David Michael Metcalf (1933-2018)

von Ursula Kampmann

22. November 2018 – Am 25. Oktober 2018 ist David Michael Metcalf gestorben. Er zählt zu den weltweit renommiertesten Numismatikern. Er war einer der ersten, der mit Hilfe der Statistik den mittelalterlichen Geldumlauf rekonstruierte. Wie bedeutend seine Leistung für die Wissenschaft war, zeigt die Fülle an Auszeichnungen, die er für sein Werk erhalten hat: 1983 wurde er mit der John Sandford Saltus Gold Medal der British Numismatic Society geehrt, 1987 erhielt er die Medal der Royal Numismatic Society, 1991 die Huntington Medal der ANS, 2008 den Meshorer Numismatic Prize des Israel Museums und 2008 den Derek Allen Prize der British Academy. Wir verlieren in ihm einen Forscher, Lehrer, Museumskurator und – last but not least – Münzsammler, der die Numismatik nachhaltig geprägt hat.

Michael Metcalf in den Yorkshire Dales. Wir danken Nick Mayhew, der uns das Foto zur Verfügung gestellt hat.

Michael Metcalf in den Yorkshire Dales. Wir danken Nick Mayhew, der uns das Foto zur Verfügung gestellt hat.

Geboren wurde Michael Metcalf am 8. Mai 1933 als Sohn eines methodistischen Geistlichen, dessen Familie mit ihm durch Großbritannien zog, weil der Vater von Pfarrstelle zu Pfarrstelle versetzt wurde. Deshalb wurde Michael in Newcastle geboren, wuchs aber in Keighley / West Yorkshire auf. Von frühester Jugend an war er ein begeisterter Münzsammler, entschied er sich trotzdem für ein Studium der Geographie.

Vielleicht ist das der Grund, dass Michael Metcalf – unter Anleitung des damals in Cambridge lehrenden Philip Grierson – einen für die damalige Zeit spektakulär neuen und erfrischenden Ansatz zur Deutung des mittelalterlichen Münzmaterials entwickelte. Seine beeindruckende Sprachbegabung – er soll einem jungen Kollegen einmal gesagt haben, dass er mit einem Wörterbuch in der Hand so gut wie jede europäische Sprache, mit Ausnahme von Ungarisch, bewältigen könne – befähigte ihn, seine Interessen auf viele Länder auszudehnen. So beschäftigte sich seine Dissertation, die 1965 publiziert wurde, mit der Münzprägung des Balkans in den Jahren zwischen 820 und 1355. Schon dieses, sein erstes großes Werk war so wichtig für die Numismatik, dass es 1970 und 2016 in jeweils neuen Bearbeitungen wieder herausgegeben wurde.

Seit 1963 war Michael Metcalf am Ashmolean Museum in Oxford tätig. 1982 übernahm er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1998 die Leitung des Heberden Coin Rooms. Gleichzeitig wurde er zum Fellow des Wolfson College ernannt und zum „Keeper of the Department“. 1996 erfolgte die Berufung zum ersten Professor für Numismatik der Universität Oxford. 

Dies war eine verdiente Ehre, denn Michael Metcalf hat bereits als Student revolutionäre Thesen zur Monetarisierung Englands im frühen Mittelalter entwickelt. Anhand einer detaillierten Stempelstudie zur Münzprägung des Königs Offa konnte er nachweisen, dass die ursprüngliche Zahl der Prägungen weit höher gewesen sein muss als uns die damals wenigen Funde glauben gemacht hatten. Eine These, die damals großes Aufsehen erregte. Ein Streitgespräch im Rahmen der Universität Oxford im Jahr 1966, so berichtet es Nick Mayhew in seinem ausgezeichneten und ausführlichen Nachruf auf Michael Metcalf im Guardian, sei derart ausgeartet, dass sogar die nationale Presse darüber berichtet habe.
Man kann diese Leistung Metcalfs nur dann richtig schätzen, wenn man daran denkt, dass in den 60er Jahren die gigantischen Hortfunde, die erst dank der Metalldetektoren im Verlauf der 80er Jahre ans Licht kamen, noch nicht zur Verfügung standen!

Durch seine vielen Monographien und Aufsätze hat Michael Metcalf unser Bild von der Wirtschaft des Frühmittelalters nachhaltig beeinflusst. Indem er seinen Blick weit über die nationalen Grenzen hinaus schweifen ließ, entdeckte er zum Beispiel, dass die Münzen der Niederlande eng mit der englischen Münzprägung zusammenhingen, was der Beweis dafür sein dürfte, dass die beiden Länder bereits im frühen Mittelalter wegen der britischen Wollimporte miteinander in Handelsbeziehungen standen.

Michael Metcalf hinterlässt der numismatischen Gemeinschaft eine Fülle von Monographien und Aufsätzen – Nick Mayhew zählt allein um die 23 Bücher und 250 wissenschaftliche Beiträge. Metcalf diente zwischen 1994 und 1999 der Royal Numismatic Society als Präsident und leitete das Herausgeber-Team des Numismatic Chronicle zwischen 1974 und 1984.

Wir trauern um einen profilierten Numismatiker, der trotz seiner umgänglichen Art, keine fachliche Kontroverse scheute. Unser Mitgefühl gilt seinen drei Kindern und seinen sechs Enkelkindern.

Wir werden Michael Metcalf vermissen.

Hier lesen Sie Nick Mayhews Nachruf im The Guardian.

Die Yorkshire Numismatic Society hat ebenfalls einen Nachruf publiziert.

In der Digital Library Numis finden Sie eine Fülle von Artikeln Metcalfs, durch die Sie sich ein gutes Bild über seine Forschungen machen können.

Wenn Sie mehr über die Geschichte des Heberden Coin Rooms wissen wollen, dem Michael Metcalf so viele Jahre angehörte, dann lesen Sie den Artikel von C. M. Kraay und C. H. V. Sutherland.

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