Ein Gewicht aus dem Reich der Seleukiden

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Nomos, so nannten die alten Griechen die Münze. Nomos verkörperte aber viel mehr als das. Nomos war jedes gesetzte Recht, jeder Brauch, jede Übereinkunft und natürlich auch die von jeder einzelnen Stadt für sich definierten Maße und Gewichte. Nomos wird in den Hymnen des Orpheus mit Nemesis (Rache, ausgleichende Gerechtigkeit), Dike (Gerechtigkeit) und Dikaiosyne (Gerechtigkeit des Gemeinwesens und der Regierung) verbunden, mit all den Begriffen also, die das geregelte Zusammenleben der Menschen ermöglichen. Ohne Nomoi, ohne Vereinbarungen der Bürger einer Stadt untereinander, war es nicht möglich, irgendeinen Vertrag abzuschließen, ob den Verkauf eines Hauses, eine Heirat oder die kleine Transaktion, die entstand, wenn ein Gegenstand den Besitzer wechselte.

Uns sind viele Gewichte aus der Antike überliefert, die beweisen, wie nahe Gewicht und Münze sich als Ausdruck obrigkeitlicher Herrschaft sind. So tauchen die Herrschaftssymbole häufig auf beiden Nomoi auf, auf der Münze und dem Gewicht.

Marktgewicht aus Seleukeia. 3. Jh. v. Chr. Aus Auktion Gorny & Mosch 218 (2013), 30. Schätzung: 5.000 Euro. Endpreis: 23.600 Euro.

In unserem Fall kennen wir Elefant und Anker als ikonographisches Symbol für die Seleukidenherrschaft. Sie sind zum Beispiel auf einer Tetradrachme des Seleukos I. aus Seleukia am Tigris abgebildet. Athena fährt in einer Elefantenquadriga, über der im Feld oben der Anker erscheint.

Seleukos I. Nikator, 312-281. Tetradrachme, nach 296/5, Seleukia am Tigris. Aus Auktion Gorny & Mosch 211 (2013), 433. Schätzung: 1.500 Euro. Endpreis: 4.600 Euro.

Auf einem Marktgewicht, das am 18. Dezember 2013 in der Antikenauktion von Gorny & Mosch angeboten wurde, ist ein einzelner, nach links stehender Elefant zu sehen, davor ein Gegenstempel mit einem Anker. Die Aufschrift besagt, dass dieses Gewicht aus einem Seleukia stammt, welches der vielen damit gemeint ist, kann mit der Aufschrift alleine nicht entschieden werden. Dafür äußert sich das Stück klar, welches Gewicht das Stück Bronze verkörpert, eine Mna, wie die Griechen schrieben. Wir würden heute Mine oder Mina sagen. Wobei diese Bezeichnung eigentlich aus dem Semitischen kommt.

Shraga Quedar hat bereits 1983 anhand der ihm bekannten überlieferten Gewichte eine Aufstellung des phönizischen Standards gemacht. In dieses System passt unser Gewicht mit 457 Gramm hervorragend.

Der phönizische Standard, ca. 3. Jh. v. Chr. bis 3. Jh. n. Chr.; zitiert nach David Hendin, Ancient Scale Weights and pre-coinage currency of the Near East, Nyack (2007), S. 93.

Und tatsächlich wurde es offiziell geprüft und akzeptiert, wofür der Gegenstempel mit dem Anker stehen dürfte. Stolze 23.600 Euro zahlte der neue Besitzer für dieses Zeugnis der antiken Wirtschaftsgeschichte. Er zieht damit mit dem Getty Museum gleich, das unter Inventarnummer 96.AC.142 ein identisches Stück besitzt, allerdings ist dieses deutlich schwerer, nämlich 535 Gramm.

Mehr zur Auktion Gorny & Mosch 218 Kunst der Antike finden Sie derzeit noch im Internet.

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