ebenso hochbedeutende wie prunkvolle Blankwaffen, so der Geschenksäbel, der anlässlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums an Generalmajor Georg Freiherr von Krauchenberg (1776-1843) vom Offizierscorps seiner Division überreicht wurde. Das unvergleichliche Stück konnte ab 25.000 Euro ersteigert werden, begeisterte das Fachpublikum aber derart, dass der Säbel erst bei 52.000 Euro zugeschlagen wurde. Ein Helm M 1832 für Offiziere der bayerischen Kürassiere imponierte mit vergoldetem, halbplastischem Löwen sowie Bärenfellraupe und stellte er eine absolute Rarität dar, die schon Gebote ab 12.500 Euro erforderte und angemessene 19.000 Euro erzielte. Einer der Höhepunkte der Auktion, ein Paar unvergleichlicher silbermontierter Steinschlosspistolen, aus den begabten Händen des Ivan Permiaks. 70.000 Euro mussten Interessenten mindestens für das in St. Petersburg einmalig detailliert und luxuriös gefertigte Paar Steinschlosspistolen von 1770 aufbringen, auktioniert wurde es dann mit 80.000 Euro.

Generalmajor Wilhelm von Groddeck, Orden pour le mérite. Zuschlag: 17.000 Euro.

Generalmajor Wilhelm von Groddeck, Orden pour le mérite. Zuschlag: 17.000 Euro.

Orden und Ehrenzeichen

Unter den Ordens-Offerten brillierten ebenfalls herausragende Lose aus Russland, so die Gruppe vom Orden des Heiligen Wladimir eines Offiziers der Hanseatischen Legion. Sowohl das in Gold gefertigte große Ordenskreuz der 4. Klasse bis 1816, als auch der achtstrahlige Bruststern zur ersten Klasse des gleichen Ordens entgingen nicht der Aufmerksamkeit der Bieter. Und so konnten die bedeutenden Auszeichnungen der Napoleonischen bzw. Befreiungskriege je zu ihrem Startpreis, von 20.000 Euro, bzw. 15.000 Euro verkauft werden. Aus dem geschlossenen Ordens- und Urkundennachlass des Divisionsgenerals des Ersten Weltkrieges, Generalmajor Wilhelm von Groddeck (1861-1937), konnte auch das Ordenskreuz des legendären Orden Pour le Mérite angeboten werden. Dies musste einem Bieter die Taxe von 17.000 Euro wert sein. 

Ein Paar Luxus-Perkussionspistolen im Kasten, Brun, Paris 1840. Zuschlag: 22.000 Euro.

Ein Paar Luxus-Perkussionspistolen im Kasten, Brun, Paris 1840. Zuschlag: 22.000 Euro.

Schusswaffen aus fünf Jahrhunderten

Zwei reich verbeinte Radschlossbüchsen aus Teschen, beide um 1650, begeisterten die privaten und institutionellen Sammler: Während die Tschinke mit Losnummer 1034 auf ihren feinst gravierten Einlagen jagdliche Darstellungen und Groteskenköpfe zeigte, im Aufruf für 11.000 Euro, versteigert für 15.000; war die weitere Büchse mit reichen, grün gefärbten Bein- und Messingeinlagen sowie geschnittener, floral gravierter Garnitur versehen und erfreut nun zum Startpreis von 13.500 Euro einen neuen Besitzer. Die wahren Glanzstücke dieses Kapitels, ein Paar Luxus-Perkussionspistolen aus den Händen des renommierten Pariser Büchsenmachers J. C. A. Brun, die um 1840 gefertigt wurden, blieben auch der internationalen Fachwelt nicht verborgen. Hochfeine Silbereinlagen mit graviertem, grafischem und floralem Dekor, goldeingelegte Signaturen, aufwändig geschnittenes Rankendekor auf den Perkussionsschlössern und augenfällig schön gemaserte Halbschäfte unterstrichen die besondere Wertigkeit dieser auf 15.000 Euro taxierten und für 22.000 Euro versteigerten, unberührt wie erlesenen Büchsenmacherarbeit.

Weitere Informationen und die kompletten Ergebnislisten auf der Webseite von Hermann Historica.

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