Der monetäre Zickzack-Kurs Venezuelas

von Annika Backe

23. Februar 2017 – Schlimmer kann es für Venezuela kaum noch werden. Obwohl das südamerikanische Land über die größten Ölreserven der Welt verfügt, kämpft es gegen eine galoppierende Inflation. Unter dem sozialistischen Präsident Nicolás Maduro liegt die Geldentwertung bei mehreren Hundert Prozent – die Regierung veröffentlicht keine genaue Zahlen – und könnte laut Expertenschätzung 2017 auf bis zu 1.600 % ansteigen. Weil der Preis für Erdöl auf den internationalen Märkten zusammengebrochen ist, können dringend benötigte Güter, Nahrungsmittel und Medikamente nicht mehr importiert werden. 

Ein Land im Ausnahmezustand

So gehören lange Schlangen vor und leere Regale in den Läden zum gewohnten Bild. Bedingt durch die Inflation, müssen auch für kleinste Einkäufe Geldscheine gleich stapelweise hingelegt werden. Aus Zeitgründen gehen Geschäftsinhaber dazu über, die Scheine nicht mehr einzeln zu zählen, sondern als Ganzes zu wiegen. 

Die venezolanische Währung erhielt ihren Namen vom Führer der südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, Simón Bolívar (1783-1830).

Die venezolanische Währung erhielt ihren Namen vom Führer der südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, Simón Bolívar (1783-1830).

Eine Verschwörung des Auslandes?

Umgerechnet knapp vier Euro-Cent ist der größte Schein, 100 Bolívares, auf dem florierenden Schwarzmarkt derzeit wert. Stunden stehen die Venezolaner vor Banken und Geldautomaten an, deren Auszahlungssumme gedeckelt ist. Sich selbst hält Präsident Maduro für die Misere seines Landes nicht für verantwortlich. Eine internationale Verschwörung witternd, erklärte er am 15. Dezember 2016 kurzerhand die größte Banknote für ungültig. Seinen Landeskindern gab er 72 Stunden Zeit, ihre 100-Bolívares-Scheine umzutauschen oder einzuzahlen. 

Nicolás Maduro bei seinem Amtsantritt als Präsident Venezuelas am 19. April 2013. Foto: Cancillería del Ecuador from Ecuador/ Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Nicolás Maduro bei seinem Amtsantritt als Präsident Venezuelas am 19. April 2013. Foto: Cancillería del Ecuador from Ecuador/ Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Maduros Kehrtwende

Nur Tage später, am 18. Dezember 2016, dann die Kehrtwende. Als Lieferungen von in den USA und Großbritannien produzierten, neuen Scheinen im Wert von 500 Bolívares ausblieben, kam es zu Plünderungen und Gewaltausbrüchen mit mehreren Toten. Maduro sprach von einem Sabotageakt und machte die Landesgrenzen zu Kolumbien dicht, offiziell als Maßnahme gegen angeblich Bolívares hortende Mafia-Banden. Die 100-Bolívares-Note wurde wieder eingesetzt, ihre Gültigkeit nun schon mehrere Male um einige Wochen verlängert. Noch ist sie gültig, soll aber durch drei neue Nominale im Wert von bis zu 20.000 Bolívares abgelöst werden. Die Inflation in diesem krisengeschüttelten Land dürfte das jedoch kaum eindämmen. 

Mehr zu den venezolanischen Banknoten erfahren Sie auf dieser Website.

Über massive Inflationen berichtete die MünzenWoche auch im Fall von Simbabwe und Argentinien

Eine anschauliche Erklärung, was Inflation ist, finden Sie bei der Europäischen Zentralbank. 

Und mehr zur aktuellen Inflationsrate in Deutschland erfahren Sie hier.

← zurück