Theodore V. Buttrey (1929-2018)

von Ursula Kampmann

25. Januar 2018 - Am 9. Januar 2018 verstarb der Numismatiker Theodore (Ted) V. Buttrey nur 11 Tage nach seinem 88. Geburtstag. Wir verlieren mit ihm einen engagierten Münzbegeisterten, der sich nie in den Elfenbeinturm zurückgezogen hat. Er dürfte wohl der einzige Numismatiker sein, der es mit seinen Forschungen in alle großen amerikanischen Zeitungen geschafft hat, und dessen Fernseh-Serien in über 75 TV-Stationen ausgestrahlt wurden. Weil er daneben ein freundlicher Mensch mit einem großen Herzen für junge Forscher und Forscherinnen war, hat er viele heute tätige Numismatiker nachhaltig geprägt.

Ted Buttrey an seiner letzten Wirkungsstätte: Dem Münzkabinett des Fitzwilliam Museum in Cambridge. Foto: UK.

Ted Buttrey an seiner letzten Wirkungsstätte: Dem Münzkabinett des Fitzwilliam Museum in Cambridge. Foto: UK.

Ted Buttrey und das erste Sommerseminar der ANS

Geboren wurde Theodore V. Buttrey am 29. Dezember 1929 in Havre, Montana, mit – wie man in Deutschland sagen würde – einem Silberlöffel im Mund. Sein Großvater Frank A. Buttrey hatte mit seiner Warenhauskette „Buttrey Food and Drug“ ein kleines Familienimperium aufgebaut. Trotzdem studierte Ted Buttrey das, wofür er von früh auf eine Leidenschaft in sich fühlte: 1946 machte er mit magna cum laude seinen Abschluss in Altertumswissenschaften an der Phillips Exeter Academy. Danach ging er nach Princeton. 1952 nahm er am ersten numismatischen Sommer Seminar statt, mit dem die ANS mittlerweile seit mehr als einem halben Jahrhundert immer wieder junge Menschen für die Numismatik begeistern kann. Auch Ted Buttrey gehörte zu ihnen. Er promovierte 1953 mit seiner Dissertation „Studies in the Coinage of Mark Anthony“, die in einer gekürzten Fassung in den ANS Museum Notes von 1954 publiziert wurde.

Akademische Karriere

Nach seinem Studienabschluss ging Ted nach Yale, wo er nicht nur im universitären Lehrbetrieb aufstieg, sondern zwischen 1962 und 1964 die numismatische Sammlung betreute. 1964 wechselte er an die University of Michigan in Ann Arbor, wo er 1967 zum ordentlichen Professor aufstieg und von 1969 bis 1971 als Direktor des Kelsey Museum of Archaeology tätig war.

Akademische Interessen

Ted Buttrey publizierte mehr als 100 Bücher und Artikel. Sein Hauptinteresse galt der Antike. Seine erste umfangreiche Monographie widmete er dem „Triumviral Portrait Gold of the Quattuorviri Monetales of 42 B. C.“. Bekannt dürfte er vor allem durch den 2007 neu aufgearbeiteten 2. Band des RIC sein, in dem er zusammen mit Ian Carradice die Münzprägung der Flavier katalogisierte.
Buttrey arbeitete auf zahlreichen Ausgrabungen und publizierte unter anderem die Fundmünzen von Sardes und Morgantina.
Daneben war Buttrey ein großer Kenner der mexikanischen Münzprägung, so publizierte er 1969 das bei Krause Publications erschienene „Guidebook of Mexican Coins“.

Der Akademiker und seine größte Debatte

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Ted Buttrey bekannt, als er mexikanische Goldbarren für falsch erklärte, die 1966 als Teil der umfangreichen Sammlung von Josiah K. Lilly Jr. im Austausch gegen hohe Steuererleichterungen der Smithonian Instiution geschenkt worden waren. Ihr Wert belief sich um die Jahrtausendwende auf rund 75 Mio. $, so die Stücke denn echt gewesen wäre. Denn Buttrey konnte akademisch korrekt nachweisen, dass die Gegenstempel, die auf den ungewöhnlicherweise datierten Barren zu sehen waren, nicht zum angegebenen Datum passten.
Leider beschränkte sich diese Debatte nicht auf einen akademischen Streit um die Wahrheit. Buttrey beschuldigte die am Verkauf beteiligten Händler öffentlich, ihren Kunden wissentlich betrogen zu haben. Diese beantworteten seine Anschuldigung mit einer Anklage wegen Verleumdung, bei der der Streitwert auf 6 Mio. $ festgelegt wurde. Die Namen aller Beteiligten erschienen nicht nur in der numismatischen Fachpresse; viele amerikanische Tagesmedien griffen den spektakulären Streit auf.
Buttrey wurde zwar von allen Anschuldigungen frei gesprochen und die Barren aus der Ausstellung des Smithonian entfernt, aber der unversöhnliche Ton dieser Debatte hatte die amerikanische Münzwelt nachhaltig gespalten.

Auch Theodore Buttrey gehörte zu den Lesern der MünzenWoche. Wir trafen ihn zuletzt 2015 im Rahmen des Internationalen Numismatischen Kongresses in Taormina. Er posierte für die Fotowand der MünzenWoche hier zusammen mit Lucia Travaini. Foto: Björn Schöpe.

Auch Theodore Buttrey gehörte zu den Lesern der MünzenWoche. Wir trafen ihn zuletzt 2015 im Rahmen des Internationalen Numismatischen Kongresses in Taormina. Er posierte für die Fotowand der MünzenWoche hier zusammen mit Lucia Travaini. Foto: Björn Schöpe.

Buttrey als Fernsehstar

Theodore Buttrey wusste, wie man die Öffentlichkeit für ein wissenschaftliches Thema interessieren kann. Diese Fähigkeit nutzte er in Zusammenarbeit mit dem Television Center der University of Michigan dazu, zahlreiche TV-Serien über vor allem antike Themen zu drehen. Dazu gehörten unter anderem 10 halbstündige Folgen über die Ilias, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Ein Teil der Produktionen wurde von über 75 TV-Stationen ausgestrahlt.

Buttrey in Cambridge

Nach seiner Emeritierung im Jahr 1985 verlegte Ted Buttrey seinen Lebensmittelpunkt nach Cambridge. Dort arbeitete er von 1988 bis 1991 als Kurator am Fitzwilliam Museum. Seit 2008 bekleidete er diese Position ehrenamtlich. In dieser Funktion baute er unter anderem die weltweit wohl größte Sammlung von Auktionskatalogen auf.
Die Autorin dieses Nachrufes durfte ihn an dieser Wirkungsstätte persönlich treffen. Stolz zeigte er ihr nicht nur die umfangreiche Bibliothek von Auktionskatalogen, sondern auch die Adressliste des Netzwerks, das er aufgebaut hatte, um die bei seiner Arbeit anfallenden Dubletten an andere wissenschaftliche Institutionen abzugeben. Die riesige Menge von Paketen mit Katalogen, die er im Rahmen dieses Austauschs verschickte, packte der renommierte Wissenschaftler alle höchstpersönlich und zahlte zumeist noch das Porto aus der eigenen Tasche.
Seine Bescheidenheit und sein ungebrochenes Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit des anderen haben mich tief beeindruckt. Im Gespräch wirkte er so lange wie ein heiß geliebter Großvater, der einem eifrigen Enkel aufmerksam zuhört, bis er auf einen Denkfehler in der Argumentation stieß. Dann konnte er nicht anders: Er musste den Denkfehler mit klaren Worten entlarven.

Ted Buttrey hinterlässt vier Kinder aus seiner ersten Ehe und seine dritte Frau, die er noch im Oktober 2017 geheiratet hat. Wir trauern mit ihnen um einen Mann, der nicht nur die Numismatik, sondern auch die Menschen geliebt hat.

Ich durfte Ted Buttrey 2011 bei meinem Besuch des Fitzwilliam Museums erstmals begegnen. Wenn Sie sich die letzte Wirkungsstätte von ihm ansehen wollen, klicken Sie hier.

2012 berichtete die MünzenWoche darüber, dass Ted Buttrey die Wolfgang Hahn-Medaille des Wiener Instituts für Numismatik und Geldgeschichte verliehen erhielt. Den Beitrag lesen Sie hier.

Den ausführlichen Artikel der New York Times über die Goldbarrendebatte lesen Sie hier.

Theodore Buttrey war immer ein scharfer Denker, der gerne jahrhundertealte Vorurteile mit frischem Geist überprüfte und wiederlegte, so auch in seinem Artikel über die als Bordellmarken verleumdeten Spintrien, der als Grundlage für diesen Artikel diente.

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