Das Ende der belgischen Münzstätte

von Björn Schöpe

13. Juli 2017 – Zum 1. Januar 2018 wird die Königlich Belgische Münzstätte geschlossen. Und das obwohl Medienberichte in Belgien betonen, wie wichtig die Einrichtung für den nationalen Zusammenhalt des gespaltenen Landes sei. Immerhin prägt Belgien seit 1832 Münzen, also nur zwei Jahre nach seiner Gründung. Außerdem sieht sich die Nation als einer der Vorreiter bei der Einführung des Euro. Nicht zuletzt hat der belgische Chefgraveur Luc Luyckx die gemeinsame Seite aller Euro-Münzen gestaltet.

Lange Diskussionen

Seit 2010 wollte das Finanzministerium Belgiens Münzstätte in Brüssel schließen. Der Grund: Die Auslastung erlaube keinen gewinnbringenden Betrieb. Der Widerstand in der Bevölkerung und den Gewerkschaften war groß und zögerte eine Entscheidung hinaus. Doch im Herbst 2016 war klar, dass die Produktion zum 1. Januar 2018 eingestellt würde, im März 2017 hat die Regierung das Projekt offiziell und endgültig abgesegnet.

Ideologische oder ökonomische Gründe?

Doch warum schließt Belgien seine traditionsreiche Prägestätte? In der offiziellen Begründung des Finanzministeriums heißt es, die 68 Millionen geprägten Münzen erlaubten keine wirtschaftliche Nutzung.
Die Gewerkschaft widerspricht dieser Sicht. Die genannte Zahl stamme von 2015, doch bereits 2016 sei das Prägevolumen auf 90 Millionen Stück gestiegen. In einer Stellungnahme erklärt die Gewerkschaft UNSP: „Das Personal hat seit Jahren Anstrengungen unternommen, um die geforderten Zielvorgaben zu erreichen. Dies ist so gut gelungen, dass die Königliche Münze Gewinne erzielt.“ Aus Sicht der UNSP handele es sich daher um „eine ideologische und nicht um eine ökonomische Entscheidung“.

Wie sieht die Zukunft aus?

Wie die Zeitungen berichten, waren die 25 hochspezialisierten Angestellten der Münze von der Nachricht der Schließung geschockt. Während die Gewerkschaft um die Arbeitsplätze fürchtet, hat die Regierung versichert, keiner der Angestellten werde entlassen.
Wo und wie in Zukunft die belgischen Euro-Münzen geprägt werden, hat Belgiens Regierung noch nicht bekannt gegeben. Medienberichte spekulieren über eine zentrale Rolle der belgischen Investmentgruppe Groep Heylen. Groep Heylen hat vor kurzem die Niederländische Münzstätte aufgekauft und könnte belgische Münzen in den Niederlanden prägen lassen oder aber die belgische Münzstätte als Privatunternehmen weiterbetreiben.

Cui bono? Wem nützt die Schließung?

Sammler von Euro-Münzen können sich zunächst freuen. Die Münzstätte kündigt auf ihrer Webseite den Ausverkauf an: Stücke, die vor dem 19. Juni 2016 geprägt wurden, werden momentan zu Sonderpreisen angeboten. Doch für wen die Schließung langfristig von Vorteil sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Für den Ausverkauf besuchen Sie die Webseite der Königlich Belgischen Münzstätte.

International wurde kaum über die Schließung der Belgischen Münzstätte berichtet. Französischsprachige Medien in Belgien hingegen griffen das Thema immer wieder auf, so La Libre, 7sur7 und der Blog Numismatique Argenteuil.

Die Stellungnahme der Gewerkschaft (auf Französisch) lesen Sie hier.

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