Der Schneckentaler aus Zug

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Michael als der Seelenwäger ist ein beliebtes Thema vor allem auf Kirchenportalen, die dem Jüngsten Gericht gewidmet sind. Er ist und bleibt die ewige Garantie des verängstigten Gläubigen auf die göttliche Gerechtigkeit: Sieht man sich die Waage genau an, so sitzt in der rechten, der richtigen Waagschale eine fromme Seele, die Hände im Gebet erhoben. Auf der linken, der schlechten, der teuflischen Seite liegt der Mühlstein der schlechten Taten. Doch damit noch nicht genug, ein kleiner Teufel versucht die Waagschale noch zusätzlich zu beschweren und nach unten zu ziehen. Er hat keine Chance, mit dem Schwert wacht Michael darüber, dass keine Seele ungerechtfertigterweise „gewogen und zu leicht befunden“ werde.

ZUG. Sogenannter „Schneckentaler“ (28,36 g) 1565 von Jakob Stampfer. MONETA NO CANTONIS TVGIENSIS 65 Zwei Löwen halten den bekrönten kaiserlichen Schild über die zwei Schilde von Zug. Rv. CVM HIS QVI ODERT PACE ERAM PACIFICVS (= Mit denen, die den Frieden hassen, war ich friedlich). St. Michael von vorne hält ein Schwert und die Waage, zwischen seinen Beinen eine Schnecke. (Wiel. 2; Cor. pl. XX, 8; Divo 67; Dav. 8769). Copyright Sturzenegger Stiftung / Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.

Der Zuger Taler hat seinen Namen nach der ungewöhnlichen kleinen Schnecke, die zwischen den Beinen des Erzengels zu finden ist. Sie könnte ein Zeichen sein für einen mittelalterlichen Horror Vacui des Stempelschneiders, die Angst irgendwelche Flächen leer zu lassen. Gleichzeitig ist sie aber auch eine Chiffre, die ein Analphabet des 16. Jahrhunderts leicht hätte lesen können, deren Bedeutung wir uns heute erst wieder mühsam über ikonographische Lexika erschließen müssen. Die Schnecke steht hier als Symbol der Auferstehung. Auf Grund der Form ihres Gehäuses, das dem spiralig geformten Uterus vieler Tiere ähnlich ist, galt sie nicht nur als Symbol für die Liebe, sondern auch für Geburt und Wiedergeburt. Noch in karolingischer Zeit begegnet sie gelegentlich als Grabbeigabe. Der dürre Baum im Hintergrund könnte auf den Tod selbst hinweisen.

Zug ließ die Stempel für diesen Taler von einem zur damaligen Zeit sehr bekannten Stempelschneider herstellen, von Jakob Stampfer. Dies, sowie das für Zug ungewöhnliche Nominal weisen darauf hin, dass eine Repräsentationsprägung beabsichtigt war. Zeitlich befinden wir uns mit dieser Prägung auf dem Höhepunkt der konfessionellen Auseinandersetzungen der schweizerischen Kantone. Zug schloss im selben Jahr zusammen mit den vier anderen katholischen Orten ein Bündnis mit Papst Pius IV., das gegenseitige Unterstützung im Falle eines Angriffs der reformierten Orte garantierte. Was lag also näher, als auch in der Münzprägung in Erinnerung zu rufen, dass jeder Mensch nach seinem Tod für seine Taten einzustehen haben wird.

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