Klavierstimmer findet Goldschatz

von Annika Backe

27. April 2017 – Dass man noch lange nach Ostern überraschende Funde machen kann, ist nicht neu. Was Klavierstimmer Martin Backhouse kurz vor Weihnachten 2016 bei seiner Arbeit im englischen Shropshire in die Hände fiel, hatte er aber sicher nicht erwartet. In einem Piano stieß der 61-Jährige auf mehr als 900 sorgfältig verpackte Goldmünzen. 

Ein Klavier aus dem renommierten Haus John Broadwood & Sons, London, um 1929. Foto: pianomap / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Ein Klavier aus dem renommierten Haus John Broadwood & Sons, London, um 1929. Foto: pianomap / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Der umgehend gemeldete Fund hatte sich in einem Instrument der Firma John Broadwood & Sons, London, verborgen. Gegründet 1738 vom Schweizer Burkhardt Tschudi, gehört das Unternehmen zu den ältesten und angesehensten Klavierbauern weltweit. Mit ihren Klavieren, auf denen Größen wie Mozart und Beethoven spielten, beliefern sie auch die englische Königsfamilie. 

Das Piano

Da nicht anzunehmen ist, dass die Münzen als Beigabe zum Klavier mitgeliefert wurden, konzentrierten sich die Nachforschungen auf die einzelnen Besitzer des Instruments. Erstmals gekauft hatte es 1906 eine Musikalienhandlung in Saffron Walden, Essex. Das nächste bekannte Datum ist 1983, als das Klavier von einer ortsansässigen Familie erworben wurde. Aus deren Haushaltsauflösung wurde es einer Gemeinde in Shropshire geschenkt. Und die stellte es dem lokalen Community College von Bishop’s Castle zur Verfügung.

Schatz oder nicht Schatz...

Die Untersuchungen zum Fund bündelten sich beim Portable Antiquities Scheme (PAS), das beim British Museum angesiedelt ist. Dessen Kurator Ian Richardson und der zuständige Ansprechpartner des PAS, Peter Reavill, haben einen vergleichbaren Fund bisher noch nicht erlebt. In Lederbeuteln und Leinensäckchen verbargen sich 913 Goldmünzen, die als 633 Sovereigns sowie 280 Half Sovereigns aus der Zeit zwischen 1847 und 1915 identifiziert wurden.
Auf der Grundlage der Dokumentation der Münzen prüfte der lokale Coroner, ob der Fund gemäß dem „Treasure Act“ von 1996 ein ‚Schatz‘ sei. Dies ist der Fall, wenn er intentionell versteckt wurde von seinem Besitzer, der sich zudem nicht mehr auffinden lässt.

Nachdem die Meldefrist verstrich, ohne dass sich der Besitzer oder seine Erben meldeten, verkündete der Coroner am 20. April 2017, dass der Hortfund als Schatz klassifiziere. Damit fällt er an die englische Krone und kann verkauft werden. Aus den Verkaufserlösen erhalten sowohl der Besitzer des Pianos als auch der Finder einen Anteil. Bis dahin freut sich die Schule über ein wohlklingendes Instrument und Klavierstimmer Martin Backhouse an seiner Arbeit, bei der sich eben auch gute Augen auszahlen.

Ein Video zum Fund und den jüngsten Entwicklungen sehen Sie hier.

Mehr zu den Schatzfund-Regelungen in England finden Sie auf der Website des Portable Antiquities Scheme.

Ebenfalls dort finden Sie laufend aktualisierte Fundmeldungen.

Dies ist die Homepage von John Broadwood & Sons, London.

Und jüngst berichtete die MünzenWoche über einen Glücksfund, den Kinder beim Spielen im bayrischen Pocking gemacht hatten. 

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