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…Das war meine eigene Erfindung. Niemand zuvor hatte es getan.

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Wer heute zu den Sternen schaut und über die Möglichkeiten, andere Galaxien zu entdecken, nachdenkt, vergisst gerne, dass die Astrologie die Mutter der modernen Astronomie war. Der weithin bekannte Astronom Johannes Kepler verdiente seinen Lebensunterhalt damit, dass er den Großen seiner Zeit – man denke nur an Kaiser Rudolf II. und Albrecht von Wallenstein – das Horoskop stellte. Sicher hätte der findige Mann auch am Hofe Jahangirs, des etwa zeitgleich von 1605 bis 1627 herrschenden Großmoguln, eine gut bezahlte Stellung gefunden. Denn auch in Indien gehörte die Astrologie / Astronomie zu den wichtigsten Wissenschaften.

Jahangir empfängt Prinz Khurram im April 1616. The Royal Library Windsor Castle. – Deutlich erkennbar sind auf dieser Miniatur Münzen, die von Höflingen an einer langen Kette um den Hals oder als Anhänger am Turban getragen werden.

Ein Herrscherleben bestimmt von den Sternen

Ob griechische, arabische oder persische Texte, am Hof des Großmoguln sammelte man das astrologische Wissen der Welt. Und auch die Astrologen kamen von nah und fern. Wir wissen das von den prachtvollen Miniaturen, die uns einen Einblick in das Leben am Hof der Moguln bieten.

So kennen wir Miniaturen, auf denen die Geburt eines Prinzen dargestellt wird. Während Frauen der Gebärenden in einem abgetrennten Gemach bei der Niederkunft beistehen, wartet der Herrscher vor der Kammer, unterhalten von Musikanten. Im Raum stehen Astrologen, um mit Hilfe einer Sanduhr den genauen Zeitpunkt der Geburt des Kindes festzuhalten. Dieser ist notwendig, um das exaktes Horoskop zu stellen.

Und ein Horoskop wurde für jeden Prinz erstellt, genau wie für jeden anderen Bürger des Mogulreichs, der es sich leisten konnte. Jahangirs Vater, Akbar, um nur ein Beispiel zu nennen, war so stolz auf die glücksversprechende Minute seine Geburt, dass er sie der Nachwelt durch seinen Chronisten Abu l’Fazl sorgfältig überliefern ließ.

Natürlich wurde auch für Jahangir so ein Horoskop erstellt, aber wie durchdrungen der Alltag der Moguln von der Astrologie war, wird erst wirklich lebendig, wenn wir uns der Münzprägung von Jahangir zuwenden.

Goldmohur mit dem Sternbild des Widders, geprägt 1619 in Agra. Aus Auktion Numismatica Genevensis 11 (18. November 2019), Nr. 35.

A Royal Collection: Ein einmaliges Ensemble bei Numismatica Genevensis

In Numismatica Genevensis Auktion 11 „A Royal Collection“ werden am 18. November 2019 eine eindrucksvolle Anzahl von Münzen der Moguln versteigert. Darunter befinden sich sowohl Münzen mit dem Porträt Jahangirs als auch das größte jemals angebotene Ensemble seiner höchst seltenen Goldmohurs mit Sternzeichen-Darstellungen. Sie illustrieren die zentrale Bedeutung, die Jahangir seinen Goldmünzen und der Astrologie zuwies.

Goldmohur mit dem Sternbild der Fische, geprägt 1619 in Agra. Aus Auktion Numismatica Genevensis 11 (18. November 2019), Nr. 45.

Der Beginn des 13. Herrschaftsjahres von Jahangir

Akbar starb am 27. Oktober 1605. Sein Sohn Jahangir übernahm inoffiziell am 3. November des gleichen Jahres die Herrschaft. Nichtsdestotrotz wartete er mit dem offiziellen Regierungsantritt, bis ihm seine Astrologen einen glücksverheißenden Tag vorhersagten. Der fiel auf den Abend des 10. März 1606, so dass Jahangir seine Regierungsjahre ab dem 11. Zíl ka’da, dem 2. Farwardín resp. dem 10. März zählte.

Astrologisch gesehen begann die Herrschaft Jahangirs mit dem Moment, an dem die Sonne vom Sternzeichen der Fische in das des Widders wanderte. Fürwahr ein wunderbarer Zeitpunkt, der heute noch in vielen Ländern der Erde als Nouruz (= Neuer Tag) oder Newroz gefeiert wird.

Jedes Jahr wiederholte Jahangir dieses Fest, und besonders prächtig fiel es natürlich anlässlich der Vollendung von zwölf Regierungsjahren aus. Schließlich ist die Zwölf – anders als die erst durch die Französische Revolution zu so hohen Ehren gekommene Zehn – eine heilige Zahl des Islam und des Hinduismus. Dazu hatte Jahangir gerade einen entscheidenden Sieg über Bijapur und Gujarat errungen.

Feiern zum Regierungsjubiläums Jahangirs, um 1615-1618. Institute of Oriental Studies, St. Petersburg. – Im unteren Drittel sieht man einen Palastdiener, der aus einer Schale Münzen unters Volk wirft, das sich darum balgt.

Wie jedes Jahr gab es anlässlich des Regierungsjubiläums eine Fülle von Zeremonien. Der Großmogul verteilte an seine verdienten Hofbeamten und Militärs neue Titel und Ämter. Er selbst wurde gewogen, um sein Gewicht in Gold und Silber unter seinen Untertanen zu verteilen. Ein Teil der Geschenke bestand aus prächtigen Goldmünzen, die nicht dazu gedacht waren, um damit die Kosten des Alltags zu bestreiten. Sie wurden als Ehrungen verliehen, ähnlich den Gnadenpfennigen des Westens. Es wurde von den Beschenkten erwartet, dass sie eines der Stücke aufwändig fassen ließen, um es als Zeichen der Loyalität gegenüber Jahangir entweder am Turban oder an einer langen Kette um den Hals zu tragen. Abbildung 1 zeigt deutlich, wie diese Münzen von Höflingen getragen wurden.

Es muss damals, anlässlich dieses Jubiläums, besonders hoch hergegangen sein. Jahangir selbst berichtet in seinem Rechenschaftsbericht „Wakiatijahangir“ von einem rauschenden Fest, bei dem der Wein in Strömen floss. Und weil man an die dem Thron besonders nahe stehenden Diener ganz besonders viel Wein ausschenkte, seien diese ziemlich lustig geworden.

Eine Serie für das 13. Jahr der Herrschaft Jahangirs

Ob Jahangir seine Entscheidung, Münzen mit Sternzeichen zu prägen, an diesem Tag fasste? Auf jeden Fall zeigt die erste Ausgabe der Sternzeichen-Serie das Sternzeichen des ersten Monats seines Regierungsjahres, den Widder. Er selbst vermerkt dazu in seinem Rechenschaftsbericht „Wakiatijahangir“: „Zuvor war die Regel gewesen, dass auf einer Seite der Münze mein Name eingeprägt war, auf der Rückseite der Name des Ortes, des Monats und des Regierungsjahres. Es kam mir in den Sinn, dass sie anstelle des Monats die Abbildung der Konstellation, die zu diesem Monat gehörte, benutzen sollten. So zum Beispiel im Monat Farwardín einen Widder, im Monat Urdíbihisht einen Stier und so weiter; also in jedem Monat, in dem eine Münze geprägt wird, soll das Zeichen, in dem die Sonne sich gerade befindet, auf eine Seite der Münze geprägt werden. Das war meine eigene Erfindung. Niemand zuvor hatte es getan.“ Im Original der Handschrift sollen sogar alle zwölf Ausgaben gezeichnet gewesen sein.

Der Befehl zur Prägung der Serie erging erst am 23. Farwadin des Jahres 1616. Sie wurde viele Jahre fortgesetzt. Wir kennen alle zwölf Sternzeichen in Gold, und fünf in Silber.

Goldmohur mit dem Porträt Jahangirs, in der rechten Hand Weinglas. Aus Auktion Numismatica Genevensis (18. November 2019), Nr. 30.

Die Stücke sind heute extrem selten, da ihre Darstellungen – genauso wie auf Jahangirs sonstige Münzen – extrem kontrovers waren. Einige fromme Muslims hielten es für Sünde, das von Allah angeordnete Kismet durch Astrologen zu ergründen zu suchen. Die Darstellung von Sternzeichen auf Münzen schien geradezu ein Sakrileg. Genauso störten sie sich daran, dass Jahangir sein eigenes Porträt auf Münzen setzte – und das teilweise ein Weinglas in der Hand haltend! Jahangir sollte der einzige Mogul-Herrscher bleiben, der dies wagte.

Schon sein Sohn Shah Jahan sah dies anders, obwohl auch er auf den Ausgleich zwischen Moslems und Hindus bedacht war. Er ordnete an, Jahangirs kontroverse Münzen einschmelzen zu lassen. Sogar der Besitz oder die Benutzung dieser Münzen soll mit dem Tode bestraft worden sein. Dies mag natürlich auch mit der Tatsache zusammenhängen, dass Shah Jahan in den letzten Jahren von Jahangirs Leben gegen seinen Vater rebellierte. Wer nach wie vor Münzen Jahangirs auf seinem Turban trug, mochte damit seine fehlende Unterstützung für den neuen Großmogul zum Ausdruck bringen.

Jantar Mantar: Jai Singhs Sternwarte in Jaipur. Foto: KW.

Ein reiches astrologisch-astronomisches Erbe

Dass die reiche astrologische Tradition der Inder sich im 18. Jahrhundert zu einer Wissenschaft entwickelte, weiß jeder, der einmal das große astronomische Observatorium gesehen hat, das Jai Singh II. in den Jahren zwischen 1727 und 1733 in Jaipur errichten ließ. Es beherbergt vierzehn Bauwerke, die astronomischen Messungen dienten. Zu seiner Zeit war es nur eines von fünf Observatorien im Reich des Maharaja von Amber. Heute ist es ein UNESCO-Welterbe, das von Touristen aus aller Welt besichtigt wird.

Wenn es 2014 eine indische Weltraumsonde bis zum Mars geschafft hat und derzeit an der bemannten Raumfahrt gearbeitet wird, dann reicht Indiens Tradition der Weltraumforschung bis weit in die frühe Neuzeit zurück, als man sowohl in Europa als auch in Indien noch daran glaubte, dass die Sterne das Schicksal der Menschen bestimmen würden.

 

Mehr Informationen zur Auktion und zum Auktionshaus finden Sie auf der Seite von Numismatica Genevensis.

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