Menschen, Münzen und Medaillen: 150 Jahre Münzkabinett

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10. Januar 2019 – Das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin gehört mit über 540.000 Objekten zu den bedeutendsten Münzsammlungen weltweit. Seine Gründung als eigenständiges Museum vor 150 Jahren ist Anlass für eine Jubiläumsausstellung, die noch bis Oktober 2019 die Menschen in den Blick nimmt, die als Auftraggeber, Künstler, Sammler, Händler, Mäzene, Forscher und Kuratoren die im Münzkabinett bewahrten Objekte miteinander verbinden.

Tresor des sanierten Münzkabinetts im Bode-Museum, 2005. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Monika Fielitz.

„150 Jahre sind ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen“, so Bernhard Weisser, Direktor des Münzkabinetts. „Für die Jubiläumsausstellung haben wir uns ein gutes Jahr intensiv mit der Sammlungsgeschichte auseinandergesetzt, ungehobene Schätze entdeckt und uns mit der Geschichte einzelner Objekte oder Objektgruppen befasst. Aber auch die Zukunft der Sammlung mit der Digitalisierung von über 33.000 Exponaten wird in der Ausstellung thematisiert.“

Das Raritätenkabinett mit der Münzsammlung im Apothekenflügel des Berliner
Stadtschlosses, um 1685. Kupferstich von Samuel Blesendorf, aus: L. Beger, Thesaurus Brandenburgicus (1696). Foto: bpk / Christine Kösser.

„Mein Dank gilt hierbei unseren Partnern, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Humboldt-Universität, dem Deutschen Archäologischen Institut sowie insbesondere der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin, der Erivan und Helga Haub-Stiftung, vielen fördernden Institutionen und den Münzpaten unseres interaktiven Münzkataloges.“

Julius Friedländer in Rom im Winter 1846/47. V.l.n.r.: Emil Braun, Theodor Mommsen, Tycho Mommsen (stehend) und Julius Friedländer, nach einer Daguerrotypie im Archiv des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, entnommen aus: L. Wickert, Theodor Mommsen, Bd. II. (1964) Taf. 4.

Die Qualität der im Berliner Münzkabinett bewahrten Münzen und Medaillen lässt sich sonst nur in vergleichbaren Universalsammlungen in London, Paris, New York, Wien und St. Petersburg finden. Zu den 540.000 Originalen kommen umfangreiche Archivalien, die eine in die Tiefe gehende Provenienzforschung ermöglichen, eine numismatische Spezialbibliothek mit ca. 20.000 Monographien und ca. 19.000 Auktionskatalogen sowie das Fotoarchiv Lübke & Wiedemann mit 3,6 Millionen Münz- und Medaillenaufnahmen bis 2015.

Fund von Trebbin, aus dem Jahr 1899 mit über 600 Brakteaten des 13. Jahrhunderts. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Reinhard Saczewski.

Die Gründung des Münzkabinetts als eigenständiges Museum in dem rasch wachsenden Verbund der Königlichen Museen in Berlin fiel 1868 in eine Zeit des Aufschwunges von Preußen. Es bestand die Bereitschaft, einen Teil des Haushalts in Kultur und Museen zu investieren. Dass die sich bietende Gelegenheit ergriffen wurde, ist wesentlich der Verdienst von Julius Friedländer, der durch sein Wirken seit 1840 am Königlichen Museum den Weg zu der Museumsgründung bereitet hatte.

Schatzfund von Zagazig in Oberägypten, mit griechischen Münzen und Barren des 6./5. Jh. v.Chr. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Reinhard Saczewski.

Die Geschichte der Münzsammlung reicht aber bis in das 16. Jahrhundert zurück und spiegelt auch die wechselvolle Geschichte Berlins wider: Der erste Gesamtverlust der Münzsammlung der Hohenzollern erfolgte während des Dreißigjährigen Krieges, aber auch 1946 wurde die komplette Sammlung in die Sowjetunion transportiert, von wo sie 1958 zurückkehrte. Eines der bedeutendsten Sammlungsstücke des Münzkabinetts, eine wertvolle syrakusanische Dekadrachme, die kurz nach Kriegsende entwendet wurde und Ende 2017 zurückerworben werden konnte, wird nun erstmals wieder nach über 70 Jahren in der Ausstellung zu sehen sein.

Friedrich Imhoof-Blumer (1838-1920), bedeutender Sammler und Numismatiker. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett.

In der Sonderausstellung werden die Menschen in den Blick genommen, die über die im Münzkabinett bewahrten Objekte miteinander verbunden sind. Als Fortsetzung der Dauerausstellung mit über 3.500 Exponaten nimmt sie Auftraggeber und Künstler, Sammler und Vorbesitzer, Händler und Kuratoren, Münzforscher und Mäzene in den Fokus und thematisiert exemplarisch die Provenienzen sowie den Umgang mit den Objekten im Museum. 

Medaille auf Julius Friedländer von Marianne Dietz, 2018, Vorderseite. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Bernhard Weisser.

Aus Anlass der Ausstellung hat Marianne Dietz eine Medaille auf den Numismatiker und ersten Museumsdirektor Julius Friedländer geschaffen, die von der Numismatischen Gesellschaft zu Berlin in einer Auflagenhöhe von 50 Exemplaren herausgegeben wird.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Internetseite der Staatlichen Museen zu Berlin.

2009 gab Bernd Kluge ein umfassendes Interview, in dem er über die Geschichte des Berliner Münzkabinetts sprach. Ein immer noch sehr lesenswertes Zeugnis der jüngsten Vergangenheit.