Archiv

Panta rhei – oder eine kurze Geschichte des MoneyMuseums

von Ursula Kampmann

11. April 2013 – PANTA RHEI – alles fließt, dieses Zitat aus dem Werk des griechischen Philosophen Heraklit ist eine perfekte Definition dessen, was das MoneyMuseum sein will: ständig in Veränderung, nie ausruhend auf den Lorbeeren der Vergangenheit, immer ganz vorne dabei, wenn es darum geht, neue Formen der Vermittlung zu finden.
Das ist der Grund, warum das MoneyMuseum einen winzigen, aber kostbaren Teil seiner Sammlung verkauft. Mit dem Erlös soll ein neues Kapitel der Geschichte des MoneyMuseums finanziert werden: Ein multimedialer Auftritt bei iTunes University.

Ein Anfang im Internet
Angefangen hat alles mit 500 Münzen, die Dr. Jürg Conzett privat zusammengetragen hatte. Leo Mildenberg betreute bis zu seinem Tod die Sammlung, was mit ein Grund ist für die herausragende Qualität vor allem der griechischen Prägungen.
500 Münzen und ein Sammler, der so oft reiste, dass er seine Stücke kaum in Händen halten konnte. Für Jürg Conzett war das Internet die Lösung. Er stellte seine Sammlung unter moneymuseum.com ins Netz – für sich und für alle, die sich dafür interessierten. Im April 1999 ging das MoneyMuseum online, und das Interesse daran war groß, denn das MoneyMuseum war, heute kaum mehr vorstellbar, die erste Institution, die eine größere Menge von Münzbildern im Internet verfügbar machte.

Verborgene Schätze: Der Goldraum beherbergt einen Teil der Münzsammlung des MoneyMuseums. © MoneyMuseum, Zürich.

Verborgene Schätze: Der Goldraum beherbergt einen Teil der Münzsammlung des MoneyMuseums. © MoneyMuseum, Zürich.

Heute besitzt das MoneyMuseum 2.600 Münzen und kann hinsichtlich der Zahl selbstverständlich nicht mit den großen Institutionen mithalten. Aber die Menge der Objekte ist auch nicht das, was Jürg Conzett interessiert.
Er will mit seinem MoneyMuseum Besucher dazu bringen, über Geld nachzudenken, über dessen Geschichte, aber auch über dessen Zukunft. Deshalb gibt es im MoneyMuseum keine Münzausstellungen im herkömmlichen Stil. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die unsere Vergangenheit aufwirft. So kann eine Ausstellung über das Glücksspiel durchaus mit einer Station enden, an der die Besucher abstimmen, ob Börsenspekulation ein Glückspiel ist. Und die für 2014 projektierte Ausstellung „Der gerechte Preis – wirtschaftliches Denken im Mittelalter“ wird sicher auch etwas zu Globalisierung und Boni zu sagen haben.

Die Sunflower Foundation
Seit Juni 1999 ist die Sunflower Foundation für die Präsentation der Sammlung des MoneyMuseums verantwortlich. Sie wurde von Dr. Jürg Conzett ins Leben gerufen. Der Gründer der Sunflower Foundation und heutige Chef des MoneyMuseums kommt eigentlich aus einem ganz anderen Bereich. Er schloss 1972 das Studium der Geschichte und Psychologie an der Universität Zürich mit der Dissertation ab und absolvierte anschließend die renommierte Management-Schule der Stanford University, Kalifornien. Danach arbeitete er als Finanzanalyst in New York, Tokio und Zürich. Der ständige Umgang mit Geld hat ihn neugierig gemacht auf das Verhältnis zwischen Mensch und Geld: Inwieweit hat das Geld unsere Geschichte beeinflusst? Inwieweit tut es das heute noch? Und wie müsste Geld aussehen, um in der Zukunft eine bessere, eine menschlichere, eine gerechtete Wirtschaft bewirken zu können?
Seine Fragen spiegeln sich in den Zielen, die sich die Sunflower Foundation gesetzt hat:
1. Mittels modernster Techniken und anhand einer qualitativ hoch stehenden Münzsammlung die Geschichte des abendländischen Geldes von ihren Anfängen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts darzustellen.
2. Alternativen zum gegenwärtig in unserer Gesellschaft gültigen Geldmodell aufzuzeigen.
3. Einen offenen und unverkrampften Umgang mit dem Thema Geld zu fördern.

Vom virtuellen zum realen Museum
Das MoneyMuseum ist ein dynamisches Projekt, das sich laufend verändert. Alles ist vorläufig, bleibt im Fluss. So bekam das virtuelle MoneyMuseum des Internets bereits im Oktober 2000 seine erste reale Dependance in den Räumen des Schweizerischen Landesmuseums.

Einladung zum Abstieg in die Schatzkammer: Die Ausstellungs- und Erlebnisräume des MoneyMuseum liegen unter der Erde. © MoneyMuseum, Zürich.

Einladung zum Abstieg in die Schatzkammer: Die Ausstellungs- und Erlebnisräume des MoneyMuseum liegen unter der Erde. © MoneyMuseum, Zürich.

2002 eröffnete das MoneyMuseum seine erste eigene Dauerausstellung zur Zürcher Geldgeschichte in dem Museum an der Bärengasse, einem Zweigmuseum des Schweizerischen Landesmuseums. Im Februar 2003 wurde das MoneyMuseum an der Hadlaubstraße eingeweiht. Und 2014 wird alles wieder ganz anders, denn der Umbau des Museums an der Hadlaubstraße steht bevor.

Diskussionsform und Plattform
Eines allerdings wird bleiben. Fokus des MoneyMuseums sind die großen Zusammenhänge. Ziel ist es, den Besucher zum Nachdenken über seinen eigenen Umgang mit Geld zu bringen.

Neue Wege suchen: Neue Medien und neue Techniken erleichtern gerade jungen Menschen den Einstieg in die Materie. © MoneyMuseum, Zürich.

Neue Wege suchen: Neue Medien und neue Techniken erleichtern gerade jungen Menschen den Einstieg in die Materie. © MoneyMuseum, Zürich.

Für die Vermittlung hat das MoneyMuseum immer wieder neue Wege beschritten. Es gibt Hörspiele, DVD-Präsentationen und Filme. Alles richtet sich nicht an den numismatischen Kenner, sondern den Laien.
Dazu gehören auch die ungewöhnlichen Zusammenhänge, in die das MoneyMuseum das Geld stellt. In den viel besuchten Vorträgen findet man Themen wie „Geld in der Literatur“, „Geld in Psychiatrie und Psychotherapie“ bis hin zu „Deine Geldpersönlichkeit – Deine Schrift“. Natürlich gibt es auch historische Vorträge, aber die Geschichte ist nicht Selbstzweck, sondern Folie, auf der die Gegenwart den Vergleich aushalten muss.

Soziale Verantwortung und Cyclos
Museum und Plattform zu sein, reicht dem MoneyMuseum nicht. Ganz im Sinne des humanistischen Menschenideals leitet Dr. Jürg Conzett aus dem Wissen eine Verpflichtung ab, die Verpflichtung, Alternativen zur gegenwärtigen Geldwirtschaft zu entwickeln. Das MoneyLab bietet Informationen zu komplementären Geldsystemen und Tauschplattformen. Mit der Open-Source-Software Cyclos ermöglicht es die Online-Verwaltung komplementärer Währungssysteme. Das Money Museum ist an der Bereitstellung der Software im deutschsprachigen Raum maßgeblich beteiligt.

Das MoneyForum
Das MoneyMuseum steht für Innovation. Und echte Innovation erfordert Umdenken, auch in den oberen Etagen. Deshalb bietet das MoneyForum die Möglichkeit zum Austausch zwischen hochrangigen Theoretikern und einflussreichen Praktikern. Das MoneyForum ist ein Forum, wo sich die „Macher“ informieren, was geschieht und warum es geschieht. Es will dabei den Ausgleich der Interessen fördern und langfristig auch politische Änderungen initiieren.

Eines bleibt: die Veränderung
Um nicht nur Zürcher zu erreichen, will das MoneyMuseum seine Rolle als Diskussionsplattform im Internet stärken. Erfahrene Referenten des MoneyForum und des MoneyMuseums werden Podcasts zu brennenden Geldthemen der Gegenwart anbieten, aber auch Einblicke in die Geldgeschichte. Das MoneyMuseum wird bei iTunes University präsent sein und das in Deutsch und Englisch mit vielen kurzen und längeren Sequenzen über Münzen, Geld, Wirtschaftsgeschichte, Ökonomie, aber auch über Alternativen und die Zukunft des Geldes. Das alles ist für ein breites Publikum gedacht. Alles kann jederzeit von überall auf der Welt kostenlos heruntergeladen werden. Der Verkauf der Münzen wird einen Teil dieses Projekts finanzieren.
Alle Mitarbeiter des MoneyMuseum freuen sich auf die neue Herausforderung. Denn eines bleibt im MoneyMuseum immer gleich: Es ist alles in Veränderung, alles im Fluss.

Hier geht es zur Webseite des MoneyMuseum.

Den Münzbestand des MoneyMuseum können Sie durchsuchen in der Suchmaske.

Über alle weiteren Projekte informiert die Seite der Sunflower Foundation.

← zurück

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Einmal die Woche pünktlich frei Haus. Mit unserem Email-Newsletter bleiben sie immer auf dem neuesten Stand der numismatischen Welt.