Papiergeld aus Persien

von Ursula Kampmann

27. April 2017 – Am 30. Januar 1889 gründete der Financier und Unternehmer Baron George de Reuter, Sohn des Gründers der bekannten Nachrichtenagentur, die Imperial Bank of Persia. Sie stellte eine Art Kompromiss dar, mit dem der iranische Schah die Briten zufriedenstellen wollte, ohne die Russen zu verärgern. Über den eigentlich geplanten Bau einer Eisenbahn hatte man sich nicht einigen können. Stattdessen sollte nun die Bank die Mittel aufbringen, um eine Eisenbahn ohne diplomatische Verstimmungen zu bauen. George de Reuter ließ sich die Gründung seiner „Imperial Bank of Persia“ offiziell von der Bank of England bestätigen. Die legte fest, dass die Bank ihren Sitz in London haben müsse, während sie Zweigstellen ausschließlich im Iran eröffnen dürfe. Dies war eine komplizierte rechtliche Situation, der die Banknoten des Instituts durch zusätzliche Stempelungen Rechnung trugen. Michael E. Bonine hat sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema beschäftigt. Er verfasste eine umfassende Studie, die nach seinem Tod von Jere L. Bacharach als Monographie in der Reihe Numismatic Studies der American Numismatic Society veröffentlicht wurde.

Michael E. Bonine (postum herausgegeben von Jere L. Bacharach), The Banknotes of the Imperial Bank of Persia. An Analysis of a Complex System with Catalogue. Numismatic Studies 30. The American Numismatic Society, New York 2016. 148 S., durchgehend farbige Abbildungen, 28,5 x 22,3 cm, Hardcover. ISBN: 978-0-89722-337-9. 65 GBP bzw. 100 US$.

Michael E. Bonine (postum herausgegeben von Jere L. Bacharach), The Banknotes of the Imperial Bank of Persia. An Analysis of a Complex System with Catalogue. Numismatic Studies 30. The American Numismatic Society, New York 2016. 148 S., durchgehend farbige Abbildungen, 28,5 x 22,3 cm, Hardcover. ISBN: 978-0-89722-337-9. 65 GBP bzw. 100 US$.

Es ist ein Gewinn nicht nur für die Numismatik, sondern vor allem für die Wirtschaftsgeschichte Persiens, dass durch Bacharachs Initiative der sorgfältig erarbeitete Katalog mit dem ausführlichen historisch-numismatischen Kommentar nicht verloren ging. Bonine führt darin meisterhaft vor, wie die Analyse des Materials in Verbindung mit der Nutzung archivalischer Quellen eine genaue Klassifizierung des an sich eher komplizierten Stoffs erlaubt. Denn die Geldscheine der „Imperial Bank of Persia“ tragen nicht nur unterschiedliche Seriennummern. Sie wurden zusätzlich mit Stempeln versehen, die für die verschiedenen persischen Bankfilialen stehen. Die Geldscheine konnten nämlich nur bei der verausgabenden Filiale wieder eingelöst werden. Zwischen dem Dezember des Jahres 1889 und dem Entzug des Rechts, Banknoten auszugeben, im Jahre 1932 eröffnete die Imperial Bank of Persia immerhin 28 Filialen, von denen nur zwei keine Banknoten emittierten. Gültig wurden die in Großbritannien gedruckten, und nach Persien eingeführten Banknoten also erst durch den relevanten Stempelaufdruck der Bankfiliale.

Der reich bebilderten Studie zu diesen Banknoten ist ein Bilder-Katalog aller Nominale beigegeben, so dass auch für den Münzhändler, der unter Zeitdruck seinen Katalog verfasst, die Bestimmung der seltenen und teuren Banknoten zum Kinderspiel wird. Man muss allerdings schon ein wenig aufpassen, denn Michael Bonine, selbst ein engagierter Sammler, weist auf eine Eigenheit des persischen Umgangs mit diesen Scheinen hin. Man habe sie für die Aufbewahrung meist ganz klein zusammengefaltet, was den Erhaltungszustand der Scheine natürlich stark beeinträchtigt hat. Nun habe man sich aber im Iran darauf spezialisiert, die seltenen Banknoten zu glätten, zu waschen, zu bügeln, so dass man schon ganz genau hinsehen müsse, um zu erkennen, wie es um den Erhaltungszustand der Note tatsächlich stünde.

Sollte Ihnen eine Banknote ohne Stempel angeboten werden, heißt das nicht, dass sie falsch ist. Sie könnte vielmehr aus einem Raub stammen, der sich 1907 beim Transport der Banknotenrohlinge ereignete.

Es ist ein spannendes Material, und es sind spannende Geschichten, die Michael Bonine zu erzählen weiß. Der Herausgeber des Buchs erklärt es mit der Neugier des zu früh verstorbenen Forschers. Bereits in den 1960er Jahren fuhr er mit seinem Landrover (und der Ehefrau Marilyn) von London in den Iran. Und da mag noch jemand sagen, Numismatik sei etwas für Stubenhocker! Für Numismatiker gilt eben genauso der Ratschlag, den der Autor in seiner Widmung den Enkeln mitgibt: Go, explore the world!

Europäer können das Buch über Oxbow beziehen.

Für unsere Leser in den USA dürfte es einfacher sein, sich der Website der ANS zu bedienen.

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