Geldbeschaffung auf Italienisch

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Mitte des 16. bis zur ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es in Oberitalien und den Niederlanden eine blühende Industrie für Münznachahmungen europäischer Geldsorten. Als beliebt und vollgewichtig bekannte Münzen wurde in schlechtem Silber und mit leichtem Untergewicht nachgeahmt.

Imitation eines Dicken von Schaffhausen des Prinz Siro von Österreich (1616-1630) aus Correggio (Italien). Testone (6,85 g) ohne Datum. MON NOVA SYR AVSTRIA COR PRIN Nimbierter Doppeladler. Rv. LAQVEVS CONTRITVS EST Löwe aus einem Turm n. l. springend. (CNI IX, 67; Kunzmann 28,1 g; Gamb. 46). Copyright Sturzenegger Stiftung / Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.

Damit konnte man natürlich, wenn man es im großen Stile betrieb und möglichst viele verschiedene Münzsorten imitierte, einen guten Gewinn machen. Und so engagierten die Fürsten der kleinen Oberitalienischen Herrschaften Agenten, die mit den nachgemachten Münzen in die Schweiz, an den Bodensee oder nach Süddeutschland reisten, um für billiges Geld teure Ware einzukaufen. Zu Hilfe kam ihnen dabei, dass viele, die sie mit den schlechten Münzen bezahlten, Analphabeten waren und die Umschriften nicht lesen konnten, und dass in Mitteleuropa zu dieser Zeit so viele verschiedene Münzsorten umliefen, dass nur noch die professionellen Geldwechsler den Überblick behalten konnten. Und auch die mussten auf Bücher zurückgreifen, um gute von schlechten Münzen unterscheiden zu können.

SCHAFFHAUSEN. Dicken 1611. MO NO SCAFVSENSIS 1617 Wappen von Schaffhausen: Aus einem Turm springender Schafsbock, darunter Dreiberg. Rv. DEVS SPES NOSTRA EST Doppeladler.

Natürlich beschwerten sich die Behörden immer wieder bei den Herstellern der irreführenden Münzen. Doch die hatten gute Ausreden parat. So ahmten sie ja nie die genaue Umschrift der Vorbild-Münze nach und veränderten das Münzbild leicht. Auf die Weise wird aus einem Schaffhauser Schafsbock ein Löwe, oder in einem anderen Fall aus einer Lilie eine Quitte oder oder oder. Auch hatten die Fürsten nicht viel zu fürchten. Sie waren reichsunmittelbar, das heißt, nur der Kaiser selbst konnte über sie zu Gericht sitzen. Und der Kaiser, der war im 16. und 17. Jahrhundert weit, weit weg. Außerdem blieb ihnen wirtschaftlich gesehen gar nicht viel übrig. Ihre Herrschaften waren klein und meist vom Steueraufkommen her unergiebig und wenn sie als Adlige den Lebensstil halten wollten, der ihnen angemessen schien und den ihnen die großen Fürstengeschlechter der reichen Handelsstädte vorlebten, dann mussten sie schon ein wenig erfinderisch sein.
Ein Ende fand der ganze Spuk erst, als der deutsche Kaiser und der Papst auf den Druck der Herzöge von Savoyen, sowie der Städte Mailand und Venedig ernsthaft einschritten. Manche, wie zum Beispiel die Herren von Correggio, die die Schaffhauser Imitation veranlasst hatten, verloren dabei alles. Sie wurden zu einer so hohen Geldstrafe verurteilt, dass sie ihr Fürstentum verkaufen mussten.

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