In memoriam Georg Baums

von Fritz Rudolf Künker

9. März 2017 – Am 16. Februar 2017 ist Georg Baums im Kreise seiner Familie verstorben, er wurde 81 Jahre alt. Kurz vor seinem 80. Geburtstag, den er am 17. November 2015 begehen konnte, erhielt er die Nachricht, dass er mit einer unheilbaren Krankheit leben musste. In der ihm noch verbliebenen Zeit hat er dennoch neue Pläne geschmiedet, er wollte so weiterleben wie vor seiner Erkrankung, die er bis zum Schluß mit großer Würde getragen hat. So ist das in seiner Traueranzeige ausgewählte Goethe-Wort für Georg Baums in besonderer Weise zutreffend: „Denn ich bin ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer sein.“

Der Werbefachmann und Sammler von Münzen und Medaillen Georg Baums ist am 16. Februar 2017 im Alter von 81 Jahren gestorben.

Der Werbefachmann und Sammler von Münzen und Medaillen Georg Baums ist am 16. Februar 2017 im Alter von 81 Jahren gestorben.

Durch die Befähigung, für seine Ziele kämpfen zu können, ist Georg Baums auch in seinem Beruf als Werbefachmann erfolgreich geworden. Nachdem er Werbung von der Pike auf gelernt hatte, gründete er 1971 zusammen mit Thomas Mang und Peter Zimmermann die Werbeagentur BMZ in Düsseldorf. Vorher hatte er schon in verschiedenen anderen Agenturen praktische Erfahrungen gesammelt. Er begann seine eindrucksvolle Karriere in den 1960er Jahren bei Team / BBDO in Düsseldorf, der damals kreativsten Adresse in Deutschland. Die drei Gesellschafter der Agentur BMZ entschieden sich 1990 für den Verkauf ihres Unternehmens an den französischen Werbegiganten Publicis. Georg Baums wurde Chairman und CEO von Publicis in Deutschland, von 1995 bis 2000 war er auch für Österreich und die Schweiz verantwortlich. Im Gesamtverband Werbeagenturen GWA war Baums seit 1988 im Vorstand engagiert und von 1992 bis 1996 als Präsident. Er wurde 2003 in die „Hall of Fame der deutschen Werbung“ aufgenommen. Der Bundespräsident zeichnete Georg Baums wegen seiner besonderen Verdienste mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse aus. Rückblickend äußerte sich Georg Baums 2011 in einem Interview: „Also, ich würde es heute noch mal machen“. 

Die beruflich steile Karriere hat am äußerlich bescheidenen Auftreten von Georg Baums nichts verändert. Sein Privatleben galt vor allem seiner Ehefrau Marlies, mit der er seit 1964 verheiratet war, seinen drei Kindern, seiner Familie mit den Enkelkindern. Zu allen pflegte er eine innige und intensive Beziehung. 

Bei allem Engagement für Beruf und Familie hat Georg Baums auch nach Rückzugsmöglichkeiten für sich selber gesucht, wozu sicherlich sein Grundstück mit Haus in Kanada gehörte, aber auch, last not least, die Numismatik.

Bereits in den 1970ern Jahren hatte ich eine erste persönliche Begegnung mit Georg Baums. Es muss auf einer Auktion in Düsseldorf oder Giessen gewesen sein, als er sich schon für den Aufbau seiner ersten Sammlung mit dem Thema „Belagerungsmünzen“ entschieden hatte. 

Später weitete er das Thema schließlich auf Objekte aus, die einen Bezug zu Krieg und Frieden in der Numismatik haben. So entstand eine sehr beachtliche Sammlung, die 2006 durch das Auktionshaus Künker in Osnabrück versteigert wurde. Der Titel der Auktion 116 lautete „Belagerung, Krieg und Frieden auf Münzen und Medaillen – die Sammlung Georg Baums“. Die Versteigerung vom 27. September 2006 war, so Georg Baums, auch ein großer Erfolg für den Sammler.

Der Aufbau seiner ersten numismatischen Sammlung hat dem kreativen Unternehmer Georg Baums gezeigt, dass man auch beim Sammeln mit persönlichem Engagement und Kreativität Bedeutendes erreichen kann. Und wer einmal, so wie er, den „Bacillus Numismaticus“ zu spüren bekommen hat, den läßt die Leidenschaft für Münzen nicht mehr los. So entstand schon bald nach Auflösung seiner ersten Sammlung die Idee, eine Medaillen-Sammlung aufzubauen, wobei die Geschichte der Medaille von der Renaissance bis zur Gegenwart exemplarisch abgebildet werden sollte. 

Er selbst hat sich zum Thema Sammeln einmal so geäußert: „Es ist nicht das Sammeln, wie die Honigbienen es verrichten. Das richtige Sammeln heißt, die Arbeit beginnt erst, wenn das Stück erobert ist. Welche Geschichte steckt darin, was bedeuten Zeichen und Bilder, welche anderen Objekte stehen in Beziehung. Erkundungen, Recherchen, Prüfungen. Das wird nicht mit jedem Objekt sofort und mit derselben Systematik ablaufen, aber die Mosaiksteine fügen sich im Laufe der Sammlung mehr und mehr zu einem Ganzen“. 

Das Ergebnis dieses leidenschaftlichen Engagements ist in den Künker-Auktionskatalog 247 eingeflossen; die Medaillen-Sammlung Georg Baums mit dem Titel „500 Jahre Geschichte und Kunst im Spiegel der Medaille“ wurde am 14. März 2014 in Osnabrück versteigert. Wolfgang Steguweit hat die Leistung seines Freundes Georg Baums in einem Vorwort zum Katalog gewürdigt und es mit einem Goethe-Zitat auf den Punkt gebracht: „Zu jeder Sammlung gehört Liebe“.
Wolfgang Steguweit war es auch, der seinen Freund Baums in die Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e.V. einführte, deren Fördermitglied Baums wurde und die Kosten der Festschrift zum 25jährigen Jubiläum sponserte. 

In einem Vorwort zu seiner Medaillen-Sammlung ließ Baums keinen Zweifel daran, dass er die feste Absicht hatte, noch eine dritte Münzsammlung aufzubauen. Er entschied sich für ausgewählte Goldmünzen, und noch im Februar 2017, wenige Tage vor seinem Tod, hat er ein paar Exemplare für seine Sammlung aus der Berliner Künker-Auktion erworben. 

Bei allen Reflexionen, die den Sammler Georg Baums angetrieben haben, standen vor allem Überlegungen im Vordergrund, welche historische oder kunsthistorische Bedeutung das einzelne Objekt begehrenswert macht. Es ist der Bezug zur Geschichte, der viele Sammler motiviert, sich über die Münze und Medaille als erstklassige historische Quelle dem geschichtlichen Kontext zu nähern und ihn zu verstehen.

Georg Baums wollte auch nach seiner Pensionierung lernen, er war wißbegierig und neugierig, diese Charaktereigenschaften haben ihn angetrieben. In den letzten 10 Jahren hat er das persönliche Gespräch mit Andreas Kaiser und mir immer wieder gesucht. Diese Treffen haben wir stets genossen, denn neben dem numismatischen Wissensaustausch war er selbst gern bereit, uns seinen Erfahrungsschatz aus seinem berufichen Leben nahe zu bringen. 

Durch sein warmherziges und freundliches Wesen war Georg Baums seinen Mitmenschen nahe. Er war der Mittelpunkt seiner Familie und eine herausragende Persönlichkeit der deutschen Werbewirtschaft. Alle, die sich mit ihm verbunden fühlen, werden ihn vermissen.

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