Schild von Steier

von Ursula Kampmann

9. Februar 2017 – Zeitschriften sind eigentlich immer nur so gut wie die Aufsätze, die darin zu finden sind. In diesem Fall ist das ein bisschen anders, denn der aktuelle Band 27 des Schild von Steier, Zeitschrift der archäologischen und der numismatischen Abteilung des Joanneums, vereinigt gleich mehrere Monographien in sich. Es handelt sich um eine Publikation der Vorträge eines Kolloquiums zu Schlachtfeldern, um die anthropologische Auswertung einer Richtstätte, um eine Monographie zur archäologischen Tätigkeit eines Hobbyarchäologen des 19. Jahrhunderts und – last but not least um einzelne Artikel, unter denen ein ganz besonders ausführlicher der Numismatik gewidmet ist. Mit ihm fangen wir natürlich an.

Schild von Steier 27, 2015/2016. Graz, Phoibos Verlag, 2016. 348 S. mit Abbildungen in Schwarz-Weiß und Farbe mit CD-Rom. Paperback. 22 x 28 cm. ISBN: 978-3-902095-78-7. 70 Euro.

Schild von Steier 27, 2015/2016. Graz, Phoibos Verlag, 2016. 348 S. mit Abbildungen in Schwarz-Weiß und Farbe mit CD-Rom. Paperback. 22 x 28 cm. ISBN: 978-3-902095-78-7. 70 Euro.

Karl Peitler und Daniel Modl stellen auf rund 70 Seiten einen Fund von Münzen der römischen Kaiserzeit vor, der allein schon durch seinen Verbergungsort aus dem Rahmen fällt. Er war nämlich nicht in der Erde verbuddelt, sondern wurde irgendwann von einem römischen Bergsteiger in Sicherheit gebracht. Die Höhle in der Pötschenwand bei Altaussee, die heute als „Münzhöhle“ im Kataster steht, war nämlich zu römischer Zeit nur kletternd und kriechend zu erreichen. Dort lagen 152 Antoniniane der Zeit zwischen 253/257 und 271. Die Autoren haben einen detaillierten Katalog dieses Fundes erarbeitet. Die letzte Münze stammt aus der ersten Emission des Aurelianus von Siscia aus dem Jahr 271 und legt einen terminus ante quem vor der Münzreform des Aurelius nahe.
Karl Peitler und Daniel Modl gehen in ihrem Beitrag aber weit über eine derart knappe Schlussfolgerung hinaus. Sie ordnen die gefundenen Münzen in die Wirtschaftsgeschichte der Provinz Noricum ein. Sehr nützlich ist dabei eine Karte der näheren Umgebung des Hortfundes zu römischer Zeit, in der auf einem Höhenrelief die antike Wegtrasse genauso eingezeichnet sind wie Hortfunde, Gräber, Siedlungen, Bergbauzentren und Kultplätze.
Warum diese Münzen verborgen wurden, dafür gibt es derzeit keinen schlüssigen Beweis. Eine Verbergung wegen kriegerischen Unruhen ist 271 wenig wahrscheinlich. Und religiöse Gründe zu vermuten, fällt schwer, da in der Nähe des Fundorts keinerlei Hinweise auf ein religiöses Zentrum entdeckt wurden.
Bemerkenswert bleibt, dass ein Mensch, wohl ein guter Kenner der Gegend, einen so abgelegenen und nur schwer zu erreichenden Ort gewählt hat, um seinen Schatz zu verbergen.

Schlachtfelderforschung ist in Deutschland in, und zwar spätestens seit der Ausgrabung von Kalkriese, in denen nach rund 2.000 Jahren endlich geklärt werden konnte, wo die Legionen des Varus sich abschlachten ließen. Dass sich hinsichtlich dieses Themas auch international viel getan hat, liest man im Schild von Steier.
Anlässlich der Ausstellung „Knochen-Code. Körper erzählen vom Krieg“ fand 2014 im Joanneum ein Kolloquium zum Thema „Schlachtfelder der Antike. Geschichte, Archäologie, Anthropologie“ statt. Die damals gehaltenen Vorträge sind nun im Schild von Steier zu lesen. Das Spektrum reicht vom Krieg in der Steinzeit bis zu den Grabenkämpfen des 1. Weltkriegs. Der Schwerpunkt liegt dabei natürlich auf der Antike mit einen Blick nach Assyrien, Mykene, Alesia, Kalkriese und Masada – um nur einige zu nennen.

Und wer immer noch nicht genug davon hat, was ein Mensch dem anderen antut, der kann sich die beiden Beiträge zur Richtstätte Unterzeiring zu Gemüte führen. Dort übten die Herren der Offenburg ihre hohe Gerichtsbarkeit aus. Wahrscheinlich wurden hier zwischen dem 14. und dem 18. Jahrhundert Verbrecher bzw. diejenigen, die man dafür hielt, vom Leben zum Tode befördert und verscharrt.
Empfindliche Gemüter sollten es sich überlegen, ob sie die anthropologische Auswertung wirklich lesen wollen, denn es ist eine Sache zu wissen, dass bis in die Neuzeit hinein gerädert, geköpft und gefoltert wurde. Sich aber klar zu machen, welche Schäden das noch am Skelett hinterließ, ist doch ein bisschen etwas anderes...

Kommen wir zu einem wesentlich erfreulicheren Thema. Hans Tauber (1849-1913) verdiente sich seinen Lebensunterhalt eigentlich als Jurist im steyrischen Stainz. Seine Freizeit aber widmete er der Vor- und Frühgeschichte. Er hinterließ ein umfassendes Tagebuch seiner archäologischen Tätigkeit, das nun erstmals ausgewertet und publiziert wird. Damit stattet die Wissenschaft einem der unzähligen Freiwilligen ihren Dank ab, die den heutigen Stand der Forschung durch ihre unentgeltliche Tätigkeit eigentlich erst möglich gemacht haben (und nur so selten Erwähnung finden). Auf CD liegt ein Faksimile des gesamten Tagebuchs von Hans Tauber der Zeitschrift bei. 

Erwähnen wir noch kurz, dass weitere drei Artikel zur Ägyptologie und zur provinzialrömischen Archäologie im Schild von Steier enthalten sind. Diese Zeitschrift bietet auf ihren knapp 350 Seiten für einen Kaufpreis von 70 Euro wirklich eine Vielfalt von unterschiedlichen und interessanten Informationen.

Bestellen können Sie den Schild von Steier direkt beim Phoibos Verlag. Dort sind auch alte Ausgaben noch erhältlich.

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