Frankfurt und Hessen im monetären mittelalterlichen Transit

1. November 2018 – Die Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte (GIG) und die Frankfurter Numismatische Gesellschaft (FNG) laden zu einem öffentlichen Symposium ein. Die Veranstaltung mit dem Titel „Frankfurt und Hessen im monetären mittelalterlichen Transit“ findet vom 16. bis 18. November 2018 im Historischen Museum Frankfurt statt.

Pfennig mit der Darstellung der Kaiserin Beatrix, geprägt wahrscheinlich in Gelnhausen, nach 1170.

Pfennig mit der Darstellung der Kaiserin Beatrix, geprägt wahrscheinlich in Gelnhausen, nach 1170.

Frankfurt und das Rhein-Mainische Umland im Besonderen, aber auch das Territorium des heutigen Bundeslandes Hessen, nehmen vom Mittelalter bis zur Gegenwart eine herausragende Rolle in einem monetären, wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Zusammenhang in Deutschland und Europa ein. Besondere Impulse entstehen dabei durch die Spannungsbögen sich verändernder Kräfteverhältnisse zwischen Frankfurt mit der Königspfalz, dem erzbischöflichen  Mainz und den aufstrebenden Dynasten in den Städten der Region und in Hessen. Entscheidende Einflüsse auf die deutsche Geld- Wirtschafts- und Währungsgeographie gehen von hier aus. Impulse werden gegeben; auch aufgenommen, Veränderungen unterworfen und weitergereicht. Dabei entstehen in den Münzen der verschiedenen Epochen wiederholt herausragende Kunstwerke der jeweiligen Zeit.

In nachrömischer Zeit bildet sich am Mittelrhein ein merowingischer Prägebereich mit dem Zentrum Mainz heraus. Durch Maßnahmen der jeweiligen Machthaber, deren politische Handlungen, entwickelt sich dann in der Folge im Rhein-Main-Gebiet ein Währungs- und Wirtschaftsraum:
Das Edikt Karls des Großen auf der Synode des Jahres 794 in Frankfurt enthält als einen der wichtigsten Punkte die Grundlagen seiner (karolingischen) Münzreform.
Nach dem Ende der Herrschaft der Kaiser aus sächsischem und salischem Haus bricht Friedrich I. Barbarossa aus dem großen und zusammenhängenden Block des Mainzer Territoriums und Währungsgebiets mit seinen Maßnahmen das damit neu von ihm geschaffene Währungsgebiet der Wetterau mit Frankfurt als Zentrum heraus: mit einer erkennbaren, eigenen, neuen Währung. In der großen Staufer-Ausstellung von 1977 ist dies hervorragend und klar herausgearbeitet worden.

Brakteat Friedrichs I., geprägt in Frankfurt a.M. um 1170. Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Foto: Lutz-Jürgen Lübke (Lübke & Wiedemann).

Brakteat Friedrichs I., geprägt in Frankfurt a.M. um 1170. Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin. Foto: Lutz-Jürgen Lübke (Lübke & Wiedemann).

Hier, in diesem Raum, entstehen die bedeutendsten Meisterleistungen in romanischem Stil: Münzen aus Frankfurt und seinem Umland gehören zu den prachtvollsten der erhaltenen Kunstwerke aus der Blütezeit der Staufer. Einschneidende geistige Veränderungen anzeigend, erscheint hier z.B. zum ersten Mal in staufischer Zeit das Bild der Königin/Kaiserin. 

Bis zum Ende der mittelalterlichen Münzprägung sind von hier weitere entscheidende Impulse ausgegangen: durch die Frankfurter Messen, die seit dem Mittelalter größte Bedeutung und Anziehungskraft hatten, Frankfurt zu einem Leuchtturm auf der europäischen Landkarte machen, durch etliche der wichtigsten Handelsstraßen Europas, die durch diese Region und auch das Territorium des heutigen Bundeslandes Hessen führten und führen. Sie sind Elemente der zentralen Lage, Adern der bedeutenden Rolle des Durchgangslandes. 

Seinen Niederschlag findet der hier stattfindende Transit seitdem und bis heute in monetären, wirtschaftlichen und künstlerischen Auswirkungen europäischer Dimension.

Den Blick auf diese Vorgänge, Zusammenhänge und Räume zu richten, die Einzelerkenntnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte zusammenzufassen, neue Grundlagen zu formulieren und vorzustellen, neue Erkenntnisse anzuregen und zu präsentieren, ist das Ziel dieses Symposiums. 

Der publizierte Forschungsstand ist in vielen Fällen veraltet bzw. eine terra incognita. Dadurch ist in Ermangelung neuer Forschungen in den letzten Jahrzehnten auch immer wieder Veraltetes fortgeschrieben worden. Zu künstlerischen Aspekten gibt es nur vereinzelte, zaghafte Ansätze, die im Zusammenhang des Symposiums bewusst und nachhaltig  weiterentwickelt und gefördert werden sollen.

Partner und Tagungsort ist das Historische Museum Frankfurt; hier und im Münzkabinett des Bode-Museums werden die weltweit bedeutendsten Sammlungen zum Tagungsthema aufbewahrt. 

Das gesamte Programm des Symposiums finden Sie auf der Webseite der GIG sowie des Historischen Museums Frankfurt.

Anmeldungen werden erbeten bis zum 10. November per E-Mail. Dort erhalten Sie auch nähere Auskünfte, Hilfe bei Hotelbuchungen etc. von Monika Cordero.

 

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