Die Briefe des Nicolas-Claude Fabri de Peiresc an die Pasqualini

von Ursula Kampmann

22. Februar 2018 – Wenige Gebiete der Numismatik werden aktuell so intensiv beforscht wie die Wissenschaftsgeschichte. Und dabei lernen wir nicht nur Neues über Münzen, Gemmen und antike Objekte, wir begreifen vor allem, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse in einer Welt verbreiteten, in der das Pferd immer noch das schnellste Fortbewegungsmittel war. Wir lernen, dass unsere heißgeliebten Bücher, die heute das Mittel der Wahl bei der Mitteilung von Forschungsergebnissen sind, nicht das einzige Medium waren, über das ein Gelehrter sich ausdrücken kann. In der Epoche der frühen Neuzeit war die Korrespondenz wesentlich wichtiger, um Informationen zu erhalten und neue Erkenntnisse weiterzugeben. Ein gutes Beispiel dafür ist der Briefwechsel von Nicolas-Claude Fabri de Peiresc und Lelio Pasqualini bzw. seinem Neffen Pompeo Pasqualini.

Veronica Carpita, Elena Vaiani (Hrsg.), La correspondance de Nicolas-Claude Fabri de Peiresc avec Lelio Pasqualini (1601-1611) et son neveu Pompeo (1613-1622), Les lettres italiennes de Pereisc 1. CNRS/Alain Baudry et Cie, Paris 2012. 16,2 x 24 cm. 345 S. Paperback. ISBN: 978-2-35755-038-4. 53 Euro.

Veronica Carpita, Elena Vaiani (Hrsg.), La correspondance de Nicolas-Claude Fabri de Peiresc avec Lelio Pasqualini (1601-1611) et son neveu Pompeo (1613-1622), Les lettres italiennes de Pereisc 1. CNRS/Alain Baudry et Cie, Paris 2012. 16,2 x 24 cm. 345 S. Paperback. ISBN: 978-2-35755-038-4. 53 Euro.

Nicolas-Claude Fabri de Peiresc (1580-1637) ist so bekannt, dass er es in neun verschiedenen Sprachen in die Wikipedia geschafft hat. Das liegt nicht etwa daran, dass er zu seinen Lebzeiten wichtige Bücher geschrieben hätte. Er verbreitete sein Wissen vor allem in Briefen, zu deren Empfängern viele seiner berühmten Zeitgenossen gehörten: So zum Beispiel der französische Dichter Francois de Malherbe, der niederländische Jurist Hugo Grotius, dem wir die Idee vom freien Meer verdanken, der flämische Maler Peter Paul Rubens oder der italienische Astronom Galileo Galilei.
Wenn Peiresc sich aber über Münzen und ikonographische Fragen austauschen wollte, dann schrieb er bevorzugt an Lelio Pasqualini (1549-1611), der in der Numismatik zu seinem Lehrmeister wurde, und später an dessen Neffen Pompeo, wobei von der Korrespondenz mit letzterem nur wenige Briefe erhalten sind.

Veronica Carpita und Elena Vaiani haben dankenswerterweise all diese Briefe in den verschiedenen Bibliotheken zusammengesucht, transkribiert und kommentiert. Sie haben die Arbeit gerecht zwischen sich aufgeteilt: Von Brief I-XXVIII kommentierte Veronica Carpita, von Brief XXIX bis XLIX Elena Vaiani. Die Autorinnen geben uns damit einen hervorragenden Einblick in die Themen, die zwischen den Gelehrten intensiv und detailliert diskutiert wurden. Elena Vaiani fasst sie in einem ausführlichen Kapitel zusammen. Da geht es um die Lage des antiken Mons Argaios und des Hafens von Traian, um kleine Antiquitäten und Gemmen, um seltene Münzen, um die Münzstättenzeichen der spätantiken Prägungen, das Kreuz auf den Münzen Konstantins und immer wieder um Fragen der Ikonographie.

Wer mehr darüber wissen will, kann sich in die Briefe selbst vertiefen, die nur zu deutlich zeigen, auf welch hohem Niveau da Meinungen ausgetauscht wurden. Beide Wissenschaftler sind auf dem aktuellsten Stand der damaligen Numismatik. Sie haben die neuesten Werke gelesen, beherrschen die Methodik und verfügen über eine so profunde Kenntnis des Materials, dass man sie nur bewundern kann.

Eingeleitet wird das Buch durch einen Beitrag von Francesco Solinas und einen Artikel von Veronica Carpita, die sich dem nicht ganz so bekannten Lebenslauf von Lelio Pasqualini widmet. Erschlossen wird das Material dankenswerterweise durch ein ausführliches Register.

In diesem Register findet man relativ schnell Beweise dafür, wie international die Verbindungen waren, die von den Wissenschaftlern gepflegt wurden. So sind Peiresc und Pasqualini gut mit Adolph Occo und Marcus Welser vertraut, die ihrerseits in Augsburg das Zentrum eines Netzes von süddeutschen und schweizerischen Antiquaren bildeten. 

Die grenzüberschreitende Wissenschaft ist also sicher kein Privileg der Moderne. Im Gegenteil, die unsichtbare „Republik der Gelehrten“, die ihre Spuren in unzähligen Briefen hinterlassen hat – alleine von Peiresc haben rund 10.000(!) überlebt –, funktionierte so problemlos, dass wir im Europa der Kulturgutschutzgesetze ein klein bisschen neidisch werden könnten.

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