Einzigartige Goldmünze des Bodvoc

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von Chris Rudd
übersetzt

Am 16. April 2012 wurde in der Nähe von Bristol ein 2000 Jahre alter Goldviertelstater des antiken britannischen Herrschers Bodvoc entdeckt. Er wurde von Dennis gefunden, der 33 seiner 53 Jahre schon als Sondengänger unterwegs ist. Zu Recht kann das Stück aufgrund seiner Bedeutung für die Numismatik als „Lebensfund“ gelten.

Goldviertelstater des Bodvoc mit Sonnenkreuz, um 25-5 v. Chr. Neuer Typus, zuvor unveröffentlicht, 11 mm, 1,27 g. Wird von Chris Rudd am 10. September 2012 verkauft. Foto: Chris Rudd.

Diese kleine Münze, die kaum länger ist als ein kleiner Fingernagel und nur wenig mehr wiegt als ein Gramm, ist von Bedeutung, weil sie der erste Goldviertelstater des schwer fassbaren britannischen Königs ist, der gegen Ende des 1. vorchristlichen Jahrhunderts den Stamm der Dobunni beherrschte.

Goldstater des Bodvoc, ABC 2039. Gezeichnet von Stukeley vor 1765, vermutlich nach Camdens Britannia kopiert, die zuerst 1586 veröffentlicht wurde. Quelle: W. Stukeley, Twenty-three plates of the coins of the ancient British kings, R. Fleming, 1776.

Goldstatere des Bodvoc waren seit über 400 Jahren bekannt und wurden schon von dem Antiquar William Camden (1551-1623) publiziert und von dem selbsternannten „Erzdruiden“ William Stukeley (1687-1765), der sie irrtümlicherweise „Boudicia Regina“ (Königin Boudica) zuschrieb. Dieser Irrtum wurde 1864 von dem Numismatiker John Evans korrigiert, der feststellte: „Es gibt tatsächlich keinen Grund zur Annahme, dass Boadicea Münzen geprägt habe; sie scheint niemals als Königin geherrscht zu haben, außer als Anführerin eines kurzlebigen Aufstandes.“

Diese neuentdeckte Goldmünze des Bodvoc ist noch aus einem anderen Grund von Bedeutung. Vor ihrer Entdeckung war man davon ausgegangen, dass nur ein einziger anderer bekannter Herrscher der Dobunni – von deren Herrschern wir durch Münzen jetzt sieben kennen – Viertelstatere ausgab, nämlich ein gewisser Corio, der anscheinend etwa zur selben Zeit herrschte wie Bodvoc, vielleicht ein wenig später. Dank Dennis’ Aufmerksamkeit kennen wir nun die Namen zweier Herrscher der Dobunni, die Goldviertelstatere prägten. Natürlich ist es möglich, dass noch einer oder mehr der anderen fünf Könige – Comux, Catti, Inamn, Anted und Eisu – ebenfalls Viertelstatere ausgab. Falls dies so war, so müssen sie noch ans Licht kommen.

Der König, der Apollo durch eine Werbung für sich selbst ersetzte. Profil von der sogenannten Old Head silver unit des Bodvoc, ABC 2045, kopiert nach Bronzemünzen des Tasciovanos, ABC 2658 und 2661. Quelle: Chris Rudd.

Die Legende und Ikonographie der neuen Münzen des Bodvoc sind ebenfalls aufschlussreich. Bodvoc war vermutlich der erste Herrscher der westlichen Gegend, der seinen Namen auf Münzen setzte, noch ein wenig früher als Corio. Und er tut das in einer unmissverständlichen Art und Weise, so wie auf seinem Goldstater. Darin folgt er dem Vorbild des südlichen Herrschers Tincomarus, indem er seinen Namen groß und fett ausschmückt quer über das leere Bildfeld der Vorderseite. Damit setzt er ihn an die Stelle des bekannten Baumsymbols früherer unbeschrifteter Goldstatere der Dobunni und des noch bekannteren abstrakten Kopfes des Sonnengottes Apollo, den wir von früheren unbeschrifteten Goldviertelstateren der westlichen und südlichen Regionen kennen. Diese großspurige Werbung in eigener Sache muss einen ähnlichen Eindruck gemacht haben wie die erste Fernsehwerbung, die in Großbritannien ausgestrahlt wurde. Es verlangte einigen Mut, das heilige Bild des Sonnengottes, das zuvor auf Hunderten von verschiedenen Goldmünzen Britanniens und Galliens verehrt wurde, abzulösen und es durch den eigenen Namen zu ersetzen. Ganz offensichtlich wollte Bodvoc bei den Dobunni Eindruck schinden.

Aber er war nicht dumm. Um die guten Beziehungen mit dem Sonnengott und seinen Stellvertretern auf Erde (den Druiden) aufrechtzuerhalten, setzte er einen großen Sonnenring über das Pferd mit drei Schweifen und schnitt in die Mitte des Sonnenrings ein kleines Kreuz, wie um zu sagen: „Ich erkenne die Macht des allmächtigen Sonnengottes an, und ich glaube daran, dass sein Reich sich in alle vier Richtungen erstreckt – nach Osten, Westen, Norden und Süden – und dass er weiterhin als Oberster (auch über mir) im Land der Dobunni herrscht.“

Das Sonnenkreuz des Bodvoc könnte von einem importierten Kugelkreuz-Goldstater der Seno-Carnutes, ABC 94, inspiriert worden sein oder von einer Nachahmung auf der Insel. Foto: Chris Rudd.

Das Pferd mit drei Schweifen der Dobunni kommt aus demselben Stall wie die Pferde mit drei Schweifen der Regini und Atrebates, nämlich als Import aus Nordgallien über Hampshire und West Sussex. Das kleine Sonnenkreuz kopiert vermutlich einen Kugelkreuz-Goldstater der Senones oder Carnutes aus dem keltischen Gallien, von dessen Typus auch ein paar Exemplare in Südengland gefunden wurden.

Die Münzen der Dubonni waren ursprünglich inspiriert von Münzen der Regini und der Atrebates. Bodvocs Münzen brechen mit der Tradition und zeigen den Einfluss der Catuvellauni. Bild: Chris Rudd.

Allerdings sind die augenfälligsten Vorbilder für die Köpfe auf den Silbermünzen des Bodvoc und das kleine „traurige“ Gesicht über dem Pferd auf seinen Goldstateren die Münzen des Tasciovanos, des hohen Königs der Catuvellauni von Hertfordshire. Das führt mich zu der Vermutung, dass Bodvoc gebürtiger Catuvellauner gewesen sein könnte, vielleicht ein jüngerer Bruder des Tasciovanos, und dass er sehr gut den nördlichen Gebietsteil der Dobunni erobert und seine Machtbasis mit der Höhenfestung von Bagendon gefestigt haben könnte – diese Theorie habe ich letztes Jahr diskutiert (vgl. Bodvoc and Cunobelin’s western ‘empire’, Chris Rudd List 120, November 2011, S. 2-6).

Der Name des Bodvoc („Schlachtkrähe“) ist verbunden mit dem der irischen Kriegsgöttin Badbh, einer der drei Erscheinungsformen der Gestalt wandelnden Morrigan (der „Geistkönigin“). Quelle: Gemälde © Courtney Davis, www.courtney-davis.com.

Bodvocs Name ist ganz offensichtlich ein kriegerischer und bedeutet „Schlachtkrähe“ – ein großer Name für einen einfallenden Prinzen der Catuvellauni, deren Stammesname „Männer, die sich im Kampf auszeichnen“ bedeutet. Bodvoc verdankte seinen Namen anscheinend der berüchtigt furchterregenden Kriegsgöttin Badbh aus irischen Legenden. Das C am Ende von BODVOC auf den Münzen bedeutet, dass wir nicht seinen ganzen Namen kennen, der vielleicht Bodvocos lautete, oder Bodvocnatos „Sohn der Schlachtkrähe“ oder aber Bodvocoveros „Gigant der Schlachtkrähe“. Wir werden vielleicht niemals seinen vollständigen Namen erfahren, aber wir wissen jetzt, dass er so stolz auf ihn war, dass er ihn in großen lateinischen Buchstaben auf seine Goldviertelstatere und auf seine Goldstatere prägen ließ. Gut gemacht, Dennis! Sein einzigartiger Sonnenkreuz-Goldviertelstater wird am 10. September 2012 in Aylsham, Norfolk, von Elizabeth Cottam aus dem Auktionshaus Chris Rudd versteigert werden.

mit freundlicher Genehmigung von Chris Rudd

Für weitere Informationen über Chris Rudd und seine Auktionen, besuchen Sie seine Webseite.

Falls Sie sich für keltische Münzen und Geschichte interessieren, schauen Sie unbedingt einmal in unser Archiv!

Übrigens erhielt ABC – das Standardbuch zu keltischen Münzen, das unter anderen auch von Chris Rudd und Elizabeth Cottam veröffentlicht wurde – dieses Jahr den angesehenen Lhotka-Preis der Royal Numismatic Society.

Informationen zu den Dobunni bietet die Seite Roman Britain.

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