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Die Zürcher und ihr Geld 1: Ein erster Kontakt der Kelten mit griechischem Geld

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mit freundlicher Genehmigung des MoneyMuseum

In unserer Serie „Die Zürcher und ihr Geld“ nehmen wir Sie mit in die Welt des vergangenen Zürich. In der ersten Folge belauschen wir einen keltischen Bauer, der Mitte des 3. Jh. v. Chr. mit seiner Ehefrau spricht. Dazu gibt es wie auf einer guten DVD ein Making of, also welcher numismatisch-historische Hintergrund zu diesem Gespräch gehört.

Mitte 3. Jahrhundert v. Chr. Ein keltischer Bauer spricht mit seiner Ehefrau. Gezeichnet von Dani Pelagatti / Atelier bunterhund. Copyright MoneyMuseum / Zürich.

Hausherr: Schau, was der Händler mir für unsere Wolle gegeben hat.

Ehefrau: (ziemlich uninteressiert) Was soll denn das sein?

Das ist eine Münze.

Lass sehen. (Kurze Pause) Und wozu ist die gut?

Sie ist aus Gold.

Also Schmuck. Aber da hat der Schmied ja die Löcher vergessen. Wie soll ich das denn an dein Wams nähen?

Das ist kein Schmuck, das ist Geld.

(genervt) Und was ist Geld?

Kannst du dich noch erinnern, als wir meine Waffen gekauft haben?

Das Schwert, den Speer und den Schild. Oh ja, ich kann mich erinnern. Zehn Schweine mussten wir dem Schmied dafür geben.

Und kannst du dich auch erinnern, dass er die Schweine eigentlich nicht wollte, weil seine eigene Herde zu der Zeit groß genug war. Er wollte Getreide, aber das konnten wir ihm nicht geben. Auch wir hatten eine Missernte gehabt.

Und wie ich mich erinnere!

Und wenn wir jetzt so eine Münze gehabt hätten, dann hätten wir ihm die statt der Schweine gegeben, und er hätte sich Getreide dafür eingetauscht.

Du meinst, dieses Stück Metall funktioniert als Tauschobjekt.

Genau, das hat mir der Händler erzählt. Der kommt von jenseits des Rheins, aus dem Schwarzwald und ist in seiner Jugend weit gereist. Du, der war sogar in Griechenland.

Griechenland, wo ist denn das?

Das ist weit weg. Der Händler ist als junger Mann mit seinem Stamm dorthin gezogen. Sie wollten neues Land finden, wo sie in Frieden siedeln konnten. Aber die Einheimischen waren stärker als sie. Makedonen haben die geheißen. Die haben den Stamm besiegt, die meisten Krieger erschlagen und die wenigen Überlebenden gezwungen, in ihrem makedonischen Heer zu kämpfen.

(erschrocken) Wirklich?

Ja. Die Krieger aus dem Stamm des Händlers haben für diese Makedonen gekämpft. Aber dafür haben sie jeden Monat so eine Münze bekommen. Und mit der konnten sie alles kaufen, was ihre Familien zum Leben gebraucht haben.

Und der Händler war selbst in Makedonien?

Ja, die meisten seiner Leute sind in Makedonien geblieben. Aber er ist heimgekehrt. Und er hat einen ganzen Beutel voll Münzen. Mit denen zahlt er, was er braucht. Ich wollte nämlich eigentlich nichts von seinen Waren haben. Aber er benötigte dringend gute Wolle …

(unterbricht ihn) Und da hat er dir diese Münze angedreht? Dich kann man wirklich leicht übers Ohr hauen. Was tun wir jetzt damit?

Aufheben, irgendwann können wir bestimmt etwas damit bezahlen.

Philipp II. Goldstater, Pella, 340-328. Aus Auktion Künker 216 (2012), 251.

Making of:
In den Jahren zwischen 280 und 277 v. Chr. stürmten keltische Stämme aus dem Westbalkan, Böhmen und Moldavien das reiche Makedonien und Griechenland. Zu ihnen gehörten auch Kelten aus dem Westen, darunter wahrscheinlich eine Gruppe, die ursprünglich in der Gegend des heutigen Schwarzwalds gesiedelt hatte.

Der keltische Einfall fegte anfangs allen Widerstand beiseite. 280 v. Chr. wurde der makedonische König Ptolemaios Keraunos in der Schlacht getötet. 279 v. Chr. das Heiligtum von Delphi erobert und geplündert. Erst danach gelang es den Griechen, eine gemeinsame Verteidigung aufzubauen, mit der sie das keltische Heer vernichtend schlugen. Auch in Makedonien organisierte Antigonos Gonatas, Aspirant auf den makedonischen Königsthron, den Kampf gegen die Eindringlinge. Er besiegte das keltische Heer. Doch statt die Stammeskrieger zu verjagen, nahm er sie in seine Dienste. Schließlich kämpfte er um den makedonischen Thron und brauchte jeden guten Söldner, den er bekommen konnte. Gegen einen Lohn von einem Goldstater pro Monat kämpften die Kelten für ihn, bis ihr Verband 274 v. Chr. von Pyrrhos, einem Konkurrenten des Antigonos Gonatas, vernichtet wurde.

Nur wenige Kelten werden die Schlachten der Jahre zwischen 280 und 274 v. Chr. überlebt haben, und noch weniger traten den weiten Rückweg in ihre Heimat an. Doch einige taten dies. Sie brachten die ersten Münzen in den Westen, auch in das Gebiet der heutigen Schweiz.

Dort konnte man zunächst mit dem neuen Tauschmittel nicht allzu viel anfangen. Die Wirtschaft beruhte auf autarken Bauerngehöften, die sich selbst versorgten. Die wenigen Dinge, die nicht auf dem Hof hergestellt werden konnten, wurden von Wanderhändlern gegen Produktionsüberschüsse eingetauscht. Für Geld bzw. Münzen gab es keine Verwendung. Sie blieben, wie in unserem Hörspiel, vereinzelt und ein Kuriosum, das im täglichen Leben keine Rolle spielte.

Kelten. Helvetier. AV-1/4 Stater, 2. Jh. v. Chr. Aus Auktion Künker 204 (2012), 77.

Dies änderte sich erst im Verlauf des 2. Jahrhunderts. Jüngste Forschungen bringen das Aufkommen einer keltischen Münzprägung, die griechische Vorbilder in Gewicht und Münzbild imitierte, mit einer Bedrohung durch germanische Stämme in Verbindung. Wie die griechischen Herrscher „kauften“ keltische Stämme, die sich durch die Germanen bedroht fühlten, Söldner und bezahlten sie. Dafür prägten sie eigenes Geld, das sich aber in seiner Gestalt stark demjenigen annäherte, das die keltischen Krieger von ihren Solddiensten in Griechenland und Unteritalien gewohnt waren.

Eine entwickelte Geldwirtschaft dürfte es im Gebiet des heutigen Zürich erst seit der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. gegeben haben. Anzeichen dafür ist ein eigenes Kleingeld, wie es eine Gesellschaft erst dann braucht, wenn auch die Bedürfnisse des täglichen Lebens am Markt gedeckt werden. Ein anderthalb Zentner schwerer Klumpen von zusammengeschmolzenem Kleingeld, der 1890 bei Bauarbeiten im Bereich der heutigen Bahnhofsstrasse 3 entdeckt wurde, ist ein spektakuläres Zeugnis dafür.

Das nächste Mal werden sich rund 200 Jahre später zwei Männer an einer Zollstation in Turicum unterhalten. Verpassen Sie diese Fortsetzung nicht!

Alle anderen Folgen der Serie finden Sie hier.

Die Texte und Zeichnungen entstammen der Broschüre zur gleichnamigen Ausstellung im MoneyMuseum Zürich. Vertonte Auszüge sind als Video hier erhältlich.

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