47. NYINC: Numismatischer Pflichttermin im Januar

von Björn Schöpe

24. Januar 2019 – In jeder Branche gibt es Ereignisse der Extraklasse. Cineasten sagen von bestimmten Filmen, dass sie etwa in Cannes „außer Konkurrenz“ liefen. Solche Filme messen sich nicht direkt mit den anderen. Genau das kann man auch von der New York International Numismatic Convention (NYINC) behaupten. 2019 fand diese Börse zum 47. Mal statt – schon das spricht für ihren Erfolg. Wer mit klassischer Numismatik und Weltmünzen zu tun hat, muss dort einfach hin. Folgerichtig trifft man Vertreter nahezu aller großen Auktionshäuser und zahlreiche Händler aus den USA und der ganzen Welt an diesem Termin.

Der große „Ballroom“ des Grand Hyatt in Manhattan vibrierte vor Leben, als die Börse begann. Foto: Björn Schöpe.

Der große „Ballroom“ des Grand Hyatt in Manhattan vibrierte vor Leben, als die Börse begann. Foto: Björn Schöpe.

Die NYINC ist ein Muss für ihr Zielpublikum, nämlich alle, die mit antiken und Weltmünzen handeln. Ausdrücklich ausgenommen sind US-Münzen nach 1815, denn dafür gab es schon 1972 genügend Veranstaltungen in den USA. (Mittlerweile sind übrigens auch Antiquitäten jeglicher Art von der Börse ausgeschlossen.)

Kevin Foley erinnerte mit zweien der begehrten Tische an zwei verstorbene Kollegen und Freunde: Christian Blom und Richard Margolis, einen der Gründerväter der NYINC. Foto: Björn Schöpe.

Kevin Foley erinnerte mit zweien der begehrten Tische an zwei verstorbene Kollegen und Freunde: Christian Blom und Richard Margolis, einen der Gründerväter der NYINC. Foto: Björn Schöpe.

Wenn wir von der Geschichte der NYINC sprechen, müssen wir an Richard Margolis denken, einen der Gründerväter des numismatischen Großereignisses, der im vergangenen Jahr gestorben ist. (Einen Nachruf lesen Sie hier.) Kevin Foley, der Orgnisator der Börse, zeigt seine Achtung für den Freund dadurch, dass er diesem einen eigenen Tisch gewidmet hat. Und gleich daneben erinnert ein zweiter Tisch an den gleichfalls kürzlich verstorbenen Christian Blom.

Das Chrysler Building steht gleich neben dem Grand Hyatt, das die NYINC beherbergt. Noch zentraler geht es nicht! Foto: Björn Schöpe.

Das Chrysler Building steht gleich neben dem Grand Hyatt, das die NYINC beherbergt. Noch zentraler geht es nicht! Foto: Björn Schöpe.

Dies ist um so bemerkenswerter, als die Tische an der NYINC Gold wert sind. Die Plätze sind begehrt und es gibt lange Warteschlangen. Denn wer einmal einen Tisch erhält, reserviert ihn in der Regel gleich für das Folgejahr. Und auch der Veranstaltungsort ist bequem zu erreichen: Seit dem letzten Jahr findet die Börse im Grand Hyatt statt, direkt an der Grand Central Station im Herzen Manhattans und neben dem Chrysler Building!

Im Vorraum waren die Registrierungstische, ein Buchstand und das umfassende Angebot an Schatullen und anderen exklusiven Aufbewahrungsaccessoires der italienischen Firma Abafil untergebracht. Außerdem ging es zu den Auktionsräumen – und hier gab es das begehrte Trinkwasser! Und vor den Fahrstühlen begegnete man sich ohnehin ständig. Das Foto täuscht übrigens: So ruhig wie hier war es nur ganz früh morgens! Foto: Björn Schöpe.

Im Vorraum waren die Registrierungstische, ein Buchstand und das umfassende Angebot an Schatullen und anderen exklusiven Aufbewahrungsaccessoires der italienischen Firma Abafil untergebracht. Außerdem ging es zu den Auktionsräumen – und hier gab es das begehrte Trinkwasser! Und vor den Fahrstühlen begegnete man sich ohnehin ständig. Das Foto täuscht übrigens: So ruhig wie hier war es nur ganz früh morgens! Foto: Björn Schöpe.

Die eigentliche Börse ging vier Tage lang vom 10. bis 13. Januar 2019. Doch schon seit dem 4. Januar veranstalteten zahlreiche große Auktionshäuser ihre vor Raritäten, Kabinettstücken und exquisiten Sammlungen übervollen Auktionen: Baldwin’s of St. James’s, Heritage, Spink, Classical Numismatic Group, The New York Sale (einer gemeinsamen Auktion von Ira und Larry Goldberg, M&M Numismatics, Sovereign Rarities und Dmitry Markov) und Stack’s Bowers Ponterio.

Es war nicht leicht, das Team in einem halbwegs ruhigen Moment versammeln zu können, bei CNG war ständig viel los. Von links nach rechts: Kerry Wetterstrom, Michael Gasvoda, Caroline Holmes, Paul Hill und David Michaels. Foto: Björn Schöpe.

Es war nicht leicht, das Team in einem halbwegs ruhigen Moment versammeln zu können, bei CNG war ständig viel los. Von links nach rechts: Kerry Wetterstrom, Michael Gasvoda, Caroline Holmes, Paul Hill und David Michaels. Foto: Björn Schöpe.

Auch in diesem Jahr sah man strahlende Gesichter allenthalben – sowohl bei denen, die sich ihre Traumstücke ergattern konnten, als auch bei den Auktionatoren. Bei CNG war durchgängig so viel Betrieb, dass es nicht leicht war, die neuen Mitarbeiter einmal gemeinsam vor die Kamera zu bekommen. (Mehr dazu übrigens in diesem Artikel.)

Ständig an CNGs Lot Pick-up der Triton-Auktion beschäftigt: Steve Pruzinsky. Foto: Björn Schöpe.

Ständig an CNGs Lot Pick-up der Triton-Auktion beschäftigt: Steve Pruzinsky. Foto: Björn Schöpe.

Steve Pruzinsky etwa sah man von früh bis spät am Abholtisch der Tritonauktion – meist von Kunden belagert.

Donnerstag Punkt 12 Uhr stürmen die „Early Birds“ den Raum. Omnipräsent am Eingang und auf dem ganzen Stockwerk: die professionell-freundliche Security (diskret hier rechts zu sehen). Foto: Björn Schöpe.

Donnerstag Punkt 12 Uhr stürmen die „Early Birds“ den Raum. Omnipräsent am Eingang und auf dem ganzen Stockwerk: die professionell-freundliche Security (diskret hier rechts zu sehen). Foto: Björn Schöpe.

Über 100 Händler und Auktionshäuser standen in dem riesigen, prächtigen Ballsaal des Grand Hyatt bereit, als am Donnerstag um 12 Uhr die Pforten aufgingen und die Early Birds hereinströmten. Für die stattliche Summe des sechsfachen Eintritts durften die besonders zielstrebig suchenden Profis einen Nachmittag vor der eigentlichen Eröffnung die Tische „abgrasen“ – und sie taten das mit sichtlicher Hingabe!

Das Organisationsteam um Kevin Foley leistet hervorragende Arbeit und garantiert seit Jahren eine allgemeine Zufriedenheit – und das will etwas heißen bei den logistischen Herausforderungen dieses Events! Von links nach rechts: Rhonda Burger, Omar Mallick, Patricia Foley, Kevin Foley. Im Vordergrund das Maskottchen Rhonda Reindeer. Foto: Björn Schöpe.

Das Organisationsteam um Kevin Foley leistet hervorragende Arbeit und garantiert seit Jahren eine allgemeine Zufriedenheit – und das will etwas heißen bei den logistischen Herausforderungen dieses Events! Von links nach rechts: Rhonda Burger, Omar Mallick, Patricia Foley, Kevin Foley. Im Vordergrund das Maskottchen Rhonda Reindeer. Foto: Björn Schöpe.

Da sich wirklich alles, was Rang und Namen hat, auf der Börse und bei den Auktionen versammelte, nutzten verschiedene Organisationen und Verbände die Gelegenheit gleich für ihre Treffen. So können Mitglieder und Interessierte bequem zwischen Börse und Meeting hin- und herwechseln. (Einen detaillierten Veranstaltungsplan finden Sie auf der Seite der NYINC.)

Einen Wermutstropfen gab es aber doch: Wieder einmal fanden die NYINC und die Florida United Numismatists Show, die zweite große Januar-Börse der USA, zeitgleich statt. Das hatte schon früher für Unmut gesorgt, weil beide Veranstaltungen wichtig sind. Doch die gute Nachricht: In den kommenden Jahren werden die beiden Börsen wieder so liegen, dass man beide hintereinander besuchen kann!
Und auch 2020 wird es für alle Numismatiker wieder heißen: Die NYINC darf man sich nicht entgehen lassen!

Hier eine kleine Bilderschau der Börse:

Das freundliche und hilfsbereite Registrierungsteam versorgte alle Besucher gleich mit Namensschildchen – für europäische Börsenbesucher eher ungewohnt, aber äußerst hilfreich im direkten Gespräch. Foto: Björn Schöpe.

Das freundliche und hilfsbereite Registrierungsteam versorgte alle Besucher gleich mit Namensschildchen – für europäische Börsenbesucher eher ungewohnt, aber äußerst hilfreich im direkten Gespräch. Foto: Björn Schöpe.

Aus Deutschland war u.a. das Auktionshaus Künker vertreten. Hier am Tisch Ulrich Künker und Fabian Halbich. Foto: Björn Schöpe.

Aus Deutschland war u.a. das Auktionshaus Künker vertreten. Hier am Tisch Ulrich Künker und Fabian Halbich. Foto: Björn Schöpe.

Aus der Schweiz angereist waren die Vertreter von Sincona, Michael Hardmeier und Arne Kirsch. Foto: Björn Schöpe.

Aus der Schweiz angereist waren die Vertreter von Sincona, Michael Hardmeier und Arne Kirsch. Foto: Björn Schöpe.

Auch mehrere italienische Händler nahmen die Reise bis New York auf sich, so das Turiner Auktionshaus Aste Bolaffi. Foto: Björn Schöpe.

Auch mehrere italienische Händler nahmen die Reise bis New York auf sich, so das Turiner Auktionshaus Aste Bolaffi. Foto: Björn Schöpe.

Charmante Ansprechpartnerin für jeden Sammler, der seine besten Stücke angemessen aufbewahren und präsentieren möchte: Annalisa Garretto von Abafil. Foto: Björn Schöpe.

Charmante Ansprechpartnerin für jeden Sammler, der seine besten Stücke angemessen aufbewahren und präsentieren möchte: Annalisa Garretto von Abafil. Foto: Björn Schöpe.

Englisch-distinguiert vertrat Peter Preston-Morley das Auktionshaus Dix Noonan Webb. Foto: Björn Schöpe.

Englisch-distinguiert vertrat Peter Preston-Morley das Auktionshaus Dix Noonan Webb. Foto: Björn Schöpe.

Immer gut drauf: das junge Team von Atlas Numismatics mit Rexford Goldbaum, James Ricks, Christopher Baker und Kira Eisenach. Foto: Björn Schöpe.

Immer gut drauf: das junge Team von Atlas Numismatics mit Rexford Goldbaum, James Ricks, Christopher Baker und Kira Eisenach. Foto: Björn Schöpe.

Bekannt und geschätzt: der Münzhändler Allen G. Berman, vielen besser bekannt unter dem Namen Alanus I.–  in seinem Nebenberuf als König von Bermanien. Foto: Björn Schöpe.

Bekannt und geschätzt: der Münzhändler Allen G. Berman, vielen besser bekannt unter dem Namen Alanus I.– in seinem Nebenberuf als König von Bermanien. Foto: Björn Schöpe.

Shanna Schmidt hat sich 2016 als Münzhändlerin selbstständig gemacht, nachdem sie lange Zeit im Unternehmen ihrer Familie Harlan J. Berk mitgearbeitet hatte. Natürlich kommt auch sie jedes Jahr nach New York. Foto: Björn Schöpe.

Shanna Schmidt hat sich 2016 als Münzhändlerin selbstständig gemacht, nachdem sie lange Zeit im Unternehmen ihrer Familie Harlan J. Berk mitgearbeitet hatte. Natürlich kommt auch sie jedes Jahr nach New York. Foto: Björn Schöpe.

Kontinuität über Generationen: Harlan J. Berk und sein Sohn Aaron. Foto: Björn Schöpe.

Kontinuität über Generationen: Harlan J. Berk und sein Sohn Aaron. Foto: Björn Schöpe.

Dies ist die offizielle Seite der NYINC.

Nächstes Jahr findet die Börse vom 16. bis 19. Januar statt. Wenn die Plätze auch schwer zu ergattern sind, lohnt es sich doch, bei Kevin Foley nachzufragen. Es gibt eine Warteliste!

Und wer mit dem jovialen Königreich Bermanien noch nicht vertraut ist, findet auf dieser Website alle Infos.

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