Ausstellung im Berliner Münzkabinett beleuchtet antikes Syrien

22. Juni 2017 – Das heutige Syrien umfasst einen Großteil der ehemaligen römischen Provinz Syria, die einst eine östliche Grenzprovinz des römischen Imperiums war. 

Uranius Antoninus. Aureus. Rv. Stein des Baal von Emesa auf einer Quadriga nach l.; auf dem Stein, der von zwei Schirmen gerahmt ist, ist das Relief eines Adlers zu sehen. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Reinhard Saczewski.Uranius Antoninus. Aureus. Rv. Stein des Baal von Emesa auf einer Quadriga nach l.; auf dem Stein, der von zwei Schirmen gerahmt ist, ist das Relief eines Adlers zu sehen. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Reinhard Saczewski.

Uranius Antoninus. Aureus. Rv. Stein des Baal von Emesa auf einer Quadriga nach l.; auf dem Stein, der von zwei Schirmen gerahmt ist, ist das Relief eines Adlers zu sehen. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Reinhard Saczewski.

Syrien war auf Grund seiner geographischen Lage zwischen der Küste des östlichen Mittelmeers und dem fruchtbaren Halbmond ein führendes Kultur- und Handelszentrum der Antike. Die Weihrauch- und Seidenstraße hatten wichtige Stationen im antiken Syrien. Gehandelt wurden etwa in Palmyra neben Räucherwaren und feinen Textilien auch Öle, Pelze, Keramik, Porzellan, Jade und andere Luxusgüter. Ebenso trafen in Palmyra wie in ganz Syrien unterschiedliche Kulturen und Religionen aufeinander. So siedelten seit der Archaik an der Küste die Phöniker und betrieben hier ihre Handelsstützpunkte. Im Süden grenzte das Reich der Nabatäer an, die von ihrem Zentrum Petra aus den Handel koordinierten. Die Götterwelt der Phöniker und Nabatäer ist noch auf den römischen Münzen Syriens präsent: Es finden sich Bilder der Göttin Astarte, des Herakles-Melkart sowie des Dusares neben zahlreichen Zeugnissen für in der Region beheimatete Steinkulte. Der berühmteste ist wohl der Kult des Baal in Emesa, der vom römischen Kaiser Elagabal sogar für einen kurzen  Zeitraum nach Rom gebracht wurde. 

Antiochia am Orontes. Tetradrachmon. Rv. Tyche von Antiochia, darunter der schwimmende Flussgott Orontes. 5-4 v. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.Antiochia am Orontes. Tetradrachmon. Rv. Tyche von Antiochia, darunter der schwimmende Flussgott Orontes. 5-4 v. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.

Antiochia am Orontes. Tetradrachmon. Rv. Tyche von Antiochia, darunter der schwimmende Flussgott Orontes. 5-4 v. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.

Die Münzen der antiken syrischen Städte können somit kulturelle, religiöse und politische Konstellationen eindrucksvoll illustrieren. Denn Münzstätten befanden sich nicht nur in den wichtigen Handelsmetropolen, den Hafenstädten und Oasen wie Laodikeia, Palmyra und Damaskus, sondern auch in Zentren des kulturellen und religiösen Lebens wie in Antiochia am Orontes oder Emesa. 

Iulia Domna. Tetradrachmon. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Lutz-Jürgen Lübke.

Iulia Domna. Tetradrachmon. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Lutz-Jürgen Lübke.

Auch von beeindruckenden Persönlichkeiten erzählen die syrischen Münzen römischer Zeit. Da Iulia Domna, die Ehefrau des Septimius Severus, und ihre Schwester Iulia Maesa aus Syrien stammten, hatte das römische Kaiserhaus in severischer Zeit (193–235) eine enge Verbindung zu dieser bedeutenden Provinz. Und so finden sich zahlreiche Kaiser wie Geta, Caracalla, Elagabal und Severus Alexander mit syrischen Wurzeln. Eine der bekanntesten Syrerinnen überhaupt ist Zenobia, deren (Fantasie-)Bild sich noch auf aktuellen syrischen Geldscheinen findet. Die Palmyrenerin übernahm nach dem Tod ihres Mannes Odenathus für ihren minderjährigen Sohn Vaballathus die Regentschaft und konnte das Gebiet von Palmyra bis nach Ägypten ausdehnen. 

Tyros. Caracalla. AE. Rv. Astarte zwischen einem Siegesmal und einer kleinen Nike-Statue stehend. 209-217 n. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.Tyros. Caracalla. AE. Rv. Astarte zwischen einem Siegesmal und einer kleinen Nike-Statue stehend. 209-217 n. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.

Tyros. Caracalla. AE. Rv. Astarte zwischen einem Siegesmal und einer kleinen Nike-Statue stehend. 209-217 n. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.

Der Aufbau der Ausstellung im Sonderausstellungsraum des Münzkabinetts im Bode-Museum orientiert sich an der geographischen Lage der einzelnen Städte. In Vitrinen werden die Prägungen wichtiger syrischer Städte wie Damaskus, Bostra oder Apameia vorgestellt. Außerdem werden Städteprägungen gezeigt, deren Lokalisierung heute außerhalb Syriens liegt, wie Arados in Libanon oder Antiochia in der Türkei. Thematisch befasst sich die Ausstellung neben dem Handel und den mit Syrien verbundenen Persönlichkeiten auch mit dem kulturellen und religiösen Leben im antiken Syrien wie es durch die Münzprägung greifbar wird. 

Grabrelief eines Geschwisterpaares, dargestellt sind der junge Yarhai und seine Schwester Moainat. 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt.

Grabrelief eines Geschwisterpaares, dargestellt sind der junge Yarhai und seine Schwester Moainat. 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst / Antje Voigt.

Flankiert werden die Münzen von Zeugnissen syrischer Kultur aus anderen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin. Ein palmyrenisches Grabrelief aus der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst vervollständigt das Bild der Handelsmetropole. Glasobjekte aus dem Museum für Islamische Kunst geben Einblick in die syrische Alltags-und Handelswelt, ein Silberensemble aus der Antikensammlung wirft ein Schlaglicht in die der Luxusgüter.

Mehr zur Ausstellung erfahren Sie auf der Seite der Staatlichen Museen zu Berlin Preussischer Kulturbesitz.

Zur Webseite des Münzkabinetts kommen Sie hier.

Mit Hortfunden syrischer Münzen beschäftigt sich eine umfangreiche Arbeit von Frédérique Duyrat. Eine Buchbesprechung lesen Sie hier in der MünzenWoche.

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