Millionenklage gegen Getty

von Annika Backe

23. März 2017 – Gegen das weltbekannte Getty Museum, Los Angeles, seinen Direktor Timothy Potts und den J. Paul Getty Trust läuft derzeit eine aufsehenerregende Klage. Auf umgerechnet 73 Millionen Euro verklagt sie der Schweizer Antiquitätenhändler Phoenix Ancient Art. Der Vorwurf: Das Getty habe gegen eine vertragliche Vereinbarung verstoßen, nach der ausschließlich Phoenix als Agent Verhandlungen zum Erwerb antiker Statuen aus der Sammlung Torlonia durchführen dürfe. 

In der Antragsschrift vom 12. Januar 2017 beruft sich Phoenix auf einen Vertrag aus dem Jahr 2013. Laut Phoenix habe sich das Getty Museum darin verpflichtet, nicht direkt mit der italienischen Familie Torlonia über die Ausstellungsrechte bzw. den Kauf von Teilen ihrer 620 antike Statuen umfassenden Sammlung zu kommunizieren. Die Torlonias, die als Bankiers des Vatikan im 18. und 19. Jahrhundert zu enormem Reichtum gekommen waren, hatten für ihre seit den 1960ern nicht mehr öffentlich ausgestellte Sammlung einen Käufer gesucht. 

Mühevolle Vorbereitungen

In der Folge hätten Phoenix und sein Agent Electrum jahrelang am Aufbau guter Beziehung zu den Torlonias gearbeitet. Diese Vertrauensarbeit – wie auch der Vertrag mit Getty überhaupt – sei nötig gewesen, weil die amerikanische Institution einen schlechten Ruf wegen seiner Erwerbungen aus dubioser Herkunft habe. Dies habe auch, bevor Phoenix eingeschaltet wurde, die italienische Regierung davon abgehalten, Verhandlungen mit dem Getty zu führen. 

Alles umsonst?

Als sich die Lage dann entspannt habe, sei der Mittelsmann kaltgestellt worden, so der Vorwurf von Phoenix. Das Getty dagegen betont, dass es einen angebotenen Kauf 2015 abgelehnt habe – damit seien die Vorwürfe unbegründet, weil es ja nie einen Deal gegeben hätte. Phoenix aber hält dies für eine taktische Maßnahme, mit der das Getty bei neuerlichen Verhandlungen dann hinter seinem Rücken agieren könne. 

Welche Punkte der 38-seitigen Antragsschrift Bestand haben, muss nun das zuständige Gericht in New York klären. 

Zur Homepage von Phoenix Ancient Art kommen Sie hier.

Dies ist der Getty-Internetauftritt.

Die Klageschrift können Sie sich hier herunterladen.

Und eine Meldung zur jüngst erfolgten Rückführung einer gestohlenen Statue in die Torlonia-Sammlung lesen Sie hier.

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