Banner Künker Onlineshop-de

Die Geldgeschichte der USA. Teil 1: Eine kriegerische Zeit

[bsa_pro_ad_space id=4]

Die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika war alles andere als friedlich. Damit die Nation, so wie wir sie heute kennen, entstehen konnte, waren zwei große Kriege notwendig: Der Amerikanisch-Mexikanische Krieg und der Amerikanische Bürgerkrieg.

Woher das Dollarzeichen kommt

Portugal. 2,50 Escudo 1985. Foto: Julo.

Die bis heute gängigste Erklärung für die Herkunft des Dollarzeichens $ ist folgende: Das Zeichen $ sei aus der Zusammenziehung von „Pieces of eight“ entstanden, das sich über einige Zwischenstufen zu P8 und schließlich zu $ entwickelt habe. Eine andere Theorie spricht vom Ineinanderschieben der Buchstaben U und S von „United States“. Vertreter der Säulentheorie denken, das Zeichen $ komme vom Münzbild des Säulenpiasters, auf dem die zwei Säulen des Herakles (Herkules) dargestellt sind, die seit der Antike die Felsen von Gibraltar repräsentieren. Die neuste Forschung schließlich geht dahin: $ habe sich aus dem Cifrão entwickelt, einem Zeichen, das im Portugiesischen benutzt wird, um Geldbeträge in Escudos und Centavos zu unterscheiden – 2 $50 bedeutet demnach „2 Escudo und 50 Centavo“.

Bolivien. Ferdinand VII., 1808-1824. 8 Reales 1820, Potosi. Aus Auktion Künker 42 (2016), Nr. 1021.

Der Ursprung des Dollarzeichens ist also umstritten. Klar hingegen ist, dass der Dollar selber auf den spanischen Peso de a ocho zurückgeht – auf jene Münze, die in den spanischen Kolonien im Laufe des 18. Jahrhunderts in riesigen Mengen geprägt wird. Ein großer Teil dieser so genannten Pillar Dollars läuft auf dem amerikanischen Kontinent um, wo die sich entwickelnde Wirtschaft immer mehr Geldmittel erfordert. Der Name „Pillar Dollar“ bedeutet nichts anderes als „Säulen-Taler“ und bezieht sich natürlich auf das Münzbild. Der Begriff „Dollar“ geht also auf das deutsche Wort „Taler“ zurück, während die Münze selber ein Nachkomme des spanischen Peso ist.

Eine nationale Währung

USA. 10 Dollars 1850. Aus Auktion Künker 151 (2009), Nr. 4585.

Nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) steht der Kongress der Vereinigten Staaten vor der Aufgabe, eine nationale Währung zu schaffen. Bis dahin hat man in Amerika wie gesagt überwiegend mit spanischem und mexikanischem Silbergeld gehandelt – oder aber mit Papiergeld, das die einzelnen Kolonien schon seit Ende des 17. Jahrhunderts ausgeben. Allerdings gilt dieses Papiergeld jeweils nur innerhalb der betreffenden Kolonie, es dient also nur dem regionalen Verkehr.

Nach längeren Beratungen entschließt sich der Kongress, den Peso unter dem Namen „Dollar“ als Basismünze zu wählen. In Gold sollen so genannte Eagles (Adler) zu 10 Dollar geprägt werden, daneben Teilwerte zu 5 und 2,5 Dollar – die Half und Quarter Eagles. Aus Silber soll es neben dem Dollar Half und Quarter Dollars sowie Dismes und Half Dismes geben. Dazu kommen Cents aus Kupfer und, als kleinste Münzen, Half Cents, von denen 200 auf einen Dollar gehen. Bis auf diese Ausnahme beruht die neue amerikanische Währung auf dem Dezimalsystem. Der Peso selbst bleibt weiterhin als legales Zahlungsmittel in Umlauf.

 

USA. Half Cent 1835, Kupfer. Aus Auktion Künker 293 (2017), Nr. 2396.

 

Obwohl Münzen im Wert von einem halben Cent während langer Zeit geprägt werden, sind sie eine ziemlich ungeliebte Denomination. Ein Half Cent hat um 1800 zwar einiges an Kaufkraft, denn damals ist ein Dollar noch ein beachtlicher Betrag. Dennoch haftet dem Half Cent der Geruch der Armut an: Er wird mit Bedürftigkeit assoziiert und gilt als „Arme-Leute-Münze“.

Zu reden gibt im Kongress das Münzbild der Kupfermünzen – heftig diskutiert man die Frage, ob die kleinen Nominale das Bild des Präsidenten auf ihrer Vorderseite tragen sollen oder eine Personifikation der Freiheit. Man entscheidet sich schließlich für die Freiheit – die Liberty als Sinnbild der Republik. Dies in bewusstem Gegensatz zu der Darstellung des Königsporträts auf Geprägen von Monarchien.

 

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht von Cerro Gordo 1847.

 

Der Amerikanisch-Mexikanische Krieg

Es begibt sich im Jahre 1812, zu einer Zeit, als Mexiko noch Neu-Spanien heißt, dass der spanische Gesandte Luis de Onís seinem Vizekönig über ein merkwürdiges Angebot berichtet. Die Regierung der USA habe ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass sie alle Gebiete Neu-Spaniens nördlich des Rio Grande bis hin zum Pazifik zu erwerben beabsichtige. Und tatsächlich machen die USA in den folgenden Jahren zunächst Spanien und danach dem unabhängig gewordenen Mexiko Kaufangebote für seine „Nordgebiete“ – die heutigen Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Nevada, Utah, New Mexico, Texas sowie Teile von Colorado und Wyoming. Doch sowohl Spanien als auch Mexiko lehnen alle diesbezüglichen Nachfragen entschieden ab.

In den folgenden Jahren verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Mexiko und den USA ständig; im Jahre 1845 schließlich liegt Krieg in der Luft. 1836 hat Texas seine Unabhängigkeit von Mexiko erklärt und votiert nun – nach massiver Einflussnahme der USA – für eine Annexion durch die Vereinigten Staaten. Im April 1846 werden die USA aktiv: Eine US-Armee besetzt mexikanisches Siedlungsgebiet in Texas, das inzwischen als US-Staat „aufgenommen“ worden ist. Einige Tage später fallen die ersten Schüsse gegen amerikanische Soldaten, woraufhin die US-Regierung unter Präsident James Knox Polk (1845–1849) Mexiko den Krieg erklärt.

Der Amerikanisch-Mexikanische Krieg endet 1848 mit einem Sieg für die USA. Mexiko muss auf alle Ländereien nördlich des Rio Grande verzichten und erhält für das Gebiet in der Größe von 1,2 Millionen Quadratmeilen einen Betrag von 15 Millionen Dollar als Entschädigung. Damit verringert sich das mexikanische Staatsgebiet um fast die Hälfte, das nordamerikanische Territorium erreicht im Wesentlichen seine heutige Form – und die Machtverhältnisse auf dem amerikanischen Kontinent verschieben sich entscheidend: Die USA werden zur Weltmacht zwischen zwei Weltmeeren und reklamieren die Begriffe „Amerika“ und „amerikanisch“ fortan für sich.

USA. Private Prägung der Firma Moffat & Co. aus kalifornischem Gold. 50 Dollar 1851, San Francisco. Aus Auktion Giessener Münzhandlung 250 (2017), Nr. 3484.

Warum es rentierte, dass die USA mit Mexiko einen Krieg führte

Ende der 1840er-Jahre werden in Kalifornien, das durch den Amerikanisch-Mexikanischen Krieg an die Vereinigten Staaten gekommen war, riesige Goldfelder entdeckt. In den folgenden Jahren wird hier Gold im Wert von 600 Millionen Dollar gefördert – Gold, das in den Handel gelangt und verbraucht werden muss. In der Folge schafft der US-Kongress zu den bereits bestehenden Goldmünzen – dem Eagle und seinen Teilwerten – drei neue: den Golddollar, ein Stück zu 3 Dollar, und den Double Eagle im Wert von 20 Dollar.

Das erste goldene 1-Dollar-Stück

USA 1 Dollar 1849, Philadelphia. Aus Auktion Sincona 54 (2019), Nr. 1267

Der erste goldene Dollar stammt aus dem Jahre 1849 und ist eine winzig kleine Münze von nur gerade 13 Millimeter Durchmesser und einem Gewicht von nicht einmal 2 Gramm – die kleinste Münze, die in den USA jemals in Umlauf gelangte. Und genau darüber sind die Amerikanerinnen und Amerikaner gar nicht erfreut: So kleine Münzen gehen leicht verloren, und schließlich ist ein Dollar um die Mitte des 19. Jahrhunderts immer noch eine ganze Menge wert – für viele Arbeiterinnen und Arbeiter bedeutet er mehr als einen Tageslohn.

Anders als bei den Kupfermünzen ist sich der Kongress bei Silber und Gold aber immerhin von Anfang an über das Münzbild einig: Auf der Vorderseite ist ein Emblem der Freiheit zu zeigen und auf der Rückseite ein Adler – ein Rückgriff auf die Antike. Bei den Römern gilt der Adler als Symbol höchster weltlicher Macht und entsprechend ziert er die Feldzeichen der römischen Legionen. Auf den winzigen ersten Golddollars allerdings ist der Platz für einen eindrucksvollen Adler zu knapp – man beschränkt sich auf eine schlichte Wertangabe. Die Vorderseite jedoch zeigt weisungsgemäß Miss Liberty, umgeben von 13 Sternen, die für die 13 Gründungsstaaten der USA stehen.

 

USA. 1 Dime (10 Cent) 1861, Philadelphia. Aus Auktion Künker eLive 51 (2018), 563.

 

Eine Frage des Kleingelds

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts herrscht in den USA ein drückender Mangel an Kleingeld. Zwar prägt man verschiedenste Kleinmünzen: Neben dem Cent und dem Half Cent gibt es in Silber Halb- und Viertelstücke des Dollars, dazu Dimes und Half Dimes. Der Name „Dime“ ist eine Vereinfachung des ursprünglichen Namens „Disme“ und stammt vom französischen „décime“, dem Zehntel. In einer mangelnden Münzprägung hat der Kleingeldmangel also nicht seinen Ursprung – die amerikanischen Münzen haben ein anderes Problem: sie sind zu gut! Sie enthalten zu viel Edelmetall und wandern deshalb sofort ins Ausland ab; dort werden sie eingeschmolzen und ihr Silber zu einem höheren Preis verkauft. In Nordamerika selbst bleiben nur die abgenütztesten spanischen Pesos in Umlauf. Die Prägung der Dollarmünze hat man bereits 1806 eingestellt. Wozu auch eine Münze prägen, die ohnehin sofort aus dem Verkehr verschwindet?

Im Jahre 1853 beschließt der US-Kongress, diesem Kleingeldmangel mittels einer Münzreform endgültig ein Ende zu setzen. Der Silbergehalt in den Münzen wird gesenkt, sodass aus den Silbermünzen Scheidemünzen werden – was heißt, dass der Wert des enthaltenen Metalls in ihnen geringer ist als der Nominalwert der Münzen selbst. Zum vollen Wert laufen weiterhin die Goldmünzen um, sodass in den USA die Goldwährung herrscht.

 

USA. Quarter Dollar 1853, Philadelphia. Aus Auktion Künker eLive 46 (2017), Nr. 909.

 

Der abgebildete Vierteldollar zeigt auf der Vorderseite Miss Liberty mit der Freiheitsmütze und dem Wappen der Vereinigten Staaten, das wiederum von 13 Sternen für die 13 US-Gründungsstaaten umgeben ist. Auf der Rückseite strotzt ein Adler in voller Pracht. In seinen Klauen hält er einerseits drei Pfeile – sie signalisieren Verteidigungsbereitschaft –, andererseits einen Olivenzweig, der für Frieden steht. Auf der Brust des Adlers prangt ebenfalls das Wappen der USA.

 

USA. 1 Cent 1870, Philadelphia, Kupfer-Nickel. Aus Auktion Künker eLive 53 (2019), Nr. 8531.

 

Die Geldreform von 1853 gibt dem Land einen geordneten Silbermünzumlauf und einige Jahre später nimmt man sich auch dem Problem der Kupfermünzen an. Die haben während dem Silbergeldmangel der vergangenen Jahre noch einmal einen gewissen Aufschwung erlebt, denn Wechselgeld ist im alltäglichen Handel ja unverzichtbar.

Doch im Jahre 1857 wird die Herstellung der kleinen Kupfermünzen zu teuer: Kupfer ist im Wert gestiegen, sodass der Metallwert den Nennwert der Kupfermünzen mittlerweile übersteigt. Die Prägung der Half Cents wird deshalb eingestellt. Der Cent selbst wird kleiner und leichter und besteht fortan aus einem Gemisch aus Kupfer und Nickel.

Die Erschließung des Westens

Als im Jahre 1793 die Unabhängigkeit offiziell anerkannt wird, besitzen die USA ein Gebiet von etwa 2 Millionen Quadratkilometern. 1848, nach dem Ende des Krieges gegen Mexiko, haben die Vereinigten Staaten ihr Territorium auf über 7 Millionen Quadratkilometer erweitert. Die Besiedlung dieses riesigen Landes geht beinahe ebenso schnell vor sich wie sein Erwerb. Zu Beginn der 1850er-Jahre landen jährlich mehr als 400 000 Emigrantinnen und Auswanderer aus Europa in Nordamerika.

Bis in die 70er-Jahre des 18. Jahrhunderts geht die Erschließung des Landesinneren, des Hinterlandes, allerdings nur langsam vor sich. Die Ersten, die ins Hinterland vorstoßen, sind Trapper, Waldläufer, Pelzhändler und Jäger. Dann wird aus dem Hinterland die Frontier, die Siedlungsgrenze. Bezeichnet werden damit Gebiete, in denen weniger als sechs Menschen pro Quadratmeile leben. Dies sind die Squatter – wilde Siedlerinnen und Siedler, die ohne Besitzrecht den Wald roden und Felder anlegen. Kommt dann nach ein paar Jahren die nächste Welle von Kolonisten, ziehen die Squatter mit der Frontier weiter. An ihrer Stelle lassen sich Farmer nieder, gründen Schulen und bauen Kirchen; Händler, Handwerker und Dienstleister siedeln sich an.

Der Sezessionskrieg

Die Schlacht von Fredericksburg am 13. Dezember 1862. Library of Congress LC-USZC4-3365.

Derweil beschäftigt man sich in der hohen US Politik mit der Frage, ob die Sklaverei in den wilden Westen ausgedehnt werden soll. Als im Jahre 1860 mit Abraham Lincoln (1861–1865) ein Gegner der Sklaverei zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird, spalten sich die elf sklavenhaltenden Südstaaten von der Union ab und gründen die Konföderierten Staaten von Amerika. Aus dieser Sezession entwickelt sich ein äußerst blutiger Konflikt, der militärisch wie ein Vorspiel zu den beiden Weltkriegen anmutet: Zum ersten Mal begegnet man hier improvisierten Massenheeren mit all ihren organisatorischen, operativen und psychologischen Problemen. Von der europäischen Kriegswissenschaft werden diese Erfahrungen allerdings kaum beachtet.

Vier lange Jahre führen die Nord- und die Südstaaten einen erbitterten Kampf; mehr als 630.000 Soldaten lassen dabei ihr Leben. Vordergründig kämpft im Amerikanischen Bürgerkrieg – der übrigens ebenso lange dauert wie Lincolns Präsidentschaft – der Süden für seine Unabhängigkeit, der Norden für den Erhalt der Union. In Wirklichkeit jedoch geht es um die Unvereinbarkeit zweier Produktionsmethoden – der Norden ist industrialisiert, und Industrialisierung setzt Mobilität und Freiheit voraus. Die Ökonomie der Südstaaten hingegen beruht auf der Plantagenwirtschaft, und die kann am gewinnbringendsten mit Sklaven betrieben werden. Die Befreiung der Sklaven wird erst 1863 zum Kriegsziel des Nordens – man will auf diese Weise verhindern, dass sich die europäischen Staaten auf Seiten des Südens in den Krieg einmischen.

Im Jahre 1865 zwingt die Union die Konföderierten zur Kapitulation, womit der Bürgerkrieg und die Sklaverei offiziell beendet sind. Der Krieg endet mit dem völligen Zusammenbruch der ökonomisch von Anfang an weit unterlegenen Südstaaten. Vergeblich hat man hier auf die Unterstützung durch Großbritannien und Frankreich gehofft, von denen man glaubte, dass sie auf die amerikanische Baumwolle nicht verzichten könnten. Ein Trugschluss, wie sich gezeigt hat – Europa importiert seine Baumwolle fortan vermehrt aus den Kolonien Indien und Ägypten.

 

Lesen Sie in der nächsten Folge, wie der Sezessionskrieg einen Boom im einen, eine Wirtschaftskrise im anderen Teil der Vereinigten Staaten auslöste.

Bottombanner Künker Onlineshopd-de