Jersey – eine Schatzinsel keltischer Münzen

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von Chris Rudd
übersetzt

Jersey Post hat Briefmarken ausgegeben, die sechs keltischen Münzen gewidmet sind – drei aus Armorica, drei aus Britannien – aus einem 1957 entdeckten Hort in Le Catillon auf der Insel Jersey.

Neue Briefmarken mit Münzen aus dem Hort von Le Catillon, Jersey, 1957. Die meisten wurden in der Zeit des Gallischen Kriegs geprägt, um 60-50 v. Chr., vermutlich von einem Stammesfürsten in Jersey (37 Exemplare), von den Durotriges in Dorset (49 Exemplare), von den Baiocasses in Calvados (59 Exemplare), von den Belgae in Hampshire (64 Exemplare), von den Regini in Sussex (79 Exemplare) und von den Coriosolites in Côtes-d’Armor (86 Exemplare). Quelle: Jersey Post.

Die Marken wurden von Andrew Robinson entworfen und sind die zweite Ausgabe einer archäologischen Serie der Jersey Post, die die Philatelistin Melanie Gouzinis mit Hilfe von Olga Finch, archäologische Kuratorin des Jersey Heritage, entwickelt hat.

Sog. Jersey Moon Head Silberstater, DT 2276, um 60-56 v. Chr. Mondkopf mit einem Tattoo von drei Ringen auf der Wange. Sonnenszepter über dem Pferd, Form einer Leier darunter. La Hougue Bie Museum, Jersey. Quelle: Olga Finch, Jersey Heritage.

„1957 wurden über 2.500 Münzen gefunden“, erzählt Frau Finch.

Goldstater mit Eber der Baiocasses, DT 2254, um 60-50 v. Chr. Eber über Kopf, Bänder außen herum. Pferd mit Menschenkopf, darunter Eber, davor eine Flagge. La Hougue Bie Museum, Jersey. Quelle: Olga Finch, Jersey Heritage.

„Die Münzen repräsentieren Stämme in Armorica, Gallien und Südbritannien. Ihre Entdeckung belegt die Intensivierung von Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und England in der späten Eisenzeit. Die Kanalinseln waren günstige Haltepunkte für Schiffe entlang ihrer Route von Alet (St. Malo, Frankreich) nach Hengistbury (Dorset).“

Silbermünze mit Sussex-Leier, ABC 647, um 55-40 v. Chr. Der Kopf ist kopiert von Münzen der Aedui aus Zentralgallien. Über dem Pferd ein Sonnenrad, darunter Leier, S-Linien davor und darüber. La Hougue Bie Museum, Jersey. Quelle: Olga Finch, Jersey Heritage.

Der Archäologe Sir Barry Cunliffe, der auch in Hengistbury und in der Bretagne ausgegraben hat, meint: „Wie genau der Handel über den Kanal gestaltet war, ist schwierig zu sagen. Aber die außergewöhnlich große Menge armorikanischer Keramik im Hafen von Hengistbury deutet darauf hin, dass es dort eine starke Präsenz von Armorikanern gegeben haben könnte. Eine Möglichkeit wäre daher, dass Armorikaner tatsächlich während der Sommermonate in Hengistbury lebten, solange sie Handelgeschäfte betreiben konnten, und dort von den Britanniern aufgesucht wurden, die ihre Produkte aus den verschiedenen Gegenden im zentralen Süd- und Südwestbritannien herbeibrachten.“ (Iron Age Communities in Britain, 4. Aufl. 2005, S. 479).

Auf Jersey wurden acht keltische Horte gefunden, die zusammen zwischen 17.000 und 20.000 Münzen enthielten. Und die sogenannten Mondkopfstatere wurden vermutlich in Jersey geprägt, meint Dr. Philip de Jersey. Die Karte zeigt die Orte der Hortfunde. Quelle: Chris Rudd.

Jersey erwies sich als die reinste Schatzinsel für keltische Münzen. Man schätzt, dass im Lauf der vergangenen 225 Jahre in Jersey rund 20.000 spätkeltische Münzen gefunden wurden. Das ist eine ganz erstaunliche Menge an gehortetem Bargeld für eine Insel von gerade einmal 45 Quadratmeilen, einem Drittel der Isle of Wight. Noch überraschender ist, dass nicht ein einziger der hier vorgestellten acht Schatzfunde aus Jersey von einem Sondengänger gefunden wurde. Dies ist um so bemerkenswerter, wenn man berücksichtigt, dass Sondengänger über 80 Prozent der 50.000 keltischen Münzen gefunden haben, die der Celtic Coin Index in Oxford verzeichnet.

Unser Rundgang entlang der Schätze von Jersey beginnt auf einem Hügel, von dem aus man die Hauptstadt St. Helier überblickt. Während der Erbauung von Fort Regent 1786-87 fand man „eine große Anzahl von gallischen Medaillen aus Armorika“ („un grand nombre de médailles gauloises armoricaines“) inmitten der Steine des megalithischen Mont de la Ville; vielleicht handelte es sich um einen verstreuten Hort von Stateren der Coriosolites.

Auch der zweite Hortfund stammt aus St. Helier. Um 1795 herum fand man etwa 200 Münzen „in einem eisernen Topf in einem Feld nahe dem großen Hafen von Jersey“, die meisten davon Coriosolites. 32 dieser Münzen wurden 1846 dem British Museum überlassen.

Coriosolitischer Sonnengott mit gewellten Haarlocken und heiliger „Beschwörungsrolle“, die aus dem Mund kommt. Bronzemedaillon von Major N.V.L. Rybot. Quelle: A.L.T. McCammon, Currencies of the Anglo-Norman Isles, Spink 1984.

Um 1802 oder 1807 „fand man eine beträchtliche Menge von keltischen Medaillen [armorikanischen Stateren] in einer alten Tonvase nahe dem Hafen von Rozel.“ Darunter befanden sich Statere der Osismii, der „letzten“, die im „letzten Ende“ (dem äußersten Nordwesten) Galliens lebten, der Baiocasses „mit blonden Locken“, nach denen Bayeux benannt ist, und der Coriosolites, dem „Heer der Sonne“, deren Name noch in Corseul fortlebt.

Als 1820 bei Trinity ein Stück der Steilküste abbrach, wurde ein Hort von 982 Münzen freigelegt, zum Großteil Statere der Coriosolites. Den gesamten Hort erstand Baron de Donop, der 760 dieser Münzen in einem Buch abbildete, das er Königin Adelaide widmete, der Ehefrau König Wilhelms IV. von England.

Nach starken Regenfällen kam es 1875 zu Erdrutschen in der Nähe des Castel de Rozel im nordöstlichen Zipfel der „Schatzinsel“. Mindestens zwei gallische Horte wurden dabei freigelegt, die zusammen über 1000 Münzen enthielten, von denen mehr als 700 verzeichnet wurden. Manche gingen an Museen, manche dürfte Sir John Evans angekauft haben, der Vater des Studiums antiker britischer Münzen. Andere mögen noch immer in privaten Sammlungen in Jersey liegen.

In Rozel wurde 1883 ein kleiner tönerner Topf entdeckt, ganz nahe bei einer Stelle früherer Funde. Er enthielt eine Mischung von 18 römischen Münzen sowie Münzen der Coriosolites; die letzte der identifizierbaren hatte Mark Anton im Jahr 32 v. Chr. geprägt.

Zusammen mit Resten eines Bronzekessels wurden in La Marquanderie nahezu 12.000 Statere gefunden. Quelle: N.V.L. Rybot, Armorican Art, Société Jersaise, 1952.

Als W. Auffrey am 22. April 1935 ein Fundament grub für ein Haus in La Marquanderie, St. Brelade, entdeckte er einen der größten jemals gemachten Hortfund keltischer Münzen – fast 12.000 armorikanische Silberstatere, nahezu ausschließlich Prägungen der Coriosolites. „Sie sahen aus wie eine Menge alter Knöpfe“, sagte Herr Auffrey. Der Eigentümer des Grundstücks, Percy Ellis, schenkte den Fund der Société Jersiaise. Er wurde danach von Major N.V.L. Rybot in seinem exzellent illustrierten Artikel „Armorican Art“ (Bulletin of La Société Jersiaise 13, 1937, S. 153-190) publiziert: Ein strahlendes Beispiel dafür, wie ein ehrlicher Finder, ein großzügiger Grundstückseigentümer, ein talentierter Amateur und eine aufgeklärte lokale Kulturvereinigung einen dauerhaften Beitrag für die Numismatik leisten können.

„Im Janur 1957 wurde ein großer Findling, der seit Jahren die Pflüge behindert hatte, aus einem Feld in Le Catillon de Haut, Grouville, entfernt“, berichtet Antony McCammon. „Unter dem Findling fand man zusammen mit Fragmenten von drei bronzenen Fibeln, zwei Ringen, einem etwa 10 mm langen Metalldraht und den Resten von mindestens drei Tontöpfen eine Unmenge von Münzen.“ Dieser Fund bestand aus schätzungsweise über 2.500 Münzen, die meisten davon Silberstatere der Coriosolites. Aus diesem und einem zweiten, 1959 entdeckten Hort stammen die Münzen, die die Jersey Post zur Illustrierung ihrer Briefmarken gewählt hat. Obwohl dieser Fund quantitativ nur ein Viertel der Münzen des Horts von La Marquanderie umfasste, ist der Le Catillon Hort für die Numismatiker deutlicher wichtiger wegen seiner gemischten Zusammensetzung. Diese erlaubte es den Wissenschaftlern verschiedene unbeschriftete britische Münztypen genauer zu datieren.

Julius Cäsar, „der Schlächter der Bretagne“, schlachtete eine Million Gallier ab und versklavte eine weitere Million. Warum idealisieren wir ihn so? Quelle: Aus einem Manuskript von Plutarchs Cäsar-Vita, um 1450.

Den größten Teil der geschätzt rund 17.000 bis 20.000 keltischen Münzen, die in Jersey gefunden wurden, haben die Coriosolites aus Armorica geprägt, dem „Land an der See“, das die Bretagne, die untere Normandie, fast das gesamte Pays de la Loire und die Kanalinseln umfasste. Ich vermute, dass der größte Teil dieser Statere der Coriosolites in der Zeit des Gallischen Kriegs geprägt wurde, um den Widerstand gegen den brutalen Einfall Julius Cäsars zu finanzieren. Warum sonst hätte man so viele Statere in dieser Zeit prägen sollen? Sicherlich nicht für den Handel.

Cäsars sechs Jahre der Gewalt und Verbrechen in Gallien waren von einer nicht zu rechtfertigenden Grausamkeit und nach heutigen Standards Grund genug, den römischen Feldherrn vor einen Kriegsverbrechertribunal zu stellen. Als beispielsweise die Veneti aus Armorika sich im Jahr 56 v. Chr. Cäsar ergaben, „ließ er alle ihre Ratgeber hinrichten und verkaufte den Rest der Bevölkerung als Sklaven.“ In seinen eigenen Worten, nicht meinen.

Für ihre Hilfe danke ich Philip de Jersey, Olga Finch, Daniel Gayet, Melanie Gouzinis, Caroline Holmes, Antony McCammon, Philip Skingley und Pauline Syvret.

mit freundlicher Erlaubnis von Chris Rudd

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Die neuen Briefmarken sind übrigens online erhältlich bei JerseyStamps.

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