Einzigartige Münze eines Britannierkönigs

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von Chris Rudd
übersetzt

Am 2. Juni 2013 wurde eine wichtige antike britannische Münze – eine Silbermünze eines bislang unbekannten Typs – in Staple, Ost-Kent, gefunden, auf dem einstigen Stammesgebiet der Cantiaci. Sie wurde geprägt von Amminus („Freund“), einem König der Cantiaci, der von den Catuvellauni abstammte und um 30 bis 40 n. Chr. in Kent herrschte, also kurz vor der Invasion des Claudius im Jahr 43 n. Chr., die er mit ausgelöst haben dürfte.

Silberne Löwenmünze des Amminus, geprägt in Sego (Folkestone?) um etwa 30 bis 40 n. Chr., gefunden in Staple, Kent. Foto: Chris Rudd.

Die Münze zeigt ein Brustbild des Amminus in römischem Stil und könnte ein Porträt darstellen. Er trägt eine locker sitzende Tunika und sein Haar ist gekrönt von einem juwelengeschmückten Haarband in Form eines Taus. Dieses exotische Haarband unterscheidet sich deutlich von jedem anderen, das ich von britischen, gallischen oder römischen Münzen dieser Zeit kenne. Auf der anderen Seite der Münze ist ein Löwe dargestellt, der seine Vorderbeine im Sprung nach oben wirft. Seine Mähne ist in der gleichen Art eines Taus gestaltet wie das prächtige Haarband des Königs, was sicher kein Zufall ist.

Amminus prägte in Duno und Sego. Seine Herrschaft über Kent, das an drei Seiten vom Meer umgeben war, verhalf ihm wohl zur Kontrolle des Handels über den Kanal. Wurde der Herrscher ein Pirat? Foto: Chris Rudd.

Unterhalb des Löwen sind die Buchstaben SIIC zu sehen, die man lesen kann als SEC oder SEG, wahrscheinlich eine Abkürzung von Sego („stark“ oder „siegreich“). Dabei könnte es sich um den Anfang des Namens einer Münzstätte handeln wie beispielsweise Segodunon („starke Festung“). Andere Münzen des Amminus wurden in Duno („Festung“) geprägt.

Bronzemünze des Cunobelinus, um 10 bis 40 n. Chr., mit einem Schiff auf See. Auf einen Seesieg? Oder geprägt in Sego? Quelle: Jane Bottomley.

Kein antiker Autor nennt einen Ort mit Namen Sego oder Duno in Kent, und seine genaue Lage bleibt unbekannt. Einen Hinweis darauf, wo Sego zu verorten ist, könnte aber eine Bronzemünze des Cunobelinus geben, von der man annimmt, dass sie für den Gebrauch in Kent geprägt wurde. Sie zeigt ein Schiff mit Mast – ein deutliches Zeichen dafür, dass das Schiff auf See fahren kann – und eine geflügelte Victoria mit den Buchstaben SE. Manche sehen darin einen Hinweis auf einen Sieg in einer Seeschlacht. Das ist möglich, aber ich denke, dass SE sich auf Sego bezieht, den Namen eines befestigten Ortes an der Küste, den die Catuvellauni eroberten.

Ausgrabung einer römischen Villa auf einer Klippe und eines keltischen Oppidum bei Folkestone, Kent. Lag hier Sego[dunon?]? Foto: Andrew Selkirk, Current Archaeology 262.

David Holman ist ein Experte für Münzen der Cantiaci und kennt sich auch gut aus in der Archäologie der Gegend. Daher fragte ich ihn, wo in Kent am ehesten der von mir postulierte Küstenort Sego zu suchen wäre. Er antwortete: „Wenn du einen Küstenort der späten Keltenzeit auf einem Hügel in Kent suchst, dann nicht weiter als bis Folkestone. Dort gibt es eine große keltische Anlage unter einer römischen Villa auf der östlichen Klippe.“ Münzen des Amminus fand man nahe bei Folkestone, in West Sussex und im Westen sogar noch in Dorset. David Holman vermutet, dass Duno in der Nähe von Goodnestone gelegen habe könnte, östlich von Canterbury. Bronzemünzen des Amminus fand man in Goodnestone, und die neue silberne Löwenmünze des Amminus wurde nur etwa eine Meile entfernt gefunden.

Sesterz des Caligula, geprägt in Rom, 39-40 n. Chr., also etwa zu der Zeit, als Amminus sich dem Kaiser in Mainz ergab. Foto: Classical Numismatic Group.

Wir wissen wenig von Amminus und vieles davon – so wie das Wissen darum, wie man seinen Namen richtig schreibt – überliefern uns Münzen. Es ist nahezu sicher, dass es sich bei ihm um den historischen Adminius handelt, der 39 oder 40 n. Chr. aus Britannien floh und sich dem römischen Kaiser Caligula („Stiefelchen“) ergab, als dieser sich in Durocortorum (Mainz) am Rhein aufhielt.

Fiktives Porträt des Amminus, der in Kent herrschte, bis sein Vater Cunobelinus ihn verbannte. Quelle: Jane Bottomley.

Der römische Biograph Sueton schreibt 80 Jahre später abfällig über Caligulas Manöver in Germanien und Nordgallien: „Alles was er leistete, war die Unterwerfung des Adminius, eines Sohnes des Britannierkönigs Cynobellinus, der von seinem Vater vertrieben worden war und nun mit einer kläglichen Schar Überläufer kam, entgegenzunehmen.“ (Caligula 44,2).

Die Münzen des Amminus ähneln so sehr denen des Cunobelinus (links), dass es sich bei Amminus sicher um den historischen Adminius handelt (rechts). Foto: Chris Rudd.

Die Münzen des Amminus in Kent ähneln so sehr denen des Cunobelinus in Essex, dass Amminus sicherlich nach Kent geschickt wurde, um dort an Stelle seines Vaters zu herrschen. Warum wurde er vertrieben? Wurde er zu ambitiös und erhob sich gegen Cunobelinus? Wie dem auch immer sei, ich vermute, dass seine Unterwerfung unter Caligula zusammen mit dem Tod des Cunobelinus wenig später und der Flucht des britannischen Königs Verica nach Rom im Jahr 40 n. Chr. Claudius angeregt haben dürften, in Britannien einzufallen.

Fünf mögliche Söhne des Cunobelinus, die Münzen prägten. Amminus könnte der zweitälteste gewesen sein: Agr, Caratacus, Amminus, Solidu, Dubn(Togo). Quelle: Jane Bottomley.

Dr. Graham Webster, der 1967 eine Silbermünze des Amminus in Dorset ausgrub, vermutet, dass Amminus der älteste Sohn des Cunobelinus war. Ich bezweifle das. Von den fünf möglichen Söhnen des Cunobelinus – die fünf, die Münzen prägten – scheint nur Agr in Gold, Silber und Bronze geprägt zu haben; nur Agrs Münzen tragen einen inschriftlichen Hinweis auf die Hauptstadt des Cunobelinus, Camulodunon; und ausschließlich Agr scheint Münzen bereits in der Zeit von etwa 25 bis 30 n. Chr. ausgegeben zu haben, also wohl noch vor Amminus.

Bronzemünze des Agr, geprägt in Camulodunon um etwa 25 bis 30 n. Chr. Bevor Amminus über Kent herrschte? Quelle: Jane Bottomley.

Daher denke ich, dass Agr – vielleicht eine Kurzform für Agricu („Kriegshund“) – der älteste Sohn des Cunobelinus war und Amminus der zweitälteste.

Die neu entdeckte silberne Löwenmünze des Amminus wird im November von Elizabeth Cottam bei Chris Rudd verauktioniert werden. Für ihre Hilfe bei diesem Text danke ich Jane Bottomley, David Holman, Dr. Ian Leins, Dr. Daphne Nash Briggs und Dr. John Sills.

Schauen Sie auch einmal auf die Internetseite von Chris Rudd.

Wenn Sie sich für keltische Münzen interessieren, sehen Sie sich doch die Artikel in unserem Archivpunkt Kelten an.

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