A Collection in Context – Die Sammlung Dr. Karl von Schäffer

von Ursula Kampmann

8. Februar 2018 – Sammlungen entstehen nicht im luftleeren Raum. Der Sammler ist angewiesen auf ein Netz von Lieferanten. Meist geht die Information über dieses Beziehungsnetz mit dem Tod des Sammlers verloren. Nicht so im Fall Karl von Schäffer, der 1888 nicht nur seine Münzen der Universität von Tübingen vermachte, sondern auch die gesamte sich damit beschäftigende Korrespondenz. Ein Team von Autoren liefert im ersten Band der neu gegründeten Tübinger Numismatischen Studien den Katalog der schriftlichen Quellen und zeichnet in mehreren Aufsätzen die Geschichte der Sammlung nach.

Stefan Krmnicek, Henner Hardt (Hrsg.), A Collection in Context. Kommentierte Edition der Briefe und Dokumente Sammlung Dr. Karl von Schäffer. Tübinger Numismatische Studien 1. Tübingen University Press, Tübingen 2017. 199 S. mit Abbildungen inSchwarz-Weiß. 21,5 x 30,3 cm. Hardcover. ISBN: 978-3-947251-01-8.

Stefan Krmnicek, Henner Hardt (Hrsg.), A Collection in Context. Kommentierte Edition der Briefe und Dokumente Sammlung Dr. Karl von Schäffer. Tübinger Numismatische Studien 1. Tübingen University Press, Tübingen 2017. 199 S. mit Abbildungen inSchwarz-Weiß. 21,5 x 30,3 cm. Hardcover. ISBN: 978-3-947251-01-8.

Karl von Schäffer

Veronika Holdau liefert eine auf ihrer Dissertation basierende Biographie des Sammlers: Karl Friedrich von Schäffer (1808-1888) kann als typischer Vertreter der Münzsammler des 19. Jahrhunderts gelten. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt als ärztlicher Direktor der königlichen (Irren-)Pfleganstalt in Zwiefalten und gehörte damit zur intellektuellen Elite, für die das Münzsammeln eine weit verbreitete und geachtete Freizeitbeschäftigung darstellte. Durch sein hohes Einkommen, das durch keinerlei Ausgaben für eine Familie geschmälert wurde, war er in der Lage, rund 3.000 Münzen und Medaillen zusammenzutragen. Der Bestand zeichnete sich durch einen hohen Anteil der teuren antiken Münzen aus. Als Karl von Schäffer 1888 ohne leibliche Erben verstarb, vermachte er diesen wertvollen Besitz seiner Alma Mater.
Seine Sammlung initiierte, wie Stefan Krmnicek und Henner Hardt in ihrem Beitrag berichten, eine vertiefte numismatische Forschung in Tübingen. Zwar hatte die Universität bereits seit 1798 eine Münzsammlung, aber erst mit von Schäffers Schenkung machte der damalige Ordinarius für Archäologie, Ludwig Schwabe, die Numismatik zu einem Schwerpunkt. Und das ist sie, wie an der Neugründung der Tübinger Numismatischen Studien zu sehen, bis heute geblieben.

Münzsammeln und der Münzmarkt im 19. Jahrhundert

Hadrien Rambach verfasste – in englischer Sprache(!) – zwei grundlegende Artikel, die das Münzsammeln und den Münzenmarkt mit seinen Akteuren für das 19. Jahrhundert beleuchten. Ein hochinteressantes Unterfangen, denn der Autor widmet sich einer entscheidenden Phase in der Geschichte der Numismatik, nämlich der Zeit, als die Liebhaberei zu einer echten Wissenschaft wurde. Nicht umsonst erschien Theodor Mommsens grundlegende „Geschichte des römischen Münzwesens“ 1860! Nur ein gutes Jahrzehnt später wurden die ersten Bände der Kataloge des British Museum ausgegeben, die noch heute für viele Bereiche wichtige Zitierwerke darstellen. Neue Technologien, wie die Möglichkeit, Telegramme zu versenden, machten die Welt ein kleines Stück übersichtlicher.
Hadrien Rambach zeichnet ein detailreiches Bild dieser Epoche. Er gibt Preise an und erzählt von den Münzhandlungen, bei denen die Münzsammler damals kauften. Da geht es nicht nur um Namen wie Hamburger, Hirsch oder Cahn, die jeder kennt. Rambach erarbeitet eine Liste von 77 deutschen Münzhändlern des 19. Jahrhunderts. Er listet dazu eine Fülle von weiteren Informationen auf. Eine unglaubliche Fleißarbeit, die jeder zu schätzen wissen wird, der sich mit Provenienzen beschäftigt!

Die Antiken des Oberst von Wundt

Ergänzend publiziert Philipp Baas einen Artikel über die Sammlung von antiken Objekten des Oberst von Wundt, der in persönlichem Kontakt mit von Schäffer stand. Daraus ergibt sich ein kleiner Seitenblick auf den Antikenhandel des 19. Jahrhunderts.

Ihre beiden werthen Schreiben samt Münzen habe ich erhalten...

Kernstück der Publikation ist die Veröffentlichung aller Quellen zur Sammlung von Schäffer. Und hier tut mir jeder leid, der nicht Deutsch spricht, denn es ist ein unaussprechliches Vergnügen, so tief in den Alltag des Sammlers einzutauchen. Man liest von anderen Sammlern, wie dem Herrn Imhoof aus Winterthur, und versteht, dass auch damals das Münzsammeln tiefe Freundschaften begründete.

Ich möchte dieses Buch allen Münzsammlern und allen Münzhändlern ans Herz legen, die sich nicht nur für Münzen, sondern auch für ihre eigene Vergangenheit interessieren. Ob Sie nur Englisch oder nur Deutsch lesen möchten, dieses Buch bietet genug interessante Information!

Übrigens haben sich die Herausgeber für ein neues Verfahren entschieden. Im Rahmen des Open Source Verfahrens steht das Dokument als pdf im Netz bereit zum Herunterladen.

Wer lieber ein Buch in der Bibliothek haben möchte, kann über das book-on-demand-Verfahren ein Exemplar erhalten. Auskunft dazu gibt der Herausgeber Stefan Krmnicek.

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