Im Reich der „Lustigen Witwe“

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„Da geh ich in’s Maxim“, schmettert Graf Danilo von Montenegro im dritten Akt der „Lustigen Witwe“. Dass ihn heutige Operettenfreunde eher als Danilo von Pontevedra kennen, liegt an den Maßnahmen der Zensoren, die unerwünschte Anspielungen auf den gleichnamigen Kronprinzen von Montenegro und dessen deutsche Gemahlin Jutta von Mecklenburg-Strelitz zu vermeiden suchten.

100-Perpera-Stück, geprägt zu Ehren von Nikola I. von Montenegro anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläums und seiner Erhebung zum König.

Denn Danilos Vater, Nikola I. von Montenegro, war ein wichtiger Verbündeter auf dem Balkan. Ein seltenes 100-Perpera-Stück mit seinem Porträt kommt in der Auktionswoche zwischen dem 8. und 12. Oktober 2012 bei Künker in Osnabrück zur Versteigerung.

Am 1. Mai 1858 wurde eine gewaltige Schlacht geschlagen. Großherzog Mirko besiegte bei Grahovac mit seinen 7.500 Männern ein türkisches Heer und setzte so das Fürstentum Montenegro auf die politische Landkarte. Noch wenige Jahre vorher war völlig unklar gewesen, wem das zerklüftete Bergland eigentlich gehöre. Ein Fürstbischof übte die weltliche und die geistliche Oberherrschaft aus; das Osmanische Reich betonte gelegentlich seine Interessen an dem Gebiet; und die Russen traten als Beschützer auf.

Erst der Bruder Mirkos, Danilo, erreichte bei Zar Nikolaus I. seine Anerkennung als rein weltlicher Herrscher Montenegros und setzte damit gleichzeitig die territoriale Unabhängigkeit durch. Der Sieg von Grahovac zwang auch die Türken diese neue Grenze anzuerkennen. Die Montenegriner waren damit in den Augen aller, die gegen das Osmanische Reich kämpften, zu Helden geworden.

Danilo selbst sollte nicht mehr allzu viel davon haben. Er hatte sich mit seiner kompromisslosen Durchsetzung steuerlicher Interessen und einer fatalen Vorliebe für Frankreich innen- und außenpolitisch unmöglich gemacht. Er wurde im August 1860 ermordet.

König Nikola I. kurz vor seiner Absetzung. Foto: Bain News Service 1911. Heute Library of Congress ID ggbain.04998 / Wikipedia.

Sofort versuchten Habsburger, Franzosen, Russen und Preußen daraus Vorteil zu ziehen, doch der neue König Nicola, Sohn des Siegers von Grahovac und Neffe des ermordeten Danilo, war ein begnadeter Diplomat. Er war im Pariser Lycée Louis-le-Grand erzogen worden. Als Fürst von Montenegro besuchte er die wichtigsten Höfe Europas und brachte die europäischen Damen zum Träumen, die ihn in der gerade entstehende Regenbogenpresse in seiner malerischen Uniform sahen.

Wie erfolgreich seine Außenpolitik war, sieht man an den Heiratsverbindungen, die es ihm gelang zu schließen: zwei seiner Töchter verheiratete er mit russischen Großfürsten; eine weitere wurde Gemahlin des italienischen Königs Viktor Emanuel. Seine älteste Tochter war die Option auf die Zukunft. Ihr Mann hieß Peter Karadjordjevic und war ein möglicher Kandidat für den serbischen Thron, den er 1903 tatsächlich bestieg. Für Nikola hätte das einen weiteren Machtzuwachs bedeuten können, hätte er auf die Art und Weise nicht seinen treuesten Schützer, den russischen Zaren, verloren, der sich nun lieber dem größeren Serbien widmete.

Klavierauszug von „Die lustige Witwe“, veröffentlicht 1906. Quelle: Sammlung Walter Anton / Wikipedia.

Natürlich registrierte man in Montenegro die politischen Veränderungen. 1905, dem gleichen Jahr, in dem die „Lustige Witwe“ uraufgeführt wurde, musste Nicola seinen Untertanen eine Verfassung und ein Parlament gewähren. Gleichzeitig wurde die Zensur verstärkt. Damit konnte Nicola die Situation noch einmal stabilisieren. Zeugnis dieser kurzen Verschnaufpause ist die prachtvolle 100-Perpera-Münze, die anlässlich seines Jubiläums 50 Jahre Regierung herausgegeben wurde. Das Parlament hatte Nikola aus diesem Anlass am 28. August 1910 zum König von Montenegro gekrönt.

Zwei Emissionen von Goldmünzen wurden in diesem denkwürdigen Jahr geprägt, eine – unsere – zeigt den Herrscher als Fürst, den unbedeckten Kopf über einem Lorbeerzweig nach rechts, die andere präsentiert den neuen König mit dem Lorbeerkranz nach links. Beiden gemeinsam ist das Wappen auf der Rückseite, das den gekrönten Doppeladler mit den königlichen Insignien abbildet. Auf dem Brustschild schreitet ein Löwe nach links. Dieses Wappen wird heute von Montenegro wieder als Staatswappen benutzt.

Drei Nominale wurden von beiden Typen ausgegeben. Ein 10-, ein 20- und ein 100-Perpera-Stück. Vom Gewicht her entsprechen sie dem österreichischen Kronenfuß. Während von den 10- und 20-Perpera-Stücke immerhin rund 30.000 bzw. einmal 40.000 Stück pro Typ geprägt wurden, fertigte man von den 100-Perpera-Stücken im Gewicht von fast 34 g Gold nur 500, bzw. in unserem Fall 301 Stück an. Wir haben es hier also mit einer großen Seltenheit zu tun, die für eine letzte Blüte des Königreichs Montenegro steht.

Denn 1912 sah sich Nikola gezwungen, sich am Balkanbund gegen das Osmanische Reich zu beteiligen. In Absprache mit seinen Verbündeten erklärte Montenegro der Hohen Pforte am 8. Oktober 1912 den Krieg. Für den König wurde dies ein Desaster. Die montenegrinische Armee erlitt hohe Verluste und der einzig nennenswerte Gewinn an Territorium musste auf Einspruch der europäischen Mächte zurückgegeben werden. Im Ersten Weltkrieg wurde es nicht besser. Während die Truppen blutete, ging das Königshaus vorsichtshalber ins Exil. Dort erfuhr Nikola I., dass „seine“ Nationalversammlung beschlossen hatte, sich mit Serbien zu vereinigen. Der abgesetzte König blieb in Frankreich, wo er 1921 im Alter von 79 Jahren verstarb.

Die Herbst-Auktionen bei Künker vom 8.-12. Oktober 2012 mit allen nötigen Informationen finden Sie hier.

Der komplette Katalog steht ebenalls online.

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