Dramatische Sparmaßnahmen in Dänemarks Nationalmuseum

1. November 2018 – Jahr für Jahr reduziert der dänische Staat die Finanzierung von kulturellen und Bildungseinrichtungen um 2 Prozent. So sollen die öffentlichen Ausgaben eingedämmt werden. Das Nationalmuseum, das auch die Königliche Münz- und Medaillensammlung beherbergt, ist von diesen jährlichen Einschnitten ebenfalls betroffen.

Fast einer von zehn Angestellten wird „wegrationalisiert“

Die seit mehreren Jahren kontinuierlich abnehmende Unterstützung hat das Museum nun gezwungen, die Zahl seiner Mitarbeiter um 50 zu verringern, also um ca. 9 %. Freiwillige Trennungen und das Nichtbesetzen von Stellen, die aus Altersgründen frei wurden, betrafen 15 Positionen. Im Oktober 2018 gab das Museum bekannt, dass 34 seiner Angestellten gekündigt wird. Tatsächlich können in Dänemark Beamte einfach aus Budgetgründen entlassen werden oder weil eine Behörde umstrukturiert wird. Zur Zeit wird noch über die Konditionen der Rationalisierungsmaßnahmen verhandelt.

Starke Sparmaßnahmen betreffen auch Numismatiker

Schon 2011 war die Königliche Münz- und Medaillensammlung von starken Sparmaßnahmen betroffen. Traurigerweise trifft es sie auch diesmal wieder. Unter den 34 entlassenen Mitarbeitern ist auch der wissenschaftliche Mitarbeiter Jens Christian Moesgaard, ein ausgewiesener Kenner der Wikingerzeit und mittelalterlicher Münzen, der im vergangenen Jahr noch mit dem renommierten Preis Jeton de Vermeil der Französischen Numismatischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde.
Das Nationalmuseum ist die einzige Institution des Landes, die Spezialisten auf diesem Gebiet anstellt. Die wissenschaftliche Angestellte Helle Horsnaes verbleibt nun als einzige Festangestellte im Münzkabinett. Daneben bestimmt Line Bjerg vom Büro für Schatzfunde zahlreiche Neufunde.
Außerdem hat das Museum beschlossen, die Ausstellungen von Münzen und Medaillen, die seit 2014 vorübergehend geschlossen sind, nicht wieder zu eröffnen. Diese Maßnahmen bedeuten für die dänische Numismatik einen massiven Qualitätsverlust.

Dänisches Hobby: Sondeln

All das ist um so bedauernswerter, wenn man bedenkt, was für einen gewaltigen Erfolg das Sondeln in Dänemark hat. Dort ist das Hobby legal, nur die Deklaration von Funden wird gefordert. Nach den Regelungen des Danefae (Schatzregal) im Denkmalschutzgesetz geht das Fundstück in staatlichen Besitz über, nachdem der Finder eine Belohnung erhalten hat. Das Danefae wird ausgeübt durch das Nationalmuseum, das auf diese Weise zehntausende von Artefakten mit exakten GPS-Fundkoordinaten erhalten hat. Die Funde kamen von gepflügten Feldern, wo der archäologische Fundkontext schon seit langem durch die landwirtschaftliche Nutzung zerstört worden war. Die Finder bewahrten die Objekte so vor der Zerstörung!

Die Dokumentierung der dänischen Geschichte ist bedroht

Münzen machen einen großen Teil dieser Funde aus. Regelmäßig kommt es zu neuen Hortfunden, aber vielleicht noch bedeutsamer sind die tausenden von Einzelmünzen, die entdeckt werden. Die meisten gingen wohl einst aus Versehen verloren. Vor der Erfindung von Metalldetektoren war diese Art Fund verhältnismäßig selten, doch mittlerweile sind sie sehr häufig. Wir sehen, dass Geld z. B. bei Wikingern und unter mittelalterlichen Bauern sehr viel intensiver umlief, als wir früher gedacht hatten. Dänemark hat die Geschichte des Geldumlaufs in einer Weise dokumentiert, die weltweit ihresgleichen sucht. Die Sparmaßnahmen bedrohen nun auch die grundlegende Fundaufnahme. Und natürlich sollte dieses ganze Material nicht vor den Augen von Betrachtern in irgendwelchen Magazinen weggeschlossen werden! Damit die wissenschaftliche Forschung diese Objekte berücksichtigen kann, muss es möglich sein, diese einzigartigen Stücke zu untersuchen und zu dokumentieren!

Die Königliche Münz- und Medaillensammlung ist darüber hinaus eines der renommiertesten Münzkabinetts der Welt, das vor allem für seine herausragende Sammlung griechischer Münzen bekannt ist. Es geht zurück auf die königliche Sammlung, die sich bis ins mittlere 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Bereits 1788 behandelte man es als eigenständige Sammlung mit eigenen Kuratoren und in eigenen Räumlichkeiten. Im Verlauf des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts unternahm man große Anstrengungen, um eine systematische Sammlung von Münzen und Zahlungsmitteln von überall auf der Welt und aus allen Zeiten aufzubauen, wenngleich der Fokus auf nationalen Serien lag. In jüngerer Zeit verschob sich der Schwerpunkt hin zur Registrierung von Funden sowie zur Forschung auf dem Gebiet der Geschichte des Geldes, der Wirtschaft und der Sozial- und Kulturgeschichte.

Ursula Kampmann kam 2015 nach Kopenhagen, wo sie auch das Münzkabinett und die städtischen Museen besuchte.

Das ist die Seite des Nationalmuseums.

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