Das Königliche Münzkabinett in Stockholm wird geschlossen und zurückgebaut

von Harald Nilsson

12. Januar 2017 – Das Königliche Münzkabinett in Stockholm ist das älteste Museum Schwedens. Es wurde bereits in den 1570er Jahren begründet. Seit 1997 ist das Münzkabinett in einem repräsentativen Gebäude zentral in der Stockholmer Altstadt untergebracht, nunmehr jedoch von der Schließung bedroht. Die Ausstellungen werden bereits abgebaut. Ziel ist es, das Münzkabinett in vermutlich deutlich kleinere, noch entsprechend auszubauende und zu sichernde Räumlichkeiten in unmittelbarer Umgebung des Historischen Museums zu verlegen.

Das Sveriges ekonomiska museum von außen gesehen. Foto: Sören Eriksson / CC BY-SA 3.0

Das Sveriges ekonomiska museum von außen gesehen. Foto: Sören Eriksson / CC BY-SA 3.0

Das Königliche Münzkabinett in Stockholm hat vor allem durch das noch nicht fertiggestellte Projekt zur Katalogisierung der enormen Funde wikingerzeitlicher Münzen in Schweden internationale Bekanntheit erlangt. Das Projekt wurde von deutschen und englischen Forschungsstiftungen mitfinanziert und ist mit bekannten Namen wie Peter Berghaus, Gert und Vera Hatz in Deutschland sowie Michael Dolley und Mark Blackburn in Großbritannien verknüpft. Aus den Funden sind Hunderttausende vor allem arabische, deutsche und englische Münzen bekannt, die dank der bis ins 17. Jahrhundert zurückreichenden Fundgesetzgebung vor allem in dem Stockholmer Museum verwahrt werden. Nicht zuletzt dem Betreiben Brita Malmers, der langjährigen Leiterin des Wikingerprojekts, ist die Einrichtung eines eigenständigen geldgeschichtlichen Museums zu verdanken, das auch baulich speziell an die Anforderungen der Verwahrung solch umfangreicher Münzbestände angepasst ist, die nicht nur Kulturerbe Schwedens, sondern auch Deutschlands und des Vereinigten Königreichs sowie der arabischen Länder sind.

Bislang wurde in Stockholm auf drei Stockwerken die Geschichte des Geldes der Welt gezeigt, wobei Schatzfunden, der Geschichte der Medaillenprägung und der Entwicklung des Sparens besondere Aufmerksamkeit gewidmet ist. Der Museumspädagogik stand eine eigene Ausstellung für Kinder zur Verfügung, wo man nicht nur Inflation kindgerecht durch eine schwindende Anzahl an Süßigkeiten verständlich machte, sondern auch ein beinahe echtes Piratenschiff mit eigenem Schatz zu finden war. Dieser Raum ist bereits abgerissen, die beeindruckende Medaillenausstellung ereilt derzeit dasselbe Schicksal.

Obwohl die derzeitigen Räumlichkeiten des Königlichen Münzkabinetts bereits gekündigt sind, ist bislang noch nicht bekannt, wo und wie die enormen Sammlungsbestände von weit über 500.000 Objekten in den Räumlichkeiten des Historischen Museums Platz finden sollen. Von Diensträumen, die in unmittelbarer Nähe der Objekte zu deren arbeitsökonomischer Bearbeitung und Veröffentlichung gelegen sein sollten, ganz zu schweigen.

Der Rückbau des Königlichen Münzkabinetts, wo neben den Ausstellungen auch Tresorräume abgerissen werden müssen, stellt eine Kapitalvernichtung von enormem Ausmaß dar. Vielleicht noch schlimmer ist jedoch der Verlust des Museums. Damit verschwindet ein weiterer der viel zu wenigen musealen Repräsentanten der Numismatik von der Landkarte. Ganz sicher ist dies zum Nachteil der ohnehin gebeutelten Stockholmer Museumslandschaft, wo Touristen künftig nicht mehr in unmittelbarer Nähe des königlichen Schlosses die königliche Münzsammlung betrachten können.

Ein weiterer Aspekt ist die bedeutendste numismatische Bibliothek Schwedens, die von der Königl. Schwedischen Akademie der Literatur, Geschichte und Altertümer betrieben wird und im Münzkabinett untergebracht ist. Auch der künftige Standort der Bibliothek ist ungewiss. Einzig sicher scheint, dass die Bibliothek ebenso wie die anderen Sammlungsbestände zumindest während des Umzugs für einige Jahre unzugänglich werden dürfte, was die numismatische Forschung in Schweden massiv beeinträchtigen wird.

Zumindest in der offiziellen Darstellung sind die steigenden Mieten für die Stockholmer Museen die Ursache dieser folgenschweren Entwicklung. Allerdings muss man dazu wissen, dass in Schweden ein ausgeklügeltes, aber wenig durchdachtes Nullsummenspiel hinter dieser Mietform steckt: Die staatlichen Museen mieten ihre Räumlichkeiten von gemeinhin ebenfalls staatlichen Gebäudeverwaltungen, die ihre Mieten an einen vermeintlich marktgerechten Mietspiegel anpassen. Angesichts allgemein steigender Mietpreise, so die offizielle Darstellung, wird daher auch die Finanzierung der Museen immer kostspieliger. Bei etwas genauerer Betrachtung stellt man natürlich fest, dass die Museumsmieten eh an den Staat zurückfließen und die steigenden Mieten daher nur ein bequemes und politisch wenig gefährliches Argument zur Begründung einer massiven Veränderung (sprich: Dezimierung) der Museumslandschaft ist.

Für diese Entwicklung trägt letztlich das schwedische Kultusministerium die Verantwortung. Wer dort auf die Bedeutung des Königlichen Münzkabinetts in Stockholm nicht nur für das schwedische sondern auch das internationale Kulturerbe hinweisen möchte, kann es über die Mailadresse kulturdepartementet.registrator@regeringskansliet.se erreichen.

Laut schwedischem Recht werden sämtliche Schreiben an Behörden registriert und aufgrund des Öffentlichkeitsprinzips auf Anfrage zugänglich gemacht. Auf diese Weise ist es Journalisten und der Allgemeinheit möglich, Einsicht in die Schreiben zu nehmen, was in diesem Zusammenhang ein eindeutiger Vorteil ist.

Noch ist die Website des Museums online, niemand weiß, wie lange.

Auf Wikipedia findet sich ein ausführlicher Artikel dazu.

Der Tripadvisor bewertete das Museum mit 4 von 5 möglichen Punkten.

Kommentare reichen von „nicht entgehen lassen!“ bis zu „tolles kleines Museum“ oder „A coin lovers heaven“.

Auf Youtube finden sich Videos zur Geldgeschichte in schwedischer Sprache, die mit einem Panoramablick auf das Museum beginnen.

John Armbrecht aus Göteborg hat 2013 eine ausführliche Studie zur wirtschaftlichen Auswirkung von schwedischen Museen geschrieben – leider auf schwedisch.

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