Mint Directors Conference in Seoul 2018 - Teil 4: Die Consumer Task Force der MDC

von Ursula Kampmann

5. Juli 2018 – Was erwarten unsere Kunden von ihrer Münze? Sind sie mit dem Produkt zufrieden? Oder gibt es zusätzliche Erwartungen? Wer sind eigentlich unsere Kunden? Das sind nur einige der Fragen, die sich die Consumer Task Force unter Leitung von Dieter Merkle derzeit stellt.

Die Ergebnisse der Studie der Consumer Task Force werden diskutiert: Von l. nach r. Marius Haldimann (Swissmint), Sharon Tran (Royal Australian Mint), Dieter Merkle (Schuler), Astrid Mitchel (Currency News) und Niels Hagemann (MDM). Foto: MDC 2018.

Die Ergebnisse der Studie der Consumer Task Force werden diskutiert: Von l. nach r. Marius Haldimann (Swissmint), Sharon Tran (Royal Australian Mint), Dieter Merkle (Schuler), Astrid Mitchel (Currency News) und Niels Hagemann (MDM). Foto: MDC 2018.

Task Force, schon der Name des Unterkomitees impliziert schnelles, Fach übergreifendes Handeln, und tatsächlich hat die Consumer Task Force in den wenigen Monaten ihres Bestehens viel geleistet und erreicht. Im Mai 2015 wurde die Task Force gegründet, anlässlich der MDC 2016 in Bangkok die Arbeit aufgenommen. 2017 fanden bereits drei Treffen der Task Force statt – sowie zwei Kundenbefragungen. Dazu wurde ein Survey in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt.

Kein Interesse für Security Features

Was sind nun die Ergebnisse? Sie sind vielfältig und bieten reichlich Stoff zum Nachdenken. Kurz zusammengefasst muss sich die Münzindustrie der Tatsache stellen, dass sie seit Jahren in einem Gebiet investiert und forscht, das vom Konsumenten kaum wahrgenommen wird. Security Features interessieren niemanden! Münzhändler und Vertreter der Zentralbanken gehen schlicht und ergreifend davon aus, dass die Sicherheit ihrer Münzen gewährleistet ist.
Dasselbe gilt für den Privatkunden. 49 % haben ein Gefühl der Sicherheit, wenn sie Münzen benutzen. Nur 6 % überprüfen dabei die Sicherheitsmerkmale regelmäßig! 69 % der Nutzer überprüfen sie nie!
Für die öffentliche Wahrnehmung spielen also all die elaborierten Details, mit denen die Münzen sicherer werden, keine Rolle, solange es nicht zu irgendwelchen Skandalen kommt, über die unsere Tagesmedien berichten. Ziemlich ernüchternd, wenn man überlegt, wie viel technisches Knowhow und welch hohe Investitionen in ihre Ausarbeitung geflossen ist.

Cash bleibt König

Dafür bestätigt die Umfrage unter Münznutzern die Wahrnehmung der Zentralbanken: Münzen sind ein zentraler Bestandteil des Geldumlaufs. 9 von 10 befragten Personen gaben an, in den letzten zwei Tagen Münzen benutzt zu haben. 71 % sind der Meinung, dass es wichtig sei, Münzen beizubehalten. Dabei ist diese Zustimmung ein bisschen ans Alter (zwischen 67 - jung - und 81 % - alt -), wesentlich mehr aber ans Einkommen gebunden (zwischen 60 - hohes Einkommen - und 83 % - niedriges Einkommen).
Noch einmal: 83 % aller Befragten, die unter 1.500 Euro verdienen, finden es wichtig, Münzen zu haben! Dies bietet denjenigen, die für das Bargeld werben müssen, ein unschlagbares Argument! Dieses Ergebnis macht die Münzen zu einem existentiellen sozialen Faktor unseres Geldwesens. Münzen werden ausgerechnet von den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft gebraucht. Das sollte in einer sozialen Marktwirtschaft, die westliche Demokratien für sich in Anspruch nehmen, mehr zählen als eine potentielle Möglichkeit, Bargeld für eine Schattenwirtschaft und Verbrechen zu nutzen.

Informelle Gespräche im Rahmen eines Abendessens sind ein existentieller Bestandteil von Kongressen. Foto: MDC 2018.

Informelle Gespräche im Rahmen eines Abendessens sind ein existentieller Bestandteil von Kongressen. Foto: MDC 2018.

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters

Eine Frage, die den Münznutzern gestellt wurde, war die nach der Attraktivität unserer Umlaufmünzen. Hier gibt es dringenden Nachholbedarf. Nur 19 % der Befragten in Deutschland, Österreich und der Schweiz fanden unsere Münzen sehr attraktiv. 34 % qualifizierten sie eher als unattraktiv ab.
Interessant ist die Tatsache, dass bei dieser Frage die Werte der Schweizer Bürger leicht höher lagen als für Deutsche oder Österreicher. Und das obwohl die Schweizer Münzbilder die ältesten heute noch geprägten der Welt sind. Es geht also bei dem Stichwort Attraktivität sicher nicht um modernes Design, sondern um den Grad an Identifikation mit der eigenen Währung. Und da hat der Euro als Gemeinschaftswährung halt doch leichte Defizite gegenüber altehrwürdigen Währungen wie dem Schweizer Franken, die wahrscheinlich nicht über eine noch so gute Bildsprache aufgefangen werden können.

Sammelwürdigkeit im Fokus

Für diejenigen, die Münzen an Sammler verkaufen, gibt es eine klare Priorität: Der Sammler soll die Münzen nachfragen und der Verkäufer einen ordentlichen Profit damit machen. Alles andere ist nebensächlich, was wohl niemanden, der im Münzhandel tätig war, überraschen wird.
Verkäufer suchen Objekte, die über Sammelwürdigkeit verfügen: Das ist eine Kombination von Attraktivität, neuer Technologie, tollem Design, guter Story und – natürlich – der Tatsache, dass es sich theoretisch um einem kursfähige Münze handelt, auch wenn sie das Land, dessen Namen sie trägt, noch nie gesehen hat.
Und wenn es um die Sammelwürdigkeit geht, sind Münzverkäufer Spezialisten. 

2020 findet die nächste MDC statt, diesmal in Südafrika. Hier die Fahnenübergabe von Korea an Südafrika. Foto: MDC 2018.

2020 findet die nächste MDC statt, diesmal in Südafrika. Hier die Fahnenübergabe von Korea an Südafrika. Foto: MDC 2018.

Für die Öffentlichkeit und die öffentlichen Kassen

Auch die Zentralbanken haben ihr Einkommen im Blick, aber nicht im Sinne einer Gewinnoptimierung. Ein ordentlicher Gewinn aus der Münzprägung ist gut und schön, aber so lange eine schwarze 0 geschrieben wird, denken die Vertreter von Zentralbanken und Regierungen am liebsten überhaupt nicht über Münzen nach. Sie tun dies nur, wenn die Öffentlichkeit durch ihr Verhalten zeigt, dass manche Nominale nicht ihrem Bedarf entsprechen (vgl. die weltweiten Probleme der Kleinstnominale) oder in dem Moment, in dem in den Social Media oder der Tagespresse negative Artikel über Münzen publiziert werden (vgl. Mint News Quarterly 17/2: Mint of Finland withdrew Commemorative Coin Series by Order of Minister of Finance).
Das Beispiel Finnland zeigt gut, in welch hohem Maße Regierungsvertreter Skandale, ja schon negative Gefühle fürchten, und wie heftig sie darauf reagieren.

Die Befragungen der Consumer Task Force gehen weiter. Wer im Komitee mitarbeiten bzw. sich an den nationalen und internationalen Studien beteiligen will, wendet sich am besten an Dieter Merkle.

Teil 1 der Artikel rund um die MDC beschäftigt sich mit der Zukunft des Bargelds.

Teil 2 thematisiert die verschiedenen Handbücher, die von der MDC herausgegeben werden.

Teil 3 beschäftigt sich mit den neuesten Forschungsergebnisse der Unterkomitees.

Hier geht es zur Website der MDC 2018.

Die Mint Directors Conference hat eine neue Website.

Veranstalter der MDC2018 war KOMSCO, die Korea Minting, Security Printing & ID Card Operating Corporation.

Auf dieser Seite finden Sie mehr Informationen über KOMSCO.

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