Der menschliche Körper auf Objekten der Kleinkunst

von Ursula Kampmann

18. Mai 2017 – Sind Sie ein Ästhet? Dann sollten Sie unbedingt einen Blick in den Ausstellungskatalog tun, den das Benaki Museum in Athen und das Pushkin State Museum in Moskau gemeinsam herausgegeben haben. Er ist einem Thema gewidmet, das seit dem Anbeginn der Zeit die Kunstschaffenden fasziniert hat: dem menschlichen Körper.

Vasiliki Penna (Hrsg.), Heads and Tails - Tales and Bodies. Engraving the Human Figure from Antiquity to the Early Modern Period. MER. Paper Kunsthalle, Ghent 2016. 405 S. durchgehend Abbildungen in Schwarz-Weiß und 120 Farbtafeln, 27,7 x 22,2 cm, Hardcover. ISBN: 978-94-9232-131-2. 80 Euro.

Vasiliki Penna (Hrsg.), Heads and Tails - Tales and Bodies. Engraving the Human Figure from Antiquity to the Early Modern Period. MER. Paper Kunsthalle, Ghent 2016. 405 S. durchgehend Abbildungen in Schwarz-Weiß und 120 Farbtafeln, 27,7 x 22,2 cm, Hardcover. ISBN: 978-94-9232-131-2. 80 Euro.

Es ist nämlich der ästhetische Aspekt, der den Katalog „Heads and Tails – Tales and Bodies. Engraving the Human Figure from Antiquity to the Early Modern Period“ zusammenhält. Es geht um die Schönheit des menschlichen Körpers und um die Kunstfertigkeit, mit der Künstler seit Jahrhunderten diesen Körper darstellen. Dabei liegt der Schwerpunkt der präsentierten Kunstwerke auf der griechischen und römischen Antike sowie der frühen Neuzeit, doch auch die byzantinische Kunst fehlt nicht.

Ganz in der Tradition eines hervorragenden Coffee-Table-Book offeriert der schwergewichtige Katalog die Möglichkeit, abzutauchen in die vollendete Schönheit guter Kunst. Ob eine Minute oder eine Stunde, es ist gleichgültig, wie viel Zeit man investiert. Schon der einleitende Block von Bildtafeln – alle auf schwarzem Grund, alle nach ästhetischen Kriterien gestaltet – zieht den Betrachter in den Bann, den die perfekte Wiedergabe des menschlichen Körpers auszuüben vermag.

Es folgt ein Katalog der Ausstellungsobjekte mit knappen Einleitungen und kurzen Erklärungen, die Hilfestellung für das Verständnis der Objekte bieten, ohne deren Schönheit durch akademische Details zu zerreden. Münzen und Statuen sind gleichbehandelt. Jedem Objekt ist eine Seite sowie ein etwa halbseitiger Text gewidmet.

Der Katalog beginnt mit Darstellungen, die die Verbindung zwischen Göttlichem und menschlichem Körper illustrieren. Wir sehen den perfekten Menschen als Inbegriff der Gottheit, von der griechischen Antike bis zur byzantinischen Ikone.
Das folgende Kapitel zum menschlichen Faktor präsentiert großartige Porträts, auf Büsten und Münzen, nicht chronologisch geordnet, sondern so sinnfällig zusammengestellt, dass auf einmal klar wird, wie ähnlich das Alexanderporträt, das unter der Herrschaft Gordians III. vom Makedonischen Koinon ausgegeben wurde, dem hellenistischen Herrscher Demetrios Poliorketes war. Das zeitliche Spektrum reicht von einem Satrapenporträt des Gamerses bis ins frühe und hohe Mittelalter, in die Renaissance und zu Napoleon.
Unter dem Titel Personifikationen und Metamorphosen geht es um die Zwischenstufen von Mensch und Tier, den Flussgott und die Nymphe, die Stadtgöttin und die Personifikation. Der Schwerpunkt liegt auf der römischen Periode, auch wenn es natürlich Beispiele aus anderen Epochen gibt.
Human Figures and Artistic Challenges (Die menschliche Gestalt und künstlerische Herausforderungen), so ist das vierte Kapitel überschrieben. Hier entdeckt der Leser eine Fülle von interessanten Darstellungen, die eigentlich von keiner Gemeinsamkeit zusammengehalten werden, doch gibt es immer wieder Gruppen. So sind Ringkämpfer und Krieger, Tänzer und Porträts, Hände, die Triskelis und vieles mehr aus verschiedenen Zeiten und Orten zusammengestellt.
Wie Münzbilder reisten, sich veränderten, anpassten an die Kultur, die eine Münze prägte, das ist das Thema des letzten Kapitels.

Es folgen einige Artikel, die eine Art chronologischen Ansatz bieten. Der menschliche Körper und das Verständnis der Menschen von ihm wird – exemplarisch an einigen Schwerpunkten – durch die Zeit verfolgt, von der Vorgeschichte bis zum Klassizismus.

Der Prachtband endet, wie er begonnen hat, mit einem Block von großartigen Tafeln, die das ästhetische Konzept der Ausstellung kommentieren. Ungewöhnliche Perspektiven, kunstvolle Fotographien, sie fassen zusammen, was das Buch dem Leser sein kann: Ein Hort der Schönheit, eine Erholung vom Alltag, ein Ausruhen von der hässlichen Gegenwart, in dem man für wenige Minuten oder eine halbe Ewigkeit versinkt, um sich danach wieder den Problemen des Alltags zu stellen.

Bestellen kann man das Buch über den Verlag.

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