Goldstater des Tasciovanus als Tribut an Kaiser Augustus?

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von Chris Rudd
übersetzt von Teresa Teklic

Einer der schönsten bisher bekannten Goldstatere des Tasciovanus wurde kürzlich in der Nähe von Verulamium (bei St. Albans, Hertfordshire), der einstigen Hauptstadt der Catuvellauni („herausragende Krieger“) gefunden. Die Münze gehört zu der letzten Serie von Goldstateren, die unter Tasciovanus („der Dachstöter“) geprägt wurden. Tasciovanus herrschte etwa 30 Jahre über die Catuvellauni, von ca. 25 v. Chr. an, also nicht lange nachdem der römische Senat Octavian zum „Augustus“ gemacht hatte, bis ca. 10 n. Chr. Die Goldstatere weisen drei besondere Merkmale auf:

Münzen als Tribut? Tasciovanus‘ Goldstater, gefunden in der Nähe von St. Albans, Hertfordshire. Das Stück wird im Januar 2014 von Chris Rudd versteigert. Foto: E. Cottam.

  • Sie gehören zu den Münzen mit der prahlerischsten Inschrift, die jemals von einem keltischen oder gallischen Herrscher geprägt wurden. Die großen, imposanten Buchstaben rufen Tasciovanus als rigon aus, ein keltischer Titel der so viel bedeutet wie „König“ oder sogar „großer König“.
  • Sie weisen eine plötzliche und unerklärliche Zunahme des Goldgehalts um fast 15 %  im Vergleich zu früheren Goldstateren des Tasciovanus auf. Damit ist der Goldgehalt wesentlich höher als der in Münzen anderer keltischer Herrscher.
  • Sie enthalten eine Reihe Rechtschreibfehler, die sogar den Namen des Königs betreffen und darauf hinweisen, dass die Goldstatere in sehr kurzer Zeit und ohne die sonst übliche Qualitätskontrolle hergestellt wurden. Diese Beobachtung ist umso erstaunlicher, da die königliche Inschrift ohne Frage den Eindruck herrschaftlichen Prunks erwecken sollte.

Tasciovanus prahlt mehr als jeder andere keltische oder gallische Herrscher mit seinem Königstitel. Ricon bedeutet „König“, wie z. B. im schottischen Ortsnamen Rerigonium („sehr königlich(er) Ort“), in der Nähe von Loch Ryan, nach dem er benannt ist. Kartusche eines Staters die Sir John Evans zeigt, gefunden bei St.Ives, Cambridgeshire, 1858. Bild: F.W. Fairholt, 1864.

Wen also wollte Tasciovanus beeindrucken? Was bewegte den alten König dazu, am Ende seiner langen Herrschaftszeit noch einmal zu prahlen? Seine Macht und sein Prestige waren kein Geheimnis, sondern wohlbekannt in ganz Britannien. War dies ein Versuch, seine Amtszeit noch einmal ins rechte Licht zu rücken, wie es die Präsidenten und Premiers unserer Zeit gerne tun, bevor sie ihr Amt verlassen? Wenn dem so ist, warum nahm er dann die völlig überflüssigen Ausgaben auf sich, die ein Erhöhen des Goldgehalts in den letzten Goldstateren mit sich brachte? Und warum wurden die Goldstatere so achtlos und übereilt hergestellt, wenn sie doch wertvoll waren und eine dermaßen wichtige Rolle in der Selbstdarstellung des Herrschers spielten? Dr. John Sills, Autor des Buches „Gaulish and early British gold coinage“ (Spink 2003) und Co-Autor von „Ancient British Coins“ (Chris Rudd 2010), hat die Vermutung angestellt, dass die RIGON-Statere möglicherweise als Tribut für Kaiser Augustus geprägt wurden.

Goldstater des Tasciovanus, Goldgehalt 48 %, Berichten zufolge „erworben durch Rev. E. Trafford Leigh von einem Bauern in Rom.“ Wie ist er dorthin gekommen? 1855 vom British Museum gekauft. Bild: J.Y. Akerman, 1846.

Tasciovanus soll Tribut an Augustus gezahlt haben? Eine interessante These. Dass Caesar 54 v. Chr. von den Britanniern unter der Führung des Cassivellaunus einen jährlichen Tribut an Rom forderte, ist bekannt. Ist es möglich, dass sich Augustus ein halbes Jahrhundert später auf dieses Abkommen berief, und wenn ja, weshalb? Auf die Frage wie er zu der Annahme komme, dass die RIGON-Statere Tributzahlungen gewesen seien, antwortete John Sills: „Ich habe mich gefragt, warum der Goldgehalt so viel höher ist als der anderer Münzen, warum die Statere so achtlos hergestellt sind, warum sie so viele Rechtschreibfehler enthalten und warum es zwischen fast allen Stempelkopplungen gibt. Es ergibt keinen Sinn, dass ein mächtiger keltischer Herrscher den Goldgehalt seiner Münzen plötzlich um 15% auf einen Gesamtgehalt von fast 50 % erhöht. Ich wollte schon die übliche Erklärung der Feldzüge vorschlagen, als ich auf John Evans’ Anmerkung stieß, dass ein RIGON-Stater von einem Bauern in Rom aufgekauft wurde [John Evans, „The Coins of the Ancient Britons“, 1864, S. 270]. Das brachte mich auf die Idee, dass der Prägesatz eine Tributzahlung gewesen sein könnte. Der Beginn der RIGON-Prägung stimmt zufällig genau mit dem Zeitpunkt überein, als Dubnovellaunus aus Essex (und möglicherweise aus Kent) vertrieben wurde und zu Augustus floh. Zwar verhalf Augustus ihm nicht wieder zu seiner alten Machtposition, aber es ist immerhin denkbar, dass sich der römische Kaiser auf Caesars Abkommen mit den Catuvellauni berief und Tribut als Entschädigung forderte unter gleichzeitiger Androhung der Invasion, sollte Tasciovanus der Aufforderung nicht nachkommen. Es gibt klare Beweise dafür, dass Caesar während der Gallischen Kriege auf einem Goldgehalt von mindestens 50 % bestand und die durchschnittlichen 47 % der RIGON-Statere scheinen genau der Grenzwert zu sein, mit dem Tasciovanus noch durchkommen konnte, ohne Gefahr zu laufen, entdeckt zu werden. Diese Entdeckung hat erhebliche Konsequenzen für unser Verständnis davon, wie weitreichend Augustus’ politischer Einfluss war. Soweit mir bekannt ist, hat noch niemand behauptet, dass sich Augustus’ Einfluss bis auf die britischen Inseln erstreckt haben könnte, aber mir erscheint das plausibel.“ Mir auch. John Sills’ Artikel „The tribute staters of Tasciovanos?“ wird im Januar 2014 in Chris Rudd List 133 veröffentlicht.

Für mehr Informationen zu Chris Rudd und seinen Auktionen, schauen Sie auf seine Website.

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