0-Euro-Scheine auf Schweizerisch – ein neues Sammelgebiet

0-Souvenirscheine der Schweiz. Foto: Angela Graff.
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Im Jahr 2017 wurden die ersten zehn 0-CHF-Souvenirscheine von touristischen Anziehungspunkten der Schweiz herausgegeben, die sich an die beliebten 0-Euro-Souvenirscheine anlehnen. Es gibt (Stand Dezember 2020) insgesamt achtundvierzig unterschiedliche Ausgaben. Die Schweiz zählt damit zu den wenigen Staaten, deren Souvenirscheinausgaben noch übersichtlich geblieben sind. Ein Einstieg in dieses Sammelgebiet ist momentan noch gut möglich, obwohl einige Scheine bereits ausverkauft sind und sogar auf dem Zweitmarkt nur selten angeboten werden. Wer auf diesen Sammlerzug noch aufspringen möchte, sollte es jetzt tun. Ich erläutere im Artikel einige Fakten und stelle Ihnen die großen Highlights der begehrten Scheine vor.

Während zum Beispiel in Deutschland und Frankreich jährlich eine Flut von Ausgaben auf den Markt geworfen wird, geht es in der Schweiz viel ruhiger und vor allem übersichtlicher zu. Betrachten wir doch zunächst einmal die speziellen Unterschiede, denn sie sind sehr wichtig und machen die Schweizer Scheine zu etwas Besonderem!

Mit Schweizer Flagge und ohne EURO

Auf der Vorderseite der Ausgaben befindet sich oben links die Schweizer Flagge. Daneben steht das Ausgabejahr und die jeweilige Motivnummer. Unten links hat man natürlich auf das Wort „EURO“ verzichtet, es steht dort nur zweizeilig „SOUVENIR“. Die vierstelligen Serienbuchstaben unten rechts beginnen stets mit „CH“, gefolgt von zwei Kennbuchstaben für den Herausgeber. Danach folgt die sechsstellige Nummerierung. Es entfällt damit ganz der sonst übliche Hinweis auf die (Euronoten-)Druckerei mit einem „E“. Unter UV-Licht betrachtet, fehlen die Null sowie das Eurosymbol. Die siebzehn Sterne auf der Vorderseite befinden sich außerdem mehr in der Mitte.

Auf der Rückseite gibt es oben links weder die Null noch das Eurosymbol. Ein Grund für den Verzicht auf die Null ist bisher unbekannt geblieben. Rechts unten steht wie auf der Vorderseite zweizeilig „SOUVENIR“. Obwohl man anscheinend bemüht war, das Wort „EURO“ zu vermeiden, wurde auf beiden Seiten im Hintergrund „ZEROEUROSOUVENIR“ in Mikroschrift gedruckt. Das blieb dann auch 2020 bei den besonderen Jubiläumsscheinen (Anniversary 2020) so. Der einzeilige Vermerk (IMPRIME PAR OBERTHUR FIDUCIAIRE) zur französischen Druckerei Oberthur befindet sich unten rechts. Auf den Ausgaben „ANNIVERSARY 2020“ ist nun der Vermerk (PRINTED BY OBERTHUR FIDUCIAIRE MADE IN FRANCE) zweizeilig und in Englisch verfasst.

Unterschiedliche Sicherheitsfäden und Hologramme

Alle Souvenirscheine haben einen Sicherheitsfaden. Bisher wurden drei unterschiedliche Varianten gefunden. Spezialsammler unterscheiden nach dem Streifen CH-SF 1 mit kurzem Abstand zum Logo, CH-SF 2 mit langem Abstand zum Logo und CH-SF 3 den Sicherheitsfaden mit der „0“. Das Hologramm auf der Vorderseite oben rechts zeigt eine Draufsicht auf den Eiffelturm in Paris und noch zusätzlich eine „0“. Es sind aktuell zwei Hologramm-Varianten bekannt. Im Jahre 2020 kam auf den Jubiläumsscheinen ein zweites etwas verändertes Hologramm zum Einsatz. Ob das bisherige nun ausgedient hat, wird sich zeigen. Man kann also schon einmal gespannt sein, ob sich 2021 noch mehr ändern wird.

Der erste Schein von 2017 GENÈVE. Foto: Angela Graff.
Der Schein GUILLAUME TELL ist äußerst rar. Foto: Angela Graff.

Begehrte und seltene Scheine

Die Stadt Genf (GENÈVE) hat 2017 den ersten 0-Souvenirschein mit einer Auflage von 5.000 Exemplaren herausgegeben. Längst ist diese Ausgabe nur noch über den Zweitmarkt beschaffbar. Aber auch die beiden folgenden Scheine „FONDATION BARRY DU GRAND-ST-BERNARD“ (CHAB-2017-1) und „GUILLAUME TELL“ (CHAD-2017-1) sind vor Ort nicht mehr erhältlich. Die Ausgabe „GUILLAUME TELL“ wird zudem kaum auf dem Zweitmarkt angeboten und wenn doch, dann muss man schon bis zu 40 Euro investieren. Den legendären Freiheitskämpfer Wilhelm Tell, Nationalheld der Schweiz, werden sich viele Bürger der Eidgenossenschaft gleich beim Erscheinen gesichert haben.

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 10 Ausgaben herausgegeben. Im Jahr 2018 waren es 19 Ausgaben. Es folgten 12 Ausgaben 2019, und 2020 gab es 7 Ausgaben.

Der Freddie-Mercury-Schein im Original. Foto: Angela Graff.

Der Freddie-Mercury-Schein 2018

Es gibt nur 5.000 Exemplare des Scheins, der dem 1991 verstorbenen britischen Musiker Freddie Mercury gewidmet ist. Der Schein ist zwar noch auf dem Zweitmarkt erhältlich, aber mit 50 bis 70 Euro relativ teuer. Am Ufer des Genfersees bei Montreux besaß Mercury eine Villa. In der Stadt steht eine Großplastik zur Erinnerung an den Musiker. Freddie Mercurys letzte Aufnahmen wurden zum größten Teil im Queens Studio von Montreux am Genfersee produziert. Das Studio Experience ist heute ein Museum und der Rockgruppe Queen gewidmet. Ein Tipp dazu von mir am Rande: Es gibt einige Scheine auch mit Goldüberdruck am Markt. Lassen Sie lieber die Finger davon und bleiben Sie beim Original ohne Überdruck. Derartige Gold-Scheine sind nicht offiziell, sondern sie wurden erst nach der Herstellung bei Oberthur von privater Hand mit Goldfarbe überdruckt. Eine reine „Geldmaschine“, um die Sammler zusätzlich zu schröpfen. Aber wem der Schein in dieser Art besser gefällt, bitte sehr.

Die Sache mit der Motivnummer

Bisher gibt es zwei Ausgaben, die etwas verwirrend mit der gleichen Motivnummer „2“ beginnen. Das ist der Fall bei den Ausgaben „SWISS VAPEUR PARC (CHAF-2018-2)“ und „ELEPHANTS & KNIE 100 YEARS (CHBH-2020-2)“. Warum das so ist? Wird die Ausgabe eines Souvenirscheins vorbereitet, werden dazu vom Herausgeber oft gleich mehrere Entwürfe eingereicht. Jetzt probiert man aus, welcher Entwurf besser geeignet ist. Bis zur endgültigen Druckfreigabe kann immer noch alles abgeändert werden. Ist das der Fall und wird am Ende doch noch ein anderer Entwurf zum Druck bestimmt, dann erscheint auf den Scheinen folglich der Hinweis auf das nun gewählte Motiv „2“.

Der Jubiläumsaufdruck 2020. Foto: Angela Graff.

Ein besonderer Jubiläumsaufdruck

Zunächst ist der Aufdruck nur unter UV-Licht sichtbar und soll an das Jubiläum „5 Jahre 0-Euro-Souvenirscheine“ erinnern. Nach Auskunft der Verantwortlichen, soll es den speziellen Aufdruck nur im Jahre 2020 geben. Es gibt insgesamt drei Scheine der Schweiz, welche diesen Aufdruck besitzen. Es handelt sich dabei um die Ausgaben ELEPHANTS & KNIE 100 YEARS (CHBH-2020-2), ZERMATT (CHAX-2020-5) und GORNERGRAT 3089 (CHAX-2020-6). Am leichtesten erkennt man solche Ausgaben an der etwas veränderten Gestaltung und an den zusätzlichen fünf blauen Sternen auf der Vorderseite rechts.

Das heißt konkret, wer komplett sammeln möchte, muss sich beide Versionen beschaffen, denn es gibt die drei Ausgaben auch in der „Normalversion“.

Sammelgebiet mit Potential

Die Schweizer 0-Souvenirscheine sind ein interessantes Sammelgebiet mit Potential. Denn während man die Scheinflut in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern schon als „Massenware“ bezeichnen muss, bleiben die Ausgaben der Schweiz auf dem Teppich. Dazu folgende Fakten: Allein 2020 gab es in Deutschland 287 neue Ausgaben, Tendenz steigend! Auch Frankreich steht da mit 169 Ausgaben kaum nach. Zudem kommt es in Deutschland immer wieder zu Fehlern, die einfach nur noch peinlich sind. So kann man zum Beispiel auf der aktuellen Ausgabe des DDR-Museum-Berlin lesen: „30 JAHRE DEUTSCHEN EINHEIT“. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

An einen weiteren wichtigen Punkt haben sich die Schweizer Herausgeber bisher ebenfalls gehalten. Es handelt sich dabei um den ursprünglichen Grundgedanken von Richard Faille. Ein Souvenirschein soll demnach große touristische Stätten des Kulturerbes eines Landes zeigen und deren Bekanntheitsgrad weiter unterstreichen. Verkauft werden solche 0-CHF Souvenirscheine meist über Automaten in den einzelnen kulturellen Stätten selbst. Ein Teil der dadurch eingenommenen Gelder, wird der Kulturstätte zugutekommen und finanziell unterstützen. Diese Tatsache funktioniert offenbar in der Schweiz ausgezeichnet, jedenfalls viel, viel besser als in Deutschland.

 

Über die zahllosen Pannen auf 0-Euro-Scheinen hat Numiscontrol schon mehrfach berichtet, zum Beispiel in den Artikeln Pannen auf 0-Euro-Scheinen Teil 1 und Teil 2. Und dann war da noch ein Fall für den Duden.

Unser Autor numiscontrol beschäftigt sich seit langem intensiv mit dem Phänomen der 0-Euro-Scheine und hat dazu zahlreiche Artikel auch in der MünzenWoche veröffentlicht.

Zuletzt besprach er finnische 0-Euro-Scheine, auf denen historische Münzen zu sehen sind.

Er hat auch einen Katalog der 0-Euro-Scheine vorgestellt.

Mehr zum Thema 0-Euro-Souvenirscheine finden Sie in unserer Archivkategorie 0-Euro-Scheine.

Dort wird zum Beispiel der überarbeitete Katalog der 0-Euro-Scheine vorgestellt und eine heimliche Änderung, die nicht offiziell bekanntgegeben wurde.

Wer sich hinter dem Pseudonym numiscontrol verbirgt, lesen Sie in diesem Who’s-who-Beitrag.