London zahlt seit 800 Jahren Pacht an die Krone

von Annika Backe

23. März 2017 – England ist auf dem Kontinent bekannt für Tee und Traditionen. Selbst auf der konservativen Insel aber dürften wenige Bräuche so alt sein wie die „Quit Rent Ceremony“, die seit 1211 belegt ist. Seit mehr als 800 Jahren entrichtet London mit diesem Brauch Pacht an die Krone für zwei Grundstücke. 

MP Thomas Fanshawe war ab 1568 Geldeinzieher der Königin. Das Amt wurde in Folge fünfmal von Mitgliedern der Familie wahrgenommen.

MP Thomas Fanshawe war ab 1568 Geldeinzieher der Königin. Das Amt wurde in Folge fünfmal von Mitgliedern der Familie wahrgenommen.

Dass niemand mehr weiß, wo diese Grundstücke genau liegen, ist zweitrangig. Laut mittelalterlichem Vertrag handelt es sich um die „Moors“ in der Grafschaft Shropshire und eine Schmiede in St. Clement Danes. Erstere kostet einen stumpfen Knüpferhaken und ein scharfes Handbeil, letztere sechs sehr große Hufeisen und 61 dazugehörende Nägel.
Diese Gegenstände werden nach der Zeremonie in den Royal Law Courts mit Erlaubnis der Königin an die Corporation of London zurückverliehen. Sie dienen im folgenden Jahr dann wieder zur Bezahlung. Als Quittung fungierte früher ein Haselnusszweig. Er wurde mit dem Haken markiert und mit der Axt zweigeteilt. 

Queen's Remembrancer

Entgegengenommen wird die Pacht seit alters her vom Geldeinzieher der Krone. Der King’s oder Queen’s Remembrancer gehört zu den ältesten juristischen Ämtern in England und Wales. 1154 von Heinrich II. eingerichtet, ist mit diesem Amt die Überwachung der Steuerzahlungen verbunden. Seit 2014 übernimmt das die erste Frau auf diesem Posten, Barbara Fontaine. Sie zieht auch andere Quit Rents ein, wie die elf Britischen Pfund, die London als Pacht für Southwark bezahlt. Dieser heute sehr angesagte Stadtteil beherbergt Shakespeare’s Globe und die Tate Modern. 

Andere Zahlungsverpflichtungen

Der Queen schulden aber auch Privatleute Zahlungen, so einen Eimer Schnee, drei rote Rosen oder eine kleine französische Flagge. Eher selten dagegen dürfte derjenige Pächter „zahlen“, der verpflichtet wurde, ein Bett aus Stroh herzurichten für den durchreisenden König oder die Königin. Und beneidenswert angenehm ist diese Zahlungspflicht: An Silvester drei Gläser Port zu trinken, auf den Geist der königlichen Großmutter. Manchmal ist es schön, ein Traditionalist zu sein. 

Mehr zur Quit Rent Ceremony finden Sie in diesem Artikel in Atlas Obscura. 

Informationen hierzu liefert auch der Wikipedia-Eintrag Queen’s Remembrancer.

Und mehr über Ämter mit langer Tradition in England erfahren Sie in Bruce Alastairs Buch „Keepers: The Ancient Offices of Britain“.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Einmal die Woche pünktlich frei Haus. Mit unserem Email-Newsletter bleiben sie immer auf dem neuesten Stand der numismatischen Welt.



Danke, hab' ich schon...

← zurück