Lanz Numismatik / München

24. Juni 2010

Auktion 149 – Numismatische Raritäten

Käufer lieben Qualität

Am 24. Juni 2010, kurz vor der Sommerpause, fand die 149. Auktion der Münzenhandlung Numismatik Lanz in München statt. Der Katalog umfaßte eine bunte Mischung aus antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen, darunter Seltenheiten und Kabinettstückchen in feinster Erhaltung.

172 Pergamon (Mysien). Herakles, Sohn Alexanders des Großen, gest. 309(?). Goldstater, vor 309. Vorzügliches Prachtexemplar. Schätzung: 40.000 Euro. Zuschlag: 46.000 Euro.

172 Pergamon (Mysien). Herakles, Sohn Alexanders des Großen, gest. 309(?). Goldstater, vor 309. Vorzügliches Prachtexemplar. Schätzung: 40.000 Euro. Zuschlag: 46.000 Euro.

Die teuerste Münze der Abteilung Antike wurde ein Goldstater aus Pergamon. Das vorzügliche Prachtexemplar war mit 40.000 Euro geschätzt und wurde mit 46.000 Euro zugeschlagen. Bei der historisch hoch bedeutenden Münze handelte es sich um eine Prägung wohl des Herakles, des illegitimen Sohns Alexanders, der in Pergamon aufwuchs. Er dürfte die Emission vor seiner Ermordung im Jahr 309 in Auftrag gegeben haben.
Ansonsten wurde alles teuer, was hinsichtlich Stil und Erhaltung vom Durchschnitt abwich. Sei es ein archaischer Stater aus Thasos mit dem Motiv des eine Nymphe raubenden Satyrs (Nr. 82 / 1.200 / 2.700 Euro), sei es eine Tetradrachme aus Akanthos mit dem einen Stier reißenden Löwen (Nr. 92 / 3.000 / 5.000 Euro) oder eine Tetradrachme aus Athen von feinstem Stil (Nr. 155 / 4.000 / 6.000 Euro).
Auch Seltenheiten wußten die Käufer zu schätzen, und das gerade bei den Kleinmünzen. So erzielte ein „nur“ sehr schöner Hemiobol von der Insel Pordosilene 900 Euro statt der geschätzten 200 (Nr. 184).
Zu den Favoriten von Sammlern antiker Münzen gehören immer noch die Prägungen der römischen Republik, und hier hatte die Auktion 149 einiges zu bieten. Die 43 meist sehr attraktiven Stücke waren mit 24.100 Euro geschätzt gewesen, das Endergebnis lautete auf 28.650 – und das obwohl in der Firma Lanz mit 60 % ausgerufen wird. Nur ein einziges Los ging zurück. Nennen wir hier nur zwei Beispiele: So realisierte ein nicht allzu seltener, aber dafür vorzüglicher Denar des Marcus Aurelius Cotta von 139 mit Herkules in der Kentaurenbiga auf der Rückseite (Cr. 229/1) 650 Euro statt seiner Schätzung von 300 Euro (Nr. 292), ein vorzüglicher Denar des Cn. Pompeius Magnus von 46-45 aus Spanien (Cr. 469/1a) brachte 1.300 Euro (Nr. 319 / 500 Euro).

347 Agrippina Maior. Sesterz. RIC 55. Vorzüglich. Schätzung: 2.500 Euro. Zuschlag: 8.500 Euro.

347 Agrippina Maior. Sesterz. RIC 55. Vorzüglich. Schätzung: 2.500 Euro. Zuschlag: 8.500 Euro.

Einer der Schwerpunkte der Auktion 149 waren die Münzen der römischen Kaiserzeit. Hier gab es vor allem bei den Damen und den Soldatenkaisern spektakuläre Zuschläge. So erzielte ein vorzüglicher Sesterz der Agrippina Maior mit dem von Maultieren gezogenen Carpentum, geprägt unter Claudius, 8.500 Euro (Nr. 347 / 2.500 Euro), ein sehr schöner Dupondius der Agrippina Minor aus Thrakien 4.400 Euro (Nr. 352 / 2.000 Euro). Freuen konnte sich der Käufer eines Bronzemedaillons des Commodus mit den Dioskuren auf der Rückseite. Das seltene und fast vorzügliche Stück blieb mit einem Zuschlag von 8.500 Euro unter seiner Schätzung (Nr. 422 / 10.000 Euro).

455 Perinth (Thrakien). Caracalla. Bronzemedaillon. Rv. Kriegsschiff. Sehr selten. Schätzung: 4.000 Euro. Zuschlag: 21.000 Euro.

455 Perinth (Thrakien). Caracalla. Bronzemedaillon. Rv. Kriegsschiff. Sehr selten. Schätzung: 4.000 Euro. Zuschlag: 21.000 Euro.

Weit über die Taxe gingen dagegen ein paar vorzüglich erhaltene Provinzialbronzen. So erfolgte der Zuschlag für das prachtvolle Bronzemedaillon des Caracalla aus dem thrakischen Perinthos erst bei unglaublichen 21.000 Euro (Nr. 455 / 4.000 Euro), eine Großbronze aus Antiocheia am Mäander in Karien, geprägt unter Gallienus mit der Darstellung einer stilisierten Brücke, brachte 2.600 Euro (Nr. 518 / 900 Euro).
Nicht vergessen wollen wir hier einige seltene Prägungen der Soldatenkaiser mit herausragenden Porträts. So war ein Sammler zum Beispiel bereit, um nur ein Beispiel zu nennen, für einen Denar des Gordianus I. Africanus in Stempelglanz 6.250 Euro zu zahlen (Nr. 486 / 3.500 Euro).

609 RDR. Wenzel IV. von Böhmen (1378-1419), Auerbach. Goldgulden. Äußerst selten. Fast vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro. Zuschlag: 38.000 Euro.

609 RDR. Wenzel IV. von Böhmen (1378-1419), Auerbach. Goldgulden. Äußerst selten. Fast vorzüglich. Schätzung: 10.000 Euro. Zuschlag: 38.000 Euro.

Schließen wir damit die Antike ab und gehen über zur Neuzeit. Auch wenn es hier nicht die spektakulären Ergebnisse gab wie in der Antike, zeigt sich doch, der Markt ist gesund. Nur vereinzelt wurden Stücke nicht verkauft; der größte Teil des Materials erzielte Ergebnisse um die Schätzung. Drei Ausreißer gab es, die wir hier natürlich erwähnen müssen. Ein äußerst seltener und fast vorzüglicher Goldgulden des Wenzel IV. (1378-1419) aus Auerbach stieg von seiner Schätzung mit 10.000 Euro auf 38.000 Euro (Nr. 609) und wurde damit das zweitteuerste Stück der Auktion.
Ein Denar Heinrichs IV. aus Dortmund in vorzüglicher Erhaltung und mit einem besonders fein gezeichneten Brustbild des Herrschers brachte 3.250 Euro (Nr. 606 / 800 Euro); ein vorzüglicher Penny des englischen Königs Edward mit dem Beinamen der Bekenner, ebenfalls mit einer besonders klaren Prägung, wurde mit 650 Euro zugeschlagen (Nr. 726 / 250 Euro).
Die vollständige Ergebnisliste finden Sie im Internet unter http://www.sixbid.com/nav.php?p=pr&sid=258. Unter http://www.sixbid.com/nav.php?p=viewsale&sid=258&s=b können alle Lose mit Schätzung, Zuschlag, Bild und Beschreibung abgefragt werden.

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