Anprägung der ersten 10-Euro-Münze mit Polymerring

Von Leonie Schulze

22. November 2018 – Am 14. November 2018 fand am Standort Karlsruhe der Staatlichen Münzen Baden-Württemberg die feierliche Anprägung der neuen 10-Euro-Sammlermünze „In der Luft“ statt. Für die münztechnisch revolutionäre Innovation, zwischen Münzring und Pille einen Polymerring einzufügen, ist die verantwortliche Arbeitsgruppe bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Die 5-Euro-Münzen mit Polymerring, die in den vergangenen zwei Jahren ausgegeben wurden, fanden weltweit großen Anklang bei Sammlern. Zum ersten Mal wird diese Technik nun für eine 10-Euro-Münze eingesetzt. Die erste Ausgabe der neuen Serie „Luft bewegt“ wird ab dem Frühjahr 2019 in den Prägequalitäten Stempel- und Spiegelglanz erhältlich sein. Auf der Bildseite ist ein Gleitschirm in einer Gebirgslandschaft zu sehen.

Der Entwurf der Bildseite stammt von Natalie Tekampe aus Müncheberg, die Wertseite gestaltete der Berliner Andre Witting. Foto: Hans-Joachim Wuthenow Berlin, © BVA.

Der Entwurf der Bildseite stammt von Natalie Tekampe aus Müncheberg, die Wertseite gestaltete der Berliner Andre Witting. Foto: Hans-Joachim Wuthenow Berlin, © BVA.

Der Münzleiter der Staatlichen Münzen Baden-Württemberg, Dr. Peter Huber, nutzte sein Grußwort zur Anprägung nicht nur, um die neue Gedenkmünze vorzustellen, sondern auch um genauer auf die Entwicklungen des Bargeldes einzugehen. All den Kritikern und Zweiflern, die mit neidischem Blick Richtung Schweden schauen, wo Bargeld immer seltener genutzt wird, hielt er die Vorteile des Bargeldes vor Augen. Seine fünf „Cash Lover Arguments“ waren durchaus überzeugend: Bargeld sei kostengünstig, vertrauenswürdig, sicher, lehrreich und katastrophenfest. Es wird Herrn Huber freuen, dass die meisten Deutschen augenscheinlich weiterhin an ihren Münzen und Geldscheinen festhalten.

Ein echter Gleitschirm durfte zur Veranschaulichung natürlich nicht fehlen. Foto: LS.

Ein echter Gleitschirm durfte zur Veranschaulichung natürlich nicht fehlen. Foto: LS.

„Geld ist wichtig. Luft zum Atmen ist lebenswichtig.“

Die Finanzministerin Baden-Württembergs, Edith Sitzmann, hatte sich bereits einige Male die Zeit genommen, eine Gedenkmünze in einer der beiden Münzstätten des Landes anzuprägen. Doch, so die Ministerin, sei dies für sie immer wieder eine Freude und im politischen Alltag eine ihrer schönsten Aufgaben. Das Zitat der Schriftstellerin Karin Büchel, mit dem sie ihr Grußwort begann, hätte der Thematik der neuen dreiteiligen Serie nicht angemessener sein können: „Geld ist wichtig. Luft zum Atmen ist lebenswichtig.“ Und das Fliegen sei für die Menschen schon immer ein Symbol für Freiheit gewesen. Nun habe es endlich seinen Weg auf eine Gedenkmünze gefunden. 

Zwei von drei Einzelteilen der Tri-Material-Münze. Foto: LS.Zwei von drei Einzelteilen der Tri-Material-Münze. Foto: LS.

Zwei von drei Einzelteilen der Tri-Material-Münze. Foto: LS.

Der Traum vom Fliegen

Von Ikarus bis Otto Lilienthal – alle hatten sie den Traum, die Welt von oben zu sehen. Doch lange Zeit glichen die Versuche eher dem freien Fall und „kontrolliertem Abstürzen“, wie es Bernd Böing, stellvertretender Vorsitzender des Deutscher Gleitschirm- und Drachenflugverbands (DHV), beschrieb. Erst der US-Amerikaner Francis Rogallo entwickelte die flexiblen Tragflächen, die bis heute die Menschen unter Drachenfliegern und Gleitschirmen in der Luft halten. Böing unterstrich, welch große Ehre es sei, dass nun auch in Deutschland der Gleitschirm auf einer Münze verewigt würde. Bisher sei er immer etwas neidisch gewesen, wenn seine Kollegen in der Schweiz stolz auf ihre 50-Franken-Banknote verwiesen hätten. Bei seinem nächsten Flug bei den südlichen Nachbarn werde er die neue Polymermünze als Geschenk mitbringen.

Auf die innovative Technik hinter den Polymermünzen sind alle Beteiligten sichtlich stolz. Foto: LS.

Auf die innovative Technik hinter den Polymermünzen sind alle Beteiligten sichtlich stolz. Foto: LS.

Feierliches Anprägen

Es folgte eine kurzweilige Einführung von Prof. Dr. Andrij Pich über die chemische Zusammensetzung des Polymer und die Erklärung der technischen Arbeitsschritte, die hinter dessen Produktion stehen. Dann ging es zum praktischen Teil des Nachmittags über. Finanzministerin Sitzmann setzte zuerst die Maschine in Gang, die die drei Teile der Münze in Umlaufqualität zusammensetzt, bevor sie dann die Prägung der ersten 10-Euro-Gedenkmünze mit Polymerring in Spiegelglanz per Knopfdruck initiierte. 

Bereits in Rollen gepackt, aber noch nicht erhältlich: Die 10-Euro-Polymermünze in Stempelglanzqualität. Foto: LS.

Bereits in Rollen gepackt, aber noch nicht erhältlich: Die 10-Euro-Polymermünze in Stempelglanzqualität. Foto: LS.

Die ersten Stücke von insgesamt 1,5 Millionen Exemplaren in der Prägequalität Stempelglanz rollten in Karlsruhe aufs Band. 250.000 der Münzen in Spiegelglanz werden in der einzigen Proof-Prägepresse mit Servomotorentransfer in Europa geprägt. Die neue 10-Euro-Gedenkmünze „In der Luft“ wird über die Verkaufsstelle für Sammlermünzen der Bundesrepublik Deutschland (VfS) Anfang 2019 erhältlich sein.

Eine detaillierte Erläuterung der Besonderheiten der Polymermünzen sowie einen Rundgang durch die Münzstätte in Karlsruhe finden Sie in der MünzenWoche.

Das 5 Euro-Stück „Planet Erde“, bei dem erstmals die Polymer-Technik angewandt wurde, erhielt den begehrten MDC-Award, den IACA Award für die beste Innovation im Münzbereich und den Coty 2018.

Mehr Informationen über die Geschichte des Gleitschirmfliegens sind auf der Internetseite des DHVs zu finden.

Zur Webseite der Staatlichen Münzen Baden-Württemberg geht es hier.

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