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Die Wiener Salvatormedaillen

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Wie schön ist es, jeden Monat sein Gehalt auf dem Konto vorzufinden. Wie neu diese Form der Entlohnung in Form eines vertraglich fixierten Gehalts ist, daran denken die wenigsten. Noch bis weit in die frühe Neuzeit funktionierte die Bezahlung für geleistete Dienste anders. Neben den vereinbarten Zahlungen oder Sachleistungen wurden Geschenke vor allem zum „Guten Neuen Jahr“ verteilt. Auch wenn man diese Gaben als Geschenke bezeichnete, handelte es sich um verpflichtende Leistungen, die erwartet wurden und vor denen man sich als Obrigkeit oder Dienstherr nicht drücken konnte.

Anlässlich der Hochzeit seines Sohnes ließ Karl Wilhelm Friedrich, Markgraf von Brandenburg-Ansbach, auch einen 40fachen Dukaten in einem Gewicht von knapp 140 g prägen. Dies war ein extravagantes Geschenk, das in diesem Gewicht ein Unikum darstellt. Natürlich existierten von dieser Emission leichtere Nominale in Gold und Silber. Aus Auktion Künker 331 (30. Januar 2020), Nr. 195. Taxe: 60.000,- Euro.

Mehrfachdukaten als beliebte Geschenke

Besonders gerne nutzten die Schenkenden Münzen zu diesem Zweck. Ein großer Teil der Mehrfachdukaten und -taler dürfte ausdrücklich geprägt worden sein, um das passende Geschenk parat zu haben. Deshalb existieren auch so viele Sondernominale mit ganz speziellen Rückseiten: Bei Hochzeiten, Geburtstagen und Beerdigungen, bei Krönungen und Regierungsjubiläen erhielt nicht nur der Feiernde ein Geschenk. Auch die zum Fest Angereisten erwarteten eine Gegengabe und das genauso wie die Untergebenen des Feiernden.

Sie alle wurden je nach Status bedacht, wobei Sondernominale den Vorteil boten, dass der Schenkende den Umfang des Geschenks genau dosieren konnte: Wem wollte er einen zwölffachen, wem einen zehnfachen, wem einen fünffachen und wem einen doppelten Dukat geben? Wer erhielt sein Geschenk in Gold? Wer in Silber?

Salvatormedaille zu 8 Dukaten o. J. (nach 1616), unsigniert. Sehr selten. Aus Auktion Künker 331 (30. Januar 2020), Nr. 753. Vorzüglich. Taxe: 10.000,- Euro

Neujahrsgaben in Wien

Auch in Wien übergab die Stadtgemeinschaft ihren wichtigsten Amtsträgern jedes Jahr zum „Guten Neuen Jahr“ ein passendes Geschenk. Das konnte durchaus Geld sein, aber auch kostbare Gefäße aus Silber, Gewürze und verderbliche Nahrungsmittel wie Fische oder Fleisch kamen zum Einsatz. Solche Geschenke zusammenzustellen war aufwändig und finanziell kostspielig. Außerdem war durch die unterschiedlichen Gaben die Gelegenheit zu Eifersüchteleien groß.

Deshalb beschloss der Innere Rat der Stadt Wien am 26. Oktober 1575, von Sachgeschenken auf Münzen umzustellen, und zwar auf speziell zu diesem Anlass geprägte Münzen. Die Salvatormedaille war damit geboren. Wobei das Wort „Medaille“ eine moderne Zuschreibung des 19. Jahrhunderts ist, die mit der frühneuzeitlichen Realität nichts zu tun hat. Die Prägungen mit dem Bild des Christus Salvator waren als Zahlungsmittel gedacht. Deshalb wurden sie im Gewicht eines mehrfachen Gulden resp. Dukaten ausgebracht. Man bezeichnete sie als Salvatordukat oder auch als Salvatorpfennig, wobei das Wort „Pfennig“ nichts anderes als „Münze“ bedeutet.

In seinem Beschluss von 1575 legte der Rat auch fest, wer welche Summe erhalten sollte, nämlich „dass … einem jeden Herrn Stadtanwalt, Herren Bürgermeister und Richter ein goldener Salvator-Pfennig von acht ungarischen Goldgulden mit gemeiner Stadt Wappen, und einem jeden Herrn des Innern Rats durch den Stadtrat gleicherweise ein solcher Pfennig, sechs Dukaten schwer, zum neuen Jahr verehret und zugestellt werden solle.“

Salvatormedaille zu 12 Dukaten o. J. (2. Hälfte 17. Jh.), von M. Pichler und G. Lina. Äußerst selten. Aus Auktion Künker 331 (30. Januar 2020), Nr. 754. Gutes vorzüglich. Taxe: 12.500,- Euro

Warum ausgerechnet Christus Salvator?

Die ältesten Salvatormedaillen zeigen auf einer Seite die beiden Wappen von Wien. Die Aufschrift lautet MVNus Rei Publicae VIENNensis, also Gabe der Republik von Wien. Auf der anderen Seite ist Christus Salvator abgebildet.

Unter Christus Salvator Mundi versteht die Kunstgeschichte einen ganz bestimmten Typ eines meist in Form einer Statue widergegebenen Christus. Als „Retter der Welt“ (= Salvator mundi) trägt er den Nimbus, hat die rechte Hand im Segensgestus erhoben und hält in der linken Hand den Weltenball. Warum aber ist ausgerechnet dieser Typus auf den Wiener Salvatormedaillen abgebildet?

Dies hat eine lange Vorgeschichte, die uns bis ins 14. Jahrhunderts zurückführt. Friedrich I. der Schöne beschlagnahmte den Wiener Palast der adligen Familie der Haimonen. Er übergab die stattlichen Gebäude, die auch eine der Maria geweihte Kapelle enthielten, dem Stadtrat von Wien, der sie spätestens ab 1342 als Rathaus verwendete. Leider hörten die einfachen Menschen Jahrhunderte lang nicht auf, die darin befindliche Kirche als St. Ottenhaim zu bezeichnen. In diesem erfundenen Heiligen lebten die Stifter der Kapelle, Otto und Haimo, weiter, sehr zum Unwillen der Obrigkeit.

Es brauchte eine päpstliche Bulle, die am 28. Mai 1515 erteilt wurde, um den Kult des hl. Ottenhaim ganz offiziell durch eine Weihung an Christus Salvator und die Jungfrau Maria zu ersetzen. Maria wählte man, weil damals fast alle Stadtkirchen der Gottesmutter geweiht waren, den Christus Salvator, weil sein hölzernes Standbild bereits den Hochaltar schmückte.

Nun war die Ratskapelle ein wichtiger Ort für die bürgerliche Identität. Hier fanden viele Zeremonien statt: So musste zum Beispiel jeder, der das Wiener Bürgerrecht erwerben wollte, vor dem Hauptaltar mit dem Bild des Christus Salvator öffentlich das katholische Glaubensbekenntnis beten, um klarzustellen, dass er die wichtigsten Voraussetzungen für den Erhalt des Wiener Bürgerrechts erfüllte, nämlich katholisch zu sein.

Welche bessere Abbildung hätte es also für eine Gabe an die Stadtväter gegeben, als den Hauptheiligen ihrer Rathauskapelle, wo sie alle ihre Schwüre geleistet hatten und die wichtigsten Zeremonien stattfanden?

Salvatormedaille zu 24 Dukaten o. J. (nach 1843), von K. Lange. Sehr selten. Das seltenste und größte Nominal der Salvatormedaillen des 19. Jahrhunderts. Aus Auktion Künker 331 (30. Januar 2020), Nr. 756. Gutes vorzüglich. Taxe: 6.000,- Euro

Von der Ehrengabe zur Ehrung

1663 verschwanden die Stadtwappen von der Ehrengabe und wurden ersetzt durch eine Stadtansicht. Diese findet sich auch auf den wohl bekanntesten Salvatormedaillen, die mit dem 1843 von Kurt Lange geschaffenen Stempel geprägt wurden.

Zu diesem Zeitpunkt ist es allerdings korrekt von einer Medaille zu sprechen. Die Goldprägung wurde nämlich nicht mehr als ein zum Lohn gehörendes Geschenk verteilt. Seit Joseph II. hatte sie den Charakter einer Ehrung, die von der Stadt Wien in den Abstufungen einfach, groß und doppelt groß verliehen wurde. Viele erhielten die Salvatormedaille. Der Stadtrat ehrte mit ihr Musiker und Schauspieler, Wissenschaftler und Politiker, Kolonialwarenhändler und Fabrikanten, kurz all die kleinen und großen Honoratioren von Wien.

Was für eine wichtige Rolle die Salvatormedaille im städtischen Leben spielte, davon gibt ein Artikel der Wiener-Moden-Zeitung von 1842 ein lebendiges Bild. Er berichtet von den Feierlichkeiten, die die Stadt Wien für all die abhielt, die am Abriss und Neubau des Turms der Stephanskirche beteiligt gewesen waren. Alt-Bürgermeister und Regierungsrat Ignaz Czapka ließ es sich nicht nehmen, jeden einzelnen in seiner Rede zu nennen und ihn besonders zu ehren: Durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts, aber auch durch die Goldene Salvatormedaille, und zwar sowohl die große als auch die kleine. Besonders aber rühmte der Redner zu Ende seines Vortrags den Polier (= Aufseher der Bauarbeiten) Höller, „der durch persönliche Aufopferung bei jedem Wechsel der Witterung seine schwierigen Verpflichtungen zur Zufriedenheit seines Herrn erfüllt und dadurch dem vorgesetzten Zwecke förderlich nachgestrebt hat.“ Der einfache Handwerker erhielt die silberne Salvatormedaille sowie 10 Dukaten als Belohnung.

Der Bericht endet: „Gewiss ging jeder mit der inneren Überzeugung hinweg, dass, wo dem Verdienste eine so warme Anerkennung gezollt wird, wo eine weise Stadtbehörde … den Moment der Vollendung auch zum Moment der Belohnung werden lässt, stets das Schöne und Gute wachsen und gedeihen und sich wuchernd ausbreiten müsse zur Bestätigung der alten Devise: Aller Ehren ist Österreich Voll!“

Wie man sieht, ist die Salvatormedaille ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie eng Münze und Medaille in der frühen Neuzeit miteinander verbunden waren. Sie ist darüber hinaus durch ihren Bedeutungswandel ein Zeugnis dafür, dass jedes numismatische Objekt aus der Zeit seines Entstehens und seiner Verwendung verstanden werden muss.

 

Hier finden Sie einen ausführlichen Auktionsvorbericht zu Künkers Auktion 331.

Den Katalog können Sie online auf der Künker-Seite einsehen.

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