Domitius Alexander – seine gesamte Münzprägung

von Ursula Kampmann

6. Dezember 2018 – Es gibt ein neues Standardwerk, das jede Münzhandlung braucht, die sich ernsthaft mit Münzen der römischen Kaiserzeit beschäftigt. Guillaume Malingue legt einen Katalog aller bekannten Münzen des Kaisers Domitius Alexander vor, einen Katalog, den man zitieren muss, wenn man in Zukunft Münzen des Kaisers Domitius Alexander verkaufen will.

Guillaume Malingue, The Coinage of Domitius Alexander (308-310 AD). Ausonius Éditions, Bordeaux 2018. 172 S. Abb. in Schwarz-Weiß. Paperback. 21 x 29,6 cm. ISBN: 978-2-35613-231-4. 35 Euro.

Guillaume Malingue, The Coinage of Domitius Alexander (308-310 AD). Ausonius Éditions, Bordeaux 2018. 172 S. Abb. in Schwarz-Weiß. Paperback. 21 x 29,6 cm. ISBN: 978-2-35613-231-4. 35 Euro.

Denn von den „nur“ 205 bekannten Münzen dieses Kaisers scheidet der Autor 35, also rund ein Siebtel, als falsch aus. Diese 35 Münzen liegen zum Teil in den wichtigsten Museen der Welt, zum Teil in privaten Sammlungen. Denn die Provenienz-Angaben zu diesen 35 Münzen reichen bis zu Auktionen des Jahres 2017. Es ist also eine Frage des Selbstschutzes, die 35 Euro für den Katalog von Guillaume Malingue auszugeben, um in Zukunft sicher zu wissen, ob eine von diesem Kaiser angebotene Münze tatsächlich echt oder doch falsch ist.

Aber von Anfang an. Domitius Alexander, Vikar von Africa unter Maxentius, rebellierte irgendwann in der zweiten Hälfte des Jahres 308 oder zu Beginn des Jahres 309 und ließ sich von seinen Soldaten zum Kaiser ausrufen. Er herrschte von Karthago aus, bis ihn Maxentius im späten Sommer oder frühen Herbst 310 aus seinem Reich vertreiben konnte. Nach der Niederlage dürften seine Münzen eingezogen und eingeschmolzen worden sein. Deshalb sind sie so selten.

Numismatisch von höchster Bedeutung ist Domitius Alexander vor allem deswegen, weil ein Teil seiner Münzen die ersten von Constantin I. ausgegebenen Solidi kopiert. Das bedeutet, das wir einen unabhängigen Terminus ante quem für die Schaffung des Solidus haben. Und an dieser Stelle bringt die Arbeit von Guillaume Malingue tatsächlich Revolutionäres: Derzeit wird die Schaffung des Solidus mit den Quinquennalien Constantins verbunden, die dieser am 25. Juli 310 feierte. Nimmt man diesen Termin ernst, dann wird der Zeitrahmen ziemlich eng, denn noch vor dem Sturz des Domitius Alexander müssen Constantins erste Solidi von Trier nach Africa geschickt worden sein, Alexander muss sich entschieden haben, diese zu kopieren, und die Münzstätte muss die neuen Münzen produziert haben. Und dies alles in ungefähr zwei Monaten.
Es würde deshalb Sinn machen, die Entscheidung für den Solidus und seine Produktion auf das Ende des Jahres 309 vorzuverlegen. Guillaume Malingue weist darauf hin, dass dies keinen Unterschied machen würde für die Prägeabfolge in der Münzstätte Trier. Wie denn auch! Wenn der erste Solidus an den Quinquennalien Constantins verteilt werden sollte, musste er rechtzeitig vorher produziert werden...

Was soll man sonst noch über dieses Buch sagen? Dass sich die Autorin dieser Buchvorstellung freut, in Zukunft für die Bestimmung von Münzen dieses Kaisers ein so gut gemachtes Buch in der Bibliothek zu haben? Es bietet genau das, was Handel und Wissenschaft brauchen: 

  • Eine schöne und ausführliche historische Einführung, die die Quellen zu dem kurzlebigen Usurpator versammelt
  • Eine ausführliche numismatische Einordnung
  • Einen umfangreichen Kommentar zur Typologie 
  • Bemerkungen zu Chronologie, Metrologie, Stempelkopplungen, Münzumlauf
  • Und last but not least einen vollständigen Katalog aller von Domitius Alexander bekannten Münzen - inklusive einer bebilderten Aufstellung aller modernen Fälschungen

Und damit genug über dieses wirklich wichtige Buch. Vielleicht noch eine letzte Bemerkung. Es wurde 2018 in Frankreich von Ausonius herausgegeben - und ist vollständig in englischer Sprache geschrieben. Das Englische setzt sich mehr und mehr als die Lingua Franca der Numismatik durch. Und das sogar in Frankreich!

Bestellen können Sie das Buch für bescheidene 35 Euro direkt beim Herausgeber.

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