2-Euro-Raritäten Teil 1: Die Gemeinschaftsausgaben

2-Euro-Gedenkmünzen, ein Sammelgebiet für jedermann. Foto: Angela Graff.
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Es gibt wohl keinen Haushalt, in dem sich nicht wenigstens eine 2-Euro-Gedenkmünze findet, die einmal vorsorglich beiseite gepackt wurde, um sie nicht gleich wieder auszugeben. Die Gründe dafür können durchaus verschieden sein, allerdings lassen sich recht viele Mitmenschen gern von einem glänzenden, recht neu aussehenden Geldstück verführen. Ist zudem noch ein anderes Bild als das allzu bekannte Adler-Motiv auf der Rückseite zu sehen, dann wird das Stück erst recht interessant. Man legt es beiseite, um es bei Gelegenheit näher zu betrachten. Ziemlich schnell gesellen sich weitere Stücke dazu. Es ist wahr, viele Sammlungen begannen einmal im Küchenschrank, und das erste eigene Album war ein Eierbecher. Aber was wurde dort im Schrank inzwischen an Münzen abgelegt? Sie sollten es wissen, denn es könnten Raritäten darunter sein!

Mokkatasse, Zuckerdose und Eierbecher

Es ist nicht verwunderlich, dass gerade die 2-Euromünzen bereits kurz nach der Euro-Einführung in die Herzen der Sammler aufgenommen wurden. Groß genug sind die Stücke allemal und viele interessante Details lassen sich auch ohne Lupe entdecken. Ab 2004 kamen die 2-Euro-Gedenkmünzenausgaben der Euroländer hinzu, die noch mehr Leben und Vielfalt in den Geldumlauf der Euroländer brachten. Gleichzeitig wuchs die Anzahl der Euro führenden Staaten weiter an. So manches prägefrisches und verführerisch glänzendes 2-Eurostück wanderte von der Geldbörse in die heimische, leere Zuckerdose. Der Hintergedanke „Eventuell habe ich hier etwas seltenes bekommen“, war Grund genug dafür. Weitere Stücke kamen im Laufe der Zeit dazu. Ab und an wurden sie betrachtet, meist dann, wenn eine weitere Münze dazugelegt wurde. So wuchs sicherlich auch bei vielen Lesern der MünzenWoche die kleine Sammlung immer weiter an. Aber wurden dabei wirklich immer „Besonderheiten“ weggelegt? In einer mehrteiligen Serie möchte ich das inzwischen recht umfangreiche Sammelgebiet der 2-Euro-Gedenkmünzen näher betrachten. Dabei soll es vorwiegend um Münzen gehen, die man als Wechselgeld bekommen und natürlich auch jederzeit wieder ausgeben kann. Allein die Freude an der Sammelei oder auch über ein besonders gut gelungenes Münzmotiv soll im Vordergrund stehen. Grundsätzlich sei noch angemerkt, dass die hier vorgestellten 2-Euro-Gedenkmünzen, im Gegensatz zu anderen Sammlermünzen, in allen Euroländern Gültigkeit besitzen. Man kann ein 2-Eurostück aus Deutschland ohne Probleme zum Beispiel in Andorra ausgeben. Eine 2-Euro-Sammlung ist schnell aufgelöst, denn 2 Euro bleiben 2 Euro. Verlieren können Sie nur mit den meisten farbig angemalten und vergoldeten Stücken.

Die Geburt der 2-Euro-Gedenkmünzen

Nach Beschluss der Europäischen Kommission, bekamen ab 2004 die damaligen Euro-Staaten die Möglichkeit, 2-Euro-Stücke als Gedenkmünzen auszugeben. Die Anzahl der Ausgaben war damals noch auf eine Ausgabe pro Jahr und Staat beschränkt. Die Gestaltung der nationalen Seiten konnte laut Beschluss von den eigentlichen Umlaufmünzen abweichen. Die Wertseite dagegen war ohne eine Änderung zu übernehmen. Bis 2006 war noch die ursprüngliche (alte) Wertzeichengestaltung vorgegeben. Ab 2007 durften die ausgebenden Länder bereits die neue Wertzeichengestaltung (Europa ohne Grenzen) verwenden, und ab 2008 musste sie verwendet werden. Die Stücke dienen in ihrer Art dazu, Ereignisse, Persönlichkeiten, Kulturwerte und Traditionen europaweit zu verbreiten. Deutschland prägt seine Gedenkmünzen in allen fünf Prägestätten (A-J). Als erstes Land gab Griechenland eine 2-Euro-Gedenkmünze auf die Olympischen Spiele 2004 in Athen am 13.5.2004 heraus. Besonders denkwürdige Ereignisse der europäischen Geschichte hat die Europäische Kommission, in Absprache mit den Finanzministern der Eurogruppe, mit der Herausgabe einer multinationalen, motivgleichen 2-Euro-Gedenkmünzenausgabe gewürdigt. Bis 2020 wurden insgesamt vier Gemeinschaftsausgaben herausgegeben.

2-Euro-Gemeinschaftsausgaben

In Teil 1 soll die erste der insgesamt vier Gemeinschaftsausgaben betrachtet werden. Auf welche Besonderheiten sollte unbedingt geachtet werden, was ist wichtig zu wissen und was ist schon eine kleine Rarität? Solchen Fragen werden wir intensiv nachgehen. Doch zunächst einige Angaben zu den Münzen selbst.

Sämtliche 2-Euro-Gedenkmünzen bestehen wie die 2-Euro-Umlaufmünzen aus einem Ring aus Kupfernickel. Der Kern in der Mitte besteht aus Nickelmessing mit Nickelkern (K-N / N, N-Me plattiert). Alle Stücke werden durch einen Magneten in der Mitte leicht angezogen. Technische Daten: Gewicht: 8,50 g – Durchmesser: 25,75 mm – Riffelrand – Stücke aus Deutschland tragen neben dem Riffelrand den Bundesadler und die Worte EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT in Großbuchstaben.

1. Gemeinschaftsausgabe „50 Jahre Römische Verträge“ 2007

Insgesamt 13 Ausgabestaaten (Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowenien, Spanien) beteiligten sich an dieser Gemeinschaftsausgabe. Alle Münzen wurden mit der neuen Wertseite (Europa ohne Grenzen) geprägt.

Das einheitliche Motiv zeigt im Randbereich die zwölf Europasterne, das aufgeschlagene Vertragswerk mit den Unterschriften und im Hintergrund ist die besondere Pflasterung des Kapitolsplatzes in Rom dargestellt. Im oberen Bereich der Münze befindet sich in der jeweiligen Landessprache die Inschrift „50 Jahre Römische Verträge“ und „Europa“. Im unteren Bereich sind die Jahreszahl (2007), die jeweilige Länderbezeichnung sowie die eventuellen staatlichen Münzzeichen (Prägestättenzeichen, Münzmeisterzeichen, etc.) mit eingeprägt.

Besonderheiten

Laut offiziellen Angaben wurden damals die Inschriften der Münzen aus dem Englischen in die jeweilige Landessprache übersetzt. Die Inschriften von Österreich und Deutschland sollten demnach gleich sein. Sie sind es aber nicht. Trotz einer gemeinsamen Muttersprache gab es zwei unterschiedliche Übersetzungen. Auf deutschen Münzen steht „Römische Verträge“ und auf der Münze von Österreich „Vertrag von Rom“.

Deutschland war mit allen 5 Prägestätten (A-J) vertreten. Luxemburg bereicherte die Münze zusätzlich mit einem kleinen Latentbild (Kippbild) von Heinrich (Henri) II., dem Großherzog von Luxemburg. Die Niederlande verzichteten ausnahmsweise auf das Abbilden der damaligen Königin Beatrix auf der Münze und änderten sogar diesbezüglich das Gesetz.

Belgien prägte das Straßenpflaster vom Kapitolplatz in Rom mit „Rand“, während andere Staaten es als glattes Band darstellten. Italien hat das blütenförmige Muster noch leicht schraffiert. Auf der neuen Wertseite fallen die nicht gepunkteten Landmassen bei den Münzen von Belgien auf. Sie wirken gegenüber allen anderen Ausgaben doch sehr „flächig“.

Bei intensiver Betrachtung der Münze aus Italien stellt man ein dickeres und scheinbar viel umfangreicheres Vertragswerk fest. Das Buch ist mit einem dicken Buchrücken dargestellt und wirkt größer und kompakter. 14 Seiten kann man zählen. Bei Stücken aus Deutschland (A) sind es dagegen nur 8 Seiten. Eine absolute Besonderheit hat Italien mit der Darstellung der Unterschriften auf dem Vertragswerk geschaffen. Einzig und allein auf italienischen Münzen sind die Unterschriften nicht erhaben, also reliefartig, sondern vertieft geprägt! Der Grund dafür blieb bisher unbekannt. Alle hier aufgeführten Merkmale gelten als Besonderheiten und sollten keinesfalls als Fehlprägungen angesehen werden.

Belgien mit reliefartigem Rand. Foto: Angela Graff.

Fehlprägungen

Ablagerungen (Stempelausbrüche) finden sich bei dieser Ausgabe häufig. Zum Beispiel bei Deutschland, Prägebuchstabe A (Berlin). Dort ist im Wort „VERTRÄGE“ das zweite „E“ im unteren Bereich oft ausgefüllt. Achten Sie darauf. Bei der Prägeanstalt G (Karlsruhe) ist im Wort „EUROPA“ das E und U nicht unten verbunden wie bei den Ausgaben von A, D (München), F(Stuttgart) und J (Hamburg). Außerdem ist beim Prägebuchstabe G meist eine „Spitze“ (Stempelausbruch) an der unteren linken Seite des Buches festzustellen.

Bewertung

Stücke aus dem Umlauf waren anfangs recht häufig anzutreffen und meist handelte es sich um Stücke aus Deutschland. Inzwischen sind solche Münzen seltener geworden, auch deren Erhaltung ist meist nicht mehr als sammelwürdig zu bezeichnen. Jeder muss allerdings selbst entscheiden, welche Stücke er in seine Sammlung aufnimmt. Findet sich später ein viel besser erhaltenes Exemplar, werden beide einfach ausgetauscht. Ich selbst mache es nicht anders. Für das Stück aus Slowenien verlangen die Händler bei einer prägefrischen Erhaltung bis zu 50 Euro. Die Münze aus Finnland ist je nach Erhalt bis zu 8 Euro wert. Alle anderen Ausgabeländer liegen bei 4 bis 6 Euro. Münzen der deutschen Prägestätten A und J können bis zu 7 Euro wert sein, Stücke der Prägestätten D, F und G, bis zu 5 Euro. Alle 17 Münzen der Ausgabe im Set werden ab 75 Euro gehandelt. Die bereits oben aufgeführten Fehlprägungen werden alle nicht unter 12 Euro pro Stück gehandelt. Stempelrisse, die sich fast über das gesamte Motiv erstrecken, werden selten unter 20 Euro angeboten.

No go!

Sämtliche angebotene Farbmünzen dieser Gemeinschaftsausgabe sind nachträglich von privater Hand und zum Schaden der Sammler coloriert worden. Solche Stücke gelten als manipuliert und haben damit sogar ihren Nominalwert von 2 Euro verloren. Für mich ist es daher völlig absurd, wenn gerade renommierte Fachhändler, die sich mit dem Logo eines Berufsverbandes schmücken dürfen, derartige Stücke auf Internetauktionen anbieten.

 

Welche Besonderheiten und Raritäten sich bei den nächsten drei Gesamtausgaben finden, erfahren Sie in Teil 2 dieser Serie.

Mehr über unseren Autor numiscontrol, alias Reiner Graff, erfahren Sie in unserem Who’s Who.

Einen ersten Überblick zu 2-Euro-Raritäten gab er bereits in diesem Artikel. Besonders beliebt sind zudem seine Beiträge „Die Wertentwicklung der ersten Euromünzen des Vatikans“ und „Unentdeckte Schätze bei Umlaufmünzen“.

Der Sammelexperte hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade Anfänger an die Welt der Münzsammlungen heranzuführen – hier finden Sie seine „Grundlagen für Sammler“ sowie seine Serie „Münzpflege leicht erklärt“.