Für meinen bulgarischen Freund Dimitar Draganov

von Ursula Kampmann

7. Dezember 2017 – Es gibt verschiedene Wörter, mit denen man das bezeichnen kann, womit man sein Geld verdient. Da gibt es im Amerikanischen das grässliche Wort „Job“, das heute allgegenwärtig geworden ist. Job charakterisierte ursprünglich die kurzzeitige Beschäftigung. Und tatsächlich sind „jobs“ meist austauschbar, gleichgültig und eigentlich, wenn man vom monatlichen Lohnzettel absieht, eine reine Verschwendung von Lebenszeit. Ein bisschen besser gefällt mir die Bezeichnung „occupation“, also das, was einen beschäftigt. Jeder Mensch braucht eine Beschäftigung, mit welchem Ernst er ihr nachgeht, ist eine andere Sache.
Mein Lieblingswort ist allerdings das deutsche „Beruf“. Es kommt von der Berufung, also von der innersten Bestimmung, die wir alle tief verborgen in uns tragen. Der eine weiß von frühester Kindheit auf, wozu er berufen ist, der andere sucht sein Leben lang nach seiner wahren Berufung. Der Beruf ist im besten Falle eng mit dem verbunden, wozu wir in unserem Leben bestimmt sind. Und wenn ich mir ansehe, was die Numismatik für Dimitar Draganov bedeutet, dann ist sein Broterwerb das, was wir im engsten Sinn des Wortes einen „Beruf“ nennen dürfen.

Von der Schule zum Numismatiker

Geschichte und Literatur, das sind die Themen, die Dimitar Draganov bereits seit seiner Schulzeit beschäftigen. Was anderes sollte er also studieren als Geschichte und klassische Archäologie? 1978 machte er seinen Magister Artium an der erst 1963 gegründeten Universität von Veliko Tarnovo. (Leider bin ich des Bulgarischen nicht mächtig, so dass ich Dimitar Draganov sehr dankbar bin, dass er mich mit zahlreichen Details aus seinem Leben, die ich anders nicht hätte recherchieren können, versorgt hat. Was er mir anvertraute, hat meine Achtung vor ihm nur noch gesteigert. Ich kann mir als Deutsche kaum vorstellen, mit welchen Schwierigkeiten Kollegen wie er in Ländern zu kämpfen haben, in denen vieles wesentlich schwieriger ist, als man es sich in einem Land wie Deutschland auch nur vorstellen vermag.)
Schon während seines Studiums nahm Dimitar regelmäßig an Grabungen im rund 130 Kilometer entfernten Kabyle teil. Diese Ausgrabung gehört zu den ergiebigsten in ganz Bulgarien. Das Fundspektrum reicht vom Neolithikum bis ins frühe Mittelalter. Und natürlich fanden sich jede Menge Münzen. Dimitar entdeckte schon als Student die meisten davon, und seine Kommilitonen machten Witze darüber, dass er viel mehr Fundmünzen auf dem Boden erspähte als jeder andere Grabungsteilnehmer.
Natürlich war der junge Student von diesen Münzen fasziniert und wollte mehr darüber wissen. Doch wir befinden uns in den 1970er Jahren, also in der Zeit des Eisernen Vorhangs. Auch Bulgarien hatte seine „Mauer“, und es gab an der Grenze zur Türkei und zu Griechenland genauso einen Schießbefehl wie an anderen Fronten des kalten Krieges.
Die Mauer brachte einen Mangel an numismatischer Literatur mit sich, von der ein großer Teil nur gegen Devisen gekauft werden konnte – und diese Devisen wurden auch in Bulgarien lieber in andere Bereiche investiert. Wie also sollte Dimitar seinen Wissensdurst befriedigen? Es gab in seiner Heimat keine Ausbildung zum Numismatiker. Es blieben die wenigen numismatischen Bücher, die man in bulgarischen Bibliotheken leihen konnte. Und als die alle gelesen waren, versuchte Dimitar über die internationale Fremdleihe Bücher aus dem Ausland zu beschaffen, die er kopierte, ehe er sie wieder zurückgab.
Liebe überwindet alle Hindernisse. Und manchmal beflügeln sie Hindernisse geradezu. Dimitar Draganov begriff, was für eine wunderbar, unendlich reiche, kaum ausgeschöpfte Quelle ihm die in den antiken Städten Bulgariens geprägten Münzen boten. Er war fasziniert, eine Faszination, die ihn heute noch prägt.

Das Museum von Yambol

Direkt nach seinem Studienabschluss, zu Beginn des Jahres 1979 begann Dimitar Draganov als Numismatiker und Archäologe am Historischen Museum von Yambol zu arbeiten. Er betreute darüber hinaus die Fundmünzen von Kabyle, die ihren Platz im Münzkabinett des Historischen Museums von Yambol fanden. Von den über 90.000 Objekten, die heute in den Räumen des Museums aufbewahrt werden, stellen die Fundobjekte aus den Grabungen von Kabyle, und darunter natürlich besonders die Fundmünzen, einen wichtigen Bestand dar.
Dimitar Draganov widmete ihnen all seine Energie. Fast täglich entdeckte er neue, unpublizierte Münztypen, die ausführlich dokumentiert werden wollten. Und während er die tägliche Museumsarbeit erledigte, schrieb er über die Münzen von Kabyle seine Dissertation, mit der er 1986 promoviert wurde. 1995 wurde er zum außerordentlichen Professor, 2007 zum ordentlichen Professor ernannt. Und ganz nebenbei wurde 1995 aus dem Kurator der Museumsdirektor.
Es waren fruchtbare Jahre. Und das nicht nur für die Münzsammlung, die durch die Funde aus Kabyle und zahlreiche Ankäufe zur wichtigsten und umfassendsten Sammlung von in Kabyle geprägten Münzen anwuchs.
Dimitar Draganov war es nämlich gelungen, einen einflussreichen Politiker davon zu überzeugen, dass er für seine Forschungen einen Metalldetektor brauche. Keine einfache Aufgabe im kommunistischen Bulgarien. Doch die Devisen wurden beschafft, zwei Metalldetektoren vom Typ „Coinmaster“ gekauft und geliefert, und damit stieg die Zahl der Münzfunde aus der Region Kabyle exponentiell.
Die so gewachsene Sammlung war der Grundstock für seine Dissertation von 1986, die 1993 als Monographie in Sofia publiziert wurde. Sie wurde im Ausland wahrgenommen. Ulrike Peter schrieb gleich zwei Rezensionen.
Inzwischen war der eiserne Vorhang gefallen, und damit existierten für einen unternehmungslustigen, offenen und begeisterten Menschen, wie Dimitar Draganov es ist, auf einmal unsagbar viele Möglichkeiten. Als erstes meldete er sein Museum bei ICOMON an, dem numismatischen Ableger von ICOM und eröffnete sich damit eine ganze neue Welt von aktiven Kollegen, die ihre Ideen und Erfahrungen bereitwillig mit ihm teilten.
So gelang es ihm zum Beispiel, über die Japan Overseas Corporation Volunteers acht japanische Volontäre nach Yambol zu holen, die ihm halfen, die Infrastruktur des Museums auf westlichen Standard zu bringen. Dazu gehörte, um nur ein Beispiel zu nennen, eine moderne geodetische Ausrüstung, mit deren Hilfe archäometrische Untersuchungen der gesamten Umgebung von Yambol gemacht werden konnten. Damit wurde eine völlig neue Landkarte der archäologischen Vergangenheit gezeichnet.
Ein entzückendes Nebenprodukt dieser Zusammenarbeit war übrigens das erste auf japanisch publizierte Buch Bulgariens über die Festung von Yambol, das Dimitar Draganov als Herausgeber beratend betreute.
Die Modernisierung des Historischen Museums von Yambol hatte eine Computer- und eine Fotoausrüstung beinhaltet. Diese wurden benutzt, um 1997 die erste Datenbank einzurichten, in der ein bulgarisches Museum seine Exponate erfasste. Nicht nur Dimitar Draganov war stolz auf diese Leistung. Das Kulturministerium organisierte eine große nationale Konferenz, um auch den anderen bulgarischen Museen diese neue Einrichtung vorzuführen und zur Nachahmung anzuregen.
Dimitar Draganovs Liebe gilt der Wissensvermittlung, vor allem an Laien. Mehr als 30 numismatische Ausstellungen hat er in seinem Leben organisiert, mit denen er fast jedes größere Museum in Bulgarien und im benachbarten Rumänien besuchte. Er gründete die erste bulgarische Museumszeitung, den „Yambol Museum Newsletter“, der regelmäßig alle vier Monate, von Dimitar als Chefredakteur betreut, erschien. Diese Publikation wurde später durch das ebenfalls von ihm initiierte gesamtbulgarische „Bulgarian Museum Magazine“ ersetzt.
Außerdem wirkte Dimitar 1998 federführend an der ersten bulgarischen Produktion eines Multimedia-Films mit archäologischem Inhalt mit. Er schrieb das Drehbuch und beriet die Verantwortlichen während der Dreharbeiten.

Freundschaften in der internationalen Welt der Numismatik

1991, ein Jahr nach den ersten demokratischen Wahlen in Bulgarien, fand der XI. Internationale Numismatische Kongress in Brüssel statt, eine perfekte Gelegenheit für Dimitar Draganov endlich all seine ausländischen Kollegen kennenzulernen. Er nutzte diese Gelegenheit gut. Vor allem zu den britischen Numismatikern fand er schnell Kontakt. So lud ihn Roger Bland ein, als Fellow der Royal Numismatic Society beizutreten, was Dimitar hocherfreut annahm.
1993 aktivierte er diese Kontakte, um in Bulgarien einen internationalen Kongress zum Thema „Settlement life in ancient Thrace“ durchzuführen, bei dem sich viele weithin bekannte ausländische und bulgarische Forscher zum ersten Mal trafen. Unter ihnen waren natürlich auch westliche Numismatiker wie Francois de Callatay, David Guest, Nina Frolova und Oliver Picard. Schon im nächsten Jahr wurden mit Dimitar Draganov als Herausgeber die Kongressakten publiziert.
Ebenfalls 1993 vertiefte Dimitar Draganov seine Kontakte mit britischen Forschern durch ein Forschungsstipendium im Heberden Coin Room des Ashmolean Museum von Oxford. Dabei studierte er natürlich nicht nur die dort aufbewahrten Münzen des Schwarzmeerbereichs. Er besuchte auch das British Museum und lernte dort William Stancomb kennen und schätzen. Stancomb hatte die größte (ausländische) Sammlung von Münzen des Schwarzmeerbereichs zusammengetragen, die später als Sylloge-Band des British Museum veröffentlicht werden sollte. Die Numismatik machte die beiden zu persönlichen Freunden, die sich gegenseitig immer wieder besuchten.
Und Freunde hat er sich nicht nur in Großbritannien erworben. Er ist auf vielen internationalen Kongressen ein gern gesehener Gast. An 35 Kongressen im In- und Ausland hat er inzwischen Teilgenommen und Vorträge gehalten. Jeden einzelnen Internationalen Numismatischen Kongress hat er seit 1991 besucht. Dadurch ist er für viele zu einem der wichtigsten Gesichter der bulgarischen Numismatik geworden.
Eine besondere Verbindung pflegte er viele Jahre auch mit dem deutschen Saarbrücken, genauer gesagt zu der Universität, an der ich studieren durfte. Er war der Numismatiker der Grabung von Drama, die auf Seiten Saarbrückens von Professor Jan Lichardus betreut wurde. Ich erinnere mich gut an die Erzählungen meiner Kommilitonen aus dem vor- und frühgeschichtlichen Institut, die das Privileg besaßen, an dieser Grabung teilnehmen zu dürfen. (Ich durfte nicht.) Sie schwärmten immer von der ganz besonderen Stimmung, die bei diesen Grabungen in Drama zu spüren sei, von der großartigen bulgarischen Gastfreundschaft und dem freundschaftlich-kollegialen Umgang miteinander.

Das traurige Ende einer echten Liebe

Noch 1998 war Dimitar Draganov vom Kulturministerium als bester Museumsdirektor Bulgariens ausgezeichnet worden. Vier Jahre später kündigte er seine Stellung als Direktor des Historischen Museums von Yambol. Was geschehen war, erzählt Dimitar eigentlich nur seinen engsten Freunden.
Alles hing zusammen mit den Plänen für die Thrakische Autobahn. Die sollte wenige Kilometer der antiken Stadtmauern von Kabyle vorbeiführen. Dimitar fürchtete um „seine“ Grabung. Er hatte Angst, die ständigen Vibrationen, die durch den Schwerverkehr hervorgerufen werden würden, hätten langfristig negative Auswirkungen auf den Bestand der so herausragend gut erhaltenen Grabungssubstanz. Die Stimmung in der wunderbaren, in einem Naturschutzgebiet gelegenen archäologischen Zone würde, das wusste er, durch die Abgase, den Lärm und die Erschütterungen auf jeden Fall leiden. Für ihn gab es deshalb nur einen Ausweg. Die Autobahn musste verlegt werden. Sie sollte in einem großen Bogen um die zu schützende Zone geführt werden. Dimitar Draganov gelangte mit seinen Befürchtungen bis ganz nach oben, bis in den Ministerrat. Und tatsächlich, seine Bedenken wurden ernst genommen. Auf Anordnung von ganz oben wurde die Trasse der Autobahn mehrere Kilometer nach Norden verschoben, und zwar auf das Gebiet einer benachbarten Gemeinde.
Sehr zum Ärger der öffentlichen Verwaltung von Yambol. Deren Politiker waren entsetzt über die Entscheidung. Natürlich fanden sie schnell heraus, wie diese Änderung zustande gekommen war und fanden ihren Schuldigen in Dimitar Draganov. Er war ihr Verräter, der Mann, der Yambol das lukrative Geschäft mit der Autobahn vermasselt hatte. Er sollte seinen Einspruch zurücknehmen! Dimitar sah sich mit Drohungen konfrontiert, die nicht nur seine Karriere, sondern seine Person betrafen. Fachlich und beruflich konnte man ihm nichts vorwerfen, doch es gab andere Möglichkeiten...
Mit solchen Menschen weiterhin zusammenzuarbeiten als ob nichts wäre, das konnte, das wollte Dimitar nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Und so kündigte er seine Stelle als Direktor des Historischen Museums von Yambol, das er zu einem der bekanntesten in Bulgarien gemacht hatte.
Bereits am nächsten Tag wurde er zum Vorstand der numismatischen Abteilung des Historischen Regionalmuseums von Ruse ernannt.
Nach seinem Abschied wurde die alte Trasse der Thrakischen Autobahn wiederbelebt, so dass diese heute in Sichtweite der Ausgrabungen vorbeiführt, ja das archäologische Museum sogar eine eigene Ausfahrt besitzt. In wie weit dies der Grabung schaden wird, dürfte die Zukunft zeigen.

Eine neue Liebe: Von Ruse zu den Bobokovs

So war Dimitar Draganov in seine alte Heimat zurückgekehrt. Natürlich war die Münzsammlung in Ruse nicht im entferntesten mit der von Yambol zu vergleichen. Ein Ärgernis für den Wissenschaftler Draganov, der es liebt, seine Corpora anhand von Originalmaterial zusammenzustellen. In Ruse lagerten hauptsächlich keltische Imitationen der Münzen Philipps II. und Alexanders III. Doch kurz nach Dimitars Dienstantritt geschah etwas Unvorhergesehenes, das sein numismatisches und sein privates Leben nachhaltig verändern sollte.
Ruse ist das Hauptquartier der bulgarischen Ölfirma „Prista Oil“. Diese international tätige Firma wurde 1993 von den Brüdern Atanas und Plamen Bobokov gegründet. Sie hatten nicht nur eine der größten Ölfirmen der Welt aufgebaut, sondern eine umfangreiche Sammlung von archäologischen Schätzen Bulgariens zusammengetragen. Tausende von Münzen waren darunter. Sie sprachen Dimitar Draganov an, wie sie ihre Sammlung am besten der Öffentlichkeit zugänglich machen könnten. Und damit war die Zeit reif für eine große Vision.
Dimitar hatte noch nie etwas übrig für Halbheiten oder Kompromisse. Er hatte sein Leben lang davon geträumt, für jede einzelne der Münzstätten in Thrakien und Moesia Inferior eine Monographie aller Münztypen mit Stempelvarianten zu publizieren. Und dazu ein ausschließlich auf Münzen spezialisiertes Museum mit einer gigantischen Sammlung zu gründen, auf die er bei seiner Arbeit zurückgreifen würde können. Nun lag vor ihm eine der umfassendsten Sammlungen von Münzen genau „seines“ Gebietes. Er erkannte sofort die Möglichkeiten, die sie der Numismatik bot. Diese Sammlung konnte zur Basis werden für die geplanten Monographien und für ein numismatisches Nationalmuseum Bulgariens.
Er erklärte den Brüdern Bobokov, dass es keinen Sinn machen würde, in einem Land, in dem jedes kleine Museum über eine archäologische Abteilung verfüge, noch ein weiteres archäologisches Museum zu bauen. Aber die Numismatik, die sei überall unterrepräsentiert. Bulgarien besäße rund 15 antike Münzstätten, die Tausende von verschiedenen Münztypen produziert hätten. Die würden sicher ein Museum verdienen. Man müsse deshalb ein numismatisches Museum errichten und dessen Sammlung zur weltweit größten Sammlung von Münzen der Städte und Könige Thrakiens und Moesia Inferiors ausbauen.
Die Brüder Bobokov hörten sich die Pläne an, und nur einen Monat später gaben sie ihre Zustimmung und engagierten Dimitar Draganov dafür, die Pläne Realität werden zu lassen.
Eine wunderbare Zeit der Planungen und Ankäufe begann. 2005 wurde die Bobokov Brothers Foundation gegründet, die das Museum betreiben soll. Dimitar Draganov wurde zum Stiftungspräsidenten ernannt. 2008 erhielt die Stiftung vom Kulturministerium die offizielle und verbriefte Erlaubnis, ein numismatisches Museum zu errichten. Damit wurde das Museum der Bobokov Brothers das erste private Museum Bulgariens, und Dimitar Draganov wurde dessen Direktor. 2009 besaß die Bobokov Brothers Foundation die weltweit größte und bedeutendste Sammlung von Prägungen der Städte Deultum, Dionysopolis, Mesembria, Pautalia, Nikopolis ad Istros, Markianopolis, Apollonia Pontika, Hadrianopolis etc. Ferner besitzt sie den wohl besten Bestand an Prägungen der skythischen und thrakischen Könige und Dynasten.
Und dann kam 2009 das neue Kulturgüterschutzgesetz, das auf einen Schlag das private Sammeln antiker Objekte in Bulgarien wenn nicht völlig unmöglich, so doch sehr anrüchig und verdächtig machte. Die Sammler erhielten ein Jahr Zeit, um ihre Sammlungen registrieren zu lassen. Viele verzichteten darauf aus Angst vor Repressalien und schmuggelten stattdessen das Material außerhalb des Landes oder vergruben es im eigenen Vorgarten. Doch wer heute in Bulgarien mehr als drei unregistrierte Münzen aus Antike oder Mittelalter besitzt, macht sich schuldig. Da es kaum registrierte Münzen in Bulgarien gibt, ist der legale Handel praktisch zum Erliegen gekommen. Das ist schade, weil die Sammlung der Bobokov Brüder nicht mehr erweitert werden kann.
Nichtsdestotrotz treibt Dimitar Draganov die Gestaltung des neuen Museums ständig voran – allein, ohne die Unterstützung von anderen Fachkollegen. In der Zwischenzeit wurde ein um 1900 gebautes, vierstöckiges Gebäude erworben, das derzeit zu einem Museum umgebaut wird. Dimitar hat jedes Detail selbst entwickelt. Auf ihn geht die Dreiteilung der Ausstellung zurück. Sie sieht einen Bereich für Schüler vor, sowie einen, der sich an das klassische Publikum richtet, und in dem im Stil eines Münzkabinetts die verschiedenen Münzstätten Thrakiens und Moesia Inferiors vorgestellt werden. Der dritte Teil wird virtuell sein und viel multimediales Material bieten, darunter Filme, auch in 3D, interaktive Schaltflächen und ein Tempel der Göttin Iuno Moneta. Wenn das Museum eröffnet, wird es sich um eines der modernsten in ganz Bulgarien handeln.

Museumsdirektor, Wissenschaftler, historischer Tausendsassa

Dimitar Draganov in eine Schublade zu tun, ist nicht möglich. Er gehört zu den Menschen, die alles, worum sie sich kümmern, berühren und verändern. Alles interessiert sie, und in jedem Bereich kennen sie sich aus. Natürlich ist Dimitar ein Museumsdirektor, der immer wieder Objekte so für eine breite Öffentlichkeit ausgestellt hat, dass sie davon lernt und sich begeistern kann. Aber er ist auch ein Wissenschaftler, der sechs Monographien und mehr als 100 Aufsätze in numismatischen Fachpublikationen veröffentlicht hat. Er hat an unzähligen Grabungen teilgenommen und schreibt in seiner Freizeit mit seiner Frau einen Fantasy Roman.
Dimitar Draganov ist kein bequemer Mensch. Er ist ein Mensch, der ein Ziel hat, und dieses Ziel zu erreichen sucht. Für Gleichgültigkeit und Halbherzigkeit hat er kein Verständnis. Denn er brennt vor Begeisterung für die Numismatik. Sie ist seine große Liebe. Sie steht für ihn vor der privaten Bequemlichkeit, vor dem gesellschaftlichen Status und jenseits jedes Kompromisses.

Bei Menschen wie Dimitar Draganov fragt man sich, wie all die Dinge, die sie in ihrem Leben getan haben, in einem einzigen Leben Platz haben. Für sie ist die Numismatik kein „Job“, keine „occupation“. Nein, für Dimitar Draganov ist die Numismatik ein „Beruf“, eine Berufung, seine ureigenste, tiefstinnerliche Bestimmung.

Dimitar Draganov ist ein Coin Enthusiast, wie es sie eben nur in unserer numismatischen Welt gibt. Deshalb, lieber Dimitar, die besten Glückwünsche zu Deinem 65. Geburtstag. Und wir freuen uns auf all die vielen, vielen Dinge, die Du für die bulgarische Numismatik noch tun wirst.

In der MünzenWoche stellten wir Ihnen Dimitar Draganovs Buch „The Coinage of the Scythian Kings in the West Pontic Area“ in diesem Beitrag vor.

Hier kommen Sie zur Webseite des Numismatischen Museums Ruse, dem Sie übrigens auch auf Facebook folgen können.

Die Publikationen von Dimitar Draganov sind aufgeführt in seinem Profil bei academia.edu.

Dort finden Sie auch einen kurzen Lebenslauf zum Download.

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