Aufstieg und Niedergang einer privaten Münzstätte: Die Birmingham Mint

2. Februar 2017 – Gegründet im Jahr 1850, wurde die auf Bronzemünzen, das damalige Kleingeld, spezialisierte Birmingham Mint innerhalb von nur 10 Jahren zur größten privaten Münzstätte der Welt. Die Birmingham Mint produzierte das Kleingeld vieler wirtschaftlicher Großmächte des 19. Jahrhunderts, so zum Beispiel für Frankreich, Großbritannien und Italien.

Ein Blick auf die heute geschlossene Birmingham Mint, ein typisches Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Oosoom / CC BY-SA 3.0

Ein Blick auf die heute geschlossene Birmingham Mint, ein typisches Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Foto: Oosoom / CC BY-SA 3.0

Sie spielte diese entscheidende Rolle in der weltweiten Münzfertigung, weil der Royal Mint die Annahme von Aufträgen fremder Regierungen untersagt war. So musste, wer auf britisches Knowhow Wert legte, zur privaten Birmingham Mint gehen. Doch 1923 erhielt die Royal Mint die offizielle Erlaubnis, diese Aufträge selbst zu übernehmen, was zum Niedergang der Birmingham Mint führte. In den Jahren zwischen 1940 und 1964 machte die Münzfertigung gerade noch 10 bis 20 % des Geschäftes aus.

Irgendwann zu Beginn der 60er Jahre schloss die Royal Mint mit der Birmingham Mint einen Vertrag. Er sprach der Birmingham Mint einen genau festgelegten Prozentsatz an allen Übersee-Aufträgen der Royal Mint zu. Welche Gegenleistung die Royal Mint für dieses großzügige Entgegenkommen erhielt, ist unbekannt. 

2001 war ein schlechtes Jahr für die Royal Mint. Mit über 5 Mio. Pfund Handelsverlust fuhr sie das bis dahin schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Dafür verantwortlich waren nicht nur der Rückgang an Aufträgen, sondern auch die hohen Kosten, die notwendig wurden, um den defizitär arbeitenden Staatsbetrieb zu restrukturieren. 

Dazu erhitzte ein hausgemachter Skandal die Gemüter. Aus den Safes der Royal Mint waren Münzen im Wert von 25.000 Pfund (damals 40.000 Euro) verschwunden. Dieser Diebstahl wurde erst nach acht Monaten entdeckt, was nun öffentlich angeprangert wurde.

In dieser bedrängten Lage kündigte die Royal Mint den Vertrag mit der Birmingham Mint. Wir sind über die Existenz dieser Vereinbarung überhaupt nur deshalb informiert, weil die Birmingham Mint im Oktober 2002 eine Schadensersatzklage in Höhe von 5,4 Mio. Pfund gegen die Royal Mint anstrengte.

Roland Vernon, der Besitzer der Birmingham Mint forderte in diesem Zusammenhang, dass die Aufträge für Münzen und Ronden in Großbritannien neu ausgeschrieben werden sollten: „Die Royal Mint hält das Monopol für britische Münzen und ich denke, dass diese Zahlen wirklich belegen, dass es neu ausgeschrieben werden sollte, so dass sich auch andere Leute darum bewerben können. Ich denke, wir könnten den Steuerzahlern mehr Gegenwert für ihr Geld bieten.“

Der Prozess zog sich hin und für die Birmingham Mint wurde die Situation immer bedrohlicher, und das obwohl sie noch 2002 einen Großauftrag zur Produktion von Euroronden erhalten hatte. Wegen akutem Bargeldmangel wurde die Birmingham Mint im März 2003 unter die Verwaltung der KPMG gestellt. Der Versuch eines lokalen Politikers, die Royal Mint zu einem Kompromiss zu bewegen, indem er mit einer Anklage mit Berufung auf den 1997 Competition Act drohte, scheiterte. Im Mai 2003 wurde die Birmingham Mint geschlossen.

Zwei Artikel über die Schließung der Birmingham Mint sind im Netz öffentlich zugänglich. Einer in „The Free Library“ und einer der BBC.

Wenn Sie sehen wollen, wie das Fabrikareal in Zukunft genutzt wird, lesen Sie diesen Artikel in der Birmingham Post.

Dieser Artikel wurde in englischer Sprache erstmals im Mint News Quarterly 03 / 2016 publiziert. Das Mint News Quarterly wird von Currency News in Zusammenarbeit mit Monea herausgegeben. Verantwortliche Redakteurin ist Ursula Kampmann.

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