Die Kleinmünzen der Jahre zwischen 1806 und 1873

von Ursula Kampmann

15. März 2018 – Es ist schon ein Jammer mit der Numismatik des 19. und 20. Jahrhunderts. Es gibt die meisten Sammler in diesem Bereich, und trotzdem widmen sich nur wenige Forscher diesem Gebiet. Hermann Junghans schwimmt mit seiner Dissertation gegen den Strom. Ihn interessiert die Entwicklung, die das deutsche Kleingeld im 19. Jahrhundert genommen hat. Seine im Franz Steiner Verlag erschienene Dissertation heißt „Entwicklungen und Konvergenzen in der Münzprägung der deutschen Staaten zwischen 1806 und 1873 unter besonderer Berücksichtigung der Kleinmünzen.“

Hermann Junghans, Entwicklungen und Konvergenzen in der Münzprägung der deutschen Staaten zwischen 1806 und 1873 unter besonderer Berücksichtigung der Kleinmünzen, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 131. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017. 15,7 x23,5 cm. 494 S., dabei 6 farbige Tafeln. Paperback. ISBN: 978-3-515-11837-8. 72 Euro.

Hermann Junghans, Entwicklungen und Konvergenzen in der Münzprägung der deutschen Staaten zwischen 1806 und 1873 unter besonderer Berücksichtigung der Kleinmünzen, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 131. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2017. 15,7 x23,5 cm. 494 S., dabei 6 farbige Tafeln. Paperback. ISBN: 978-3-515-11837-8. 72 Euro.

Auch wenn ich zunächst einmal im Duden nachschlagen musste, was Konvergenz bedeutet (falls Sie es auch nicht wissen, hier ist das Zitat: bildungssprachlich: Annäherung, Übereinstimmung von Meinungen, Zielen u. ä.), war diese Dissertation nicht nur hinsichtlich des Themas eine angenehme Überraschung. Klar gegliedert, eng am Material orientiert, stellt der Autor sein Thema vor. Nach einer kurzen Einleitung, in der er die Staaten eingrenzt, die er einbeziehen will (Österreich bleibt wie bei der Reichsgründung außen vor), seine Fragestellung genau definiert und feststellt, dass die Kleinmünzen des 19. Jahrhunderts zu Unrecht bis jetzt in der Forschung vernachlässigt wurden (wie wahr!), folgt ein umfangreicheres Kapitel zu den Rahmenbedingungen der Prägung des 19. Jh. Hier werden nicht nur historische, sondern auch technische Aspekte erläutert.

Es folgen die zwei wichtigsten und umfangreichsten Kapitel der Arbeit, die sozusagen „Theorie“ und „Praxis“ gewidmet sind. Kapitel 3 beschäftigt sich mit den Münzverträgen des 19. Jahrhunderts und klopft sie auf ihre Aussagekraft hinsichtlich der Kleinmünzenprägung ab. Kapitel 4 stellt dann, nach Prägeherrn geordnet, die deutschen Kleinmünzen vor, wobei der AKS als Grundlage benutzt wird. Hier geht es um Vereinheitlichungstendenzen, Prägeperioden und Veränderungen der Nominale. Wie für Schüler von Professor Denzel geradezu verpflichtend, kommt der Autor im Text ohne eine einzige Abbildung aus. Die Bilder sind auf sechs Tafeln am Buchende reduziert, die runde Flecken in braun und Silber zeigen. Bei einigen wenigen kann man sogar erraten, welche Münze gemeint sein soll. Ob das einen Tribut an Markus Denzels geradezu dogmatisch betriebene Bilderlosigkeit der Wirtschaftsgeschichte darstellt? 

Wie auch immer, Kapitel 5 fasst Kapitel 3 und 4 zusammen und beschreibt die deutsche Entwicklung hin zu einer Reichswährung. Wer gerne Zeit spart, kann sehr gewinnbringend das letzte, 6. Kapitel studieren, in dem die Ergebnisse zusammengefasst werden. Sehr spannend und aktuell ist zum Beispiel die Frage nach dem festen Wertverhältnis zwischen Nominalen und Buchgeld. Wir haben uns heute so daran gewöhnt, dass die Münze, mit der wir zahlen, auch den Wert verkörpert, den ihr Nominal angibt. Keine Selbstverständlichkeit, wie man bei Junghans lesen kann, sondern eine Entwicklung, die zum großen Teil im 19. Jahrhundert wurzelt.

Kurz, Hermann Junghans hat eine hoch interessante Dissertation verfasst. Sie steht völlig in der Tradition deutscher Dissertationen (alles mit Zitaten belegen, nur ja nichts leicht verständlich, und bitte, bitte keine guten Bilder, sonst könnte der Leser sich ja die anschauen und nicht den Text lesen). Aber das hindert den Autor nicht, ein wichtiges und für viele Sammler sehr interessantes Kapitel der deutschen Münzprägung fundiert aufzuarbeiten und spannende Ergebnisse zu präsentieren. Hoffen wir, dass er seine Inhalte irgendwo an anderer Stelle in etwas besser lesbarer Form publiziert, und so eine breite Öffentlichkeit an seinen Erkenntnissen teilhaben lässt.

Diese kleine Spitze soll aber ja nicht den Blick darauf verstellen, dass Hermann Junghans mit seiner Dissertation ein ganz wesentliches Verdient hat: Er zeigt einer breiten Front von Numismatikern, die behaupten, in der Numismatik des 19. Jahrhunderts gäbe es nichts zu erforschen, dass sie sich einfach nicht genug damit beschäftigt haben.

Die Dissertation kann man beim Franz Steiner Verlag direkt bestellen.

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