Caesarmörder

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Am 15. März des Jahres 44 v. Chr. starb Caius Iulius Caesar. Seine Mörder hatten sich der Illusion hingegeben, dass mit dem Tod des Dictators die alten Mechanismen der Republik automatisch neu belebt würden. Tatsächlich aber hatte der Bürgerkrieg den Senat unbrauchbar gemacht, so dass eine Rückkehr zur Republik der Väter ausgeschlossen war. Das bedeutete, dass der nächste Bürgerkrieg vor der Tür stand.

Caesars Tod, Historiengemälde von Jean-Léon Gérôme, 1867.

Die günstigste Ausgangsposition im Kampf um die Nachfolge Caesars hatte Marcus Antonius, der seit Beginn des Jahres zusammen mit Caesar das höchste Amt, das Consulat, bekleidet hatte. Ihn unterstützte Marcus Aemilius Lepidus. Der war gerade dabei gewesen, für seine Statthalterschaft in Gallia Narbonensis und Hispania citerior Truppen auszuheben. Die lagerten noch in der Nähe der Stadt Rom. Mit ihnen besetzte er das Kapitol und erzwang so den Ausgleich: Die Anhänger Caesars behielten ihre Ämter; die Mörder Caesars erhielten eine Amnestie. 

Das Begräbnis Caesars brachte die Wende. Das Volk hatte den Dictator verehrt, nun wendete es sich gegen dessen Mörder. Viele, darunter Cassius und Brutus, verließen Rom, um abzuwarten, was die Zukunft bringen würde.

Bronzebüste des Octavian, gefunden im nubischen Meroe. Foto: Steve F-E-Cameron / Louis le Grand / https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Die brachte vor allem eine neue Option: Den von Caesar adoptierten Octavian. Der war zwar jung, verfügte aber über ein Naturtalent in Sachen Politik und übertraf all seine Konkurrenten an Skrupellosigkeit. Nachdem Marcus Antonius Rom verlassen hatte, um Decimus Brutus – nicht zu verwechseln mit dem eingefleischten Republikaner Marcus Iunius Brutus – die Provinz Gallia Cisalpina abzujagen, verbündete sich Octavian mit Cicero, um Marcus Antonius von diesem Vorhaben abzuhalten.

Octavian nahm für dieses Bündnis eine Zusammenarbeit mit den Caesarmördern in Kauf. Die befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Italien. Sie hielten sich im Osten des römischen Reichs auf, um Truppen zu rekrutieren. Brutus tat dies in Griechenland, Cassius in Syrien. 

Dies nutzte Cicero, um ein Gegengewicht zu Marcus Antonius (und vielleicht auch zu Octavian) zu schaffen. Es gelang ihm, den Senat zu überzeugen, Brutus den offiziellen Auftrag zu erteilen, mit seinen Truppen Makedonien, Illyrien und Griechenland zu schützen. Für Cassius versuchte Cicero, ähnliches zu erreichen.

Denar des C. Numonius Vaala, Rom, 43 v. Chr. Mit Porträt des Cassius. Cr. 514/2. Aus Auktion Künker 280 (2016), 392. Schätzung: 4.000 Euro.

Dies ist der historische Hintergrund, der die Motive der Münzprägung des Jahres 43 v. Chr. verständlich macht. Damals gehörten, wie Bernhard Woytek in seiner grundlegenden Studie zur Münzprägung der Jahre 49 bis 42 v. Chr. plausibel darlegen konnte, vier Männer dem Kollegium zur Münzprägung an: C. Clodius Vestalis, M. Arrius Secundus, C. Numonius Vaala und L. Servius Rufus. Ihre Prägungen sind parallel zu verstehen.

Auf der Rückseite zeigen alle eine Darstellung, die sich auf den Münzmeister bezieht. C. Clodius Vestalis bildete eine Vestalin ab, M. Arrius Secundus eine Szene, bei der der zweite (= secundus) Bannerträger im Mittelpunkt steht. Für uns wichtig sind vor allem die Denare, die C. Numonius Vaala und L. Servius Rufus mit ihrem Namen zeichneten. Sie werden in der Künker Auktion 280, die am 26. September 2016 stattfinden wird, versteigert. Die Prägung Vaalas präsentiert auf der Rückseite einen Mann, der zwei hinter einer Palisade verschanzte Gegner angreift. Es handelt sich dabei ausnahmsweise nicht um die Heldentat eines Vorfahren, sondern ebenfalls um eine Anspielung auf den Münzmeister-Namen: Die Schanze wird lateinisch vallum genannt. Rufus entschied sich, sich nicht auf seinen schwer darstellbaren Namen (rufus = der Rote) zu beziehen, sondern auf seine Herkunft aus Tusculum, wo die Dioskuren besondere Verehrung erfuhren.

Seit Jahrzehnten wird die Frage diskutiert, wer denn auf der Vorderseite der Denare dargestellt ist. Mit Ausnahme der Prägung des Vestalis, der seine Vorderseite der Gottheit Flora widmete, tragen alle Münzen der Serie sehr individuell gestaltete Porträts. Alföldi konnte durch vergleichende Stempelstudien beweisen, dass Arrius Secundus ein Porträt Octavians auf die Vorderseite setzte. Dies passt zur Tagespolitik: Schließlich war Octavian vom Senat beauftragt worden, gegen Marcus Antonius vorzugehen.

Denar des L. Servius Rufus, Rom, 43 v. Chr. Mit Porträt des Brutus. Cr. 515/2. Aus Auktion Künker 280 (2016), 393. Schätzung: 4.000 Euro.

Das Porträt, das L. Servius Rufus auf die Vorderseite setzte, hat Alföldi ebenfalls längst als das des Brutus erkannt. Es bleibt die Frage, um wen es sich bei dem Mann auf den Denaren des Vaala handelt. Die Logik spricht dafür, dass Cassius gemeint ist, der dritte große Heerführer, den Cicero in den ersten Monaten des Jahres 43 v. Chr. umwarb. Ein großes Problem für eine abschließende Identifizierung ist die Tatsache, dass es von Cassius kein gesichertes Porträt gibt. Wir haben weder eine Büste, noch ließ sich der überzeugte Republikaner auf seinen eigenen Münzen abbilden. 

Doch sprechen außer der historischen Logik zwei entscheidende Argumente für eine Identifizierung dieses Porträts mit dem des Cassius. So wissen wir erstens von Plutarch, dass sowohl Brutus als auch Cassius blass und dürr waren, was die beiden Porträts wunderbar beschreibt. Zweitens ließ Traian ausgerechnet die beiden Denare des Vaala und des Rufus in seine Restitutionsserie mit großen Persönlichkeiten der römischen Geschichte aufnehmen. Da wir die Porträts aller anderen Politiker der Epoche, die sonst für eine Abbildung in Frage kämen, kennen, bleibt als Dargestellter nur Cassius übrig.

Denar des L. Plaetorius Cestianus, Lagermünzstätte in Kleinasien oder Nordgriechenland, 42 v. Chr. Mit Porträt des Brutus. Cr. 508/3. Aus Auktion Künker 124 (2008), 8483. Schätzung: 30.000 Euro. Zuschlag: 90.000 Euro.

Unsere Denare sind also ein überaus interessantes Zeugnis für die kurze Phase, in der Octavian auf der gleichen Seite kämpfte wie Brutus und Cassius. Dies änderte sich bereits im August desselben Jahres. Octavian hatte das Glück, dass beide Consuln in einer Schlacht fielen, und er zum Oberbefehlshaber des offiziellen Heeres des Senats wurde. Damit eroberte er Rom, nur um sofort die Fronten zu wechseln. Er ging ein Bündnis mit Marcus Antonius ein, ließ Cicero umbringen und begann den Krieg gegen die Caesarmörder.

Im Herbst des Jahres 42 fand die Schlacht von Philippi statt. Das vereinte Heer von Marcus Antonius und Octavianus siegte. Cassius beging noch auf dem Schlachtfeld Selbstmord. Brutus starb auf der Flucht ebenfalls von eigener Hand. Doch damit war der Bürgerkrieg noch nicht beendet, er hatte gerade erst begonnen.

Zur Künker Herbst-Auktion 280 kommen Sie hier. 

Und den MünzenWoche-Vorbericht zu dieser Auktion lesen Sie hier.

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