Der Schatz von der Rue Mouffetard

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Tausende von Touristen schlendern Tag für Tag durch die Rue Mouffetard, die „Freßgasse“ von Paris. Zwischen duftendem Käse und riesigen Rinderschlegeln kommen die wenigsten von ihnen auf den Gedanken, daß einer der spektakulärsten Münzschätze des 18. Jahrhunderts im Haus Nr. 51-53 gefunden wurde.

Der Markt in der Rue Mouffetard auf einem Foto aus dem Jahr 1896.

Als man diesen Bau im Jahre 1938 abriß stieß man auf einen Hort von 3.210 Louis d’or, dazu 258 doppelte und 87 halbe Louis d’or, alles geprägt unter Ludwig XV. An und für sich, so möchte man meinen, nichts Besonderes. Hortfunde aus der Neuzeit mögen ja noch für den Geldumlauf von Interesse sein, aber für die Numismatik bringen sie keinerlei neue Erkenntnisse. Dieser Schatz allerdings wies eine Besonderheit auf: Einige der Münzen waren in ein Testament eingewickelt!
Der Verfasser des Testaments war eine auch archivalisch gut faßbare Persönlichkeit, ein Mann namens Louis Nivelle, der in den Augen der Welt als ein angesehener Bürger lebte und als Gerichtsdiener der Palastkanzlei arbeitete. Damals war das ein geachteter und höchst einträglicher Posten. Privat sah die Angelegenheit allerdings ganz anders aus, denn Louis Nivelle war Jansenist, Anhänger einer von dem Niederländer Cornelius Jansen (1585-1638) gegründeten Sekte.

Cornelius Jansen (1585-1638).

Jansen gehörte in die protestantisch-kalvinistische Bewegung. Er plädierte für eine Verinnerlichung der Frömmigkeit und eine strenge Moral unter seinen Anhängern. Seine Erzfeinde waren die Jesuiten, denen er ihre Papsthörigkeit vorwarf. Ziel der Jansenisten war es, die Zentralgewalt des Papstes durch einen Machtzuwachs für die lokalen Bischöfe zu schwächen, ein Unterfangen, das die katholische Amtskirche natürlich nicht dulden wollte. Es kam zu einer Verurteilungen der Jansenistischen Lehren in zwei Bullen, eine „Vineam domini“ erlassen im Jahr 1705, eine weitere „Unigenitus“ im Jahre 1713. Ludwig XIV. (1643-1715), bekannt unter anderem durch seine Hugenottenvertreibung, verfolgte auch die Jansenisten. Dies änderte sich auch unter seinem Nachfolger Ludwig XV. (1715-1774) nicht.
Louis Nivelle blieb in diesem Klima der Angst und Verdächtigungen seiner protestantischen Religion treu. Aber er baute sich ein Doppelleben auf. Neben seinem Stadthaus in der rue de la Coutellerie besaß er in der rue Mouffetard eine kleine Wohnung. Er starb im Oktober des Jahres 1757. Einzige Erbin seines Vermögens war seine Tochter, doch die fand den Schatz, den ihr der Vater hinterlassen hatte, nie. Es sollte fast 300 Jahre dauern, bis die aus Angst in einem der Familie unbekannten Haus verborgenen Goldmünzen wieder ans Tageslicht kamen.

Louis d’or „aux lunettes“. Paris 1736. Aus Auktion Bourgey, Paris 13. Juni 2005, 157.

Interessant ist die juristische Seite des Fundes. Denn da dieser Hortfund ausnahmsweise nicht namenlos blieb, sondern testamentarisch festgelegt den Erben von Louis Nivelle eindeutig zustand, machte der Staat insgesamt 83 Nachkommen von Nivelle ausfindig. Unter ihnen wurde der Erlös aufgeteilt, den eine Auktion der 3.555 Münzen erbrachte.

Louis d’or. Lille 1746. Aus Auktion Bourgey, Paris 13. Juni 2005, 162.

Alle Münzen wurden mit einem Zertifikat verkauft, das die Herkunft auch für einen zukünftigen Besitzer eindeutig fixiert.
Also denken Sie daran: wenn Sie einen Schatz verstecken, dann versehen Sie ihn eindeutig mit Ihrem Namen und Ihrer Anschrift. Ihre Nachkommen in 300 Jahren werden es Ihnen danken, wenn der Privatbesitz nicht von staatlicher Seite eingezogen wird, sondern unter Ihren Erben verteilt wird.

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