Joachim I.: Ein machtbewusster Kurfürst prägt den ersten Taler Brandenburgs

Künker Auktion 348 (2021), Los 2341: Brandenburg. Joachim I. Taler, 1521, Frankfurt/Oder. Von allergrößter Seltenheit. Kl. Doppelschlag, sehr schön +. Schätzpreis: 50.000 EUR.
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Es ist eine der großen Raritäten der brandenburgisch-preußischen Numismatik, die als Los 2341 im Rahmen der Auktion 348 vom Auktionshaus Künker angeboten wird: Der erste Taler Brandenburgs, geprägt im Jahr 1521. Damals spricht man natürlich noch nicht von Talern. Guldengroschen, wie die korrekte Bezeichnung lautet, sind Silbermünzen im Wert eines Goldguldens. Guldengroschen gibt es eigentlich schon seit 1486, doch der für den Taler namensgebende Joachimstaler Guldengroschen wird nur ein Jahr vor dem ersten Brandenburger Taler erstmals geprägt.

Das man solche „neuen Münzen“ – Moneta Nova ist gängiger Teil der Umschrift auf frühen Talern, so auch auf unserem Stück – prägt, ist nicht zuletzt eine Frage des Prestiges. Denn lohnend ist die Produktion der Taler zumindest im silberarmen Brandenburg auf keinen Fall: schon 1522 wird die Herstellung daher wieder eingestellt. Der Herrscher, der diese Münze in Auftrag gibt, ist Kurfürst Joachim I. (1484-1535). Auf dem Taler sehen wir sein bärtiges Brustbild. Auch das ist ein Novum für die Markgrafschaft Brandenburg: Dies ist die erste brandenburgische Münze, die ein Portrait eines Fürsten zeigt!

Wer aber war dieser Joachim I.?

Joachim I. in prunkvoller Gewandung, gemalt von Lucas Cranach d. Ä.

Ein machtbewusster Kurfürst aus dem Haus der Hohenzollern

Kurfürst Joachim I. war ein Mann mit Ambitionen. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er mit nur 15 Jahren die Herrschaft, zunächst gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und unter Vormundschaft. Er gründete die Universität in Frankfurt an der Oder und bekämpfte das Raubrittertum in Brandenburg, um damit seine eigene Machtposition gegenüber dem regionalen Adel zu stärken. Wegen seiner Beredsamkeit, die er in der Versammlung der Kurfürsten entfaltete, verlieh ihm die brandenburgisch-preußische Geschichtsschreibung den Beinamen „Nestor“ in Erinnerung an den klugen Ratgeber des Agamemnon. Man sollte allerdings nicht zu viel hineininterpretieren, war es doch quasi eine Familientradition der frühen Hohenzollern, einen klassischen Beinamen zu okkupieren: der Großvater wurde zu Achilles, der Vater zu Cicero und Joachims eigener Sohn zu Hector – für Münzsammler immerhin hilfreich, um sich zu merken, ob die Person sich eher durch militärische Erfolge oder ihre Redekunst auszeichnete.

Der Zepterträger des Reiches

Selbstbewusst setzte Joachim auf die Vorderseite seines ersten Talers das eigene Porträt, wie bereits gehört, das erste Portrait auf einer Münze in Brandenburg. Durch die Kleidung wird seine Zugehörigkeit zu den höchsten Fürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sofort deutlich: Das hermelinbesetzte Kurornat mit dem dazugehörigen Kurhut zeichnet ihn als einen der sieben Kurfürsten aus, die das Privileg besitzen, den Kaiser zu wählen. In seiner Hand trägt er ein Zepter, dass uns auf der Münze noch ein weiteres Mal begegnet, im Zentrum des Wappens auf der Rückseite. Wer glaubt, das Zepter sei einfach ein wahlloses Attribut der Herrschaft, der irrt.

Es ist das Reichs- oder Kur-Zepter, eine der Reichsinsignien. Dem Markgrafen von Brandenburg kam als Erzkämmerer des Reiches seit jeher das Privileg zu, bei der Kaiserkrönung das kaiserliche Zepter zu tragen. Dies war ein Grund des Stolzes, auch wenn mit dem Amt keinerlei zusätzliche Machtbefugnisse verbunden waren. Deshalb blieb das goldene Zepter auf blauem Grund Jahrhundertelang Bestandteil des Brandenburger Wappens, und zwar auf der Brust des roten Wappenadlers.

Ist dieses Amt auch symbolisch, das Wahlrecht ist es ganz und gar nicht. Vor der Wahl des Kaisers zwei Jahre vor der Prägung unseres Talers flossen Bestechungsgelder in nie zuvor dagewesener Höhe. Der französische König Franz I. und der Habsburger, den wir als Kaiser Karl V. kennen, konkurrierten um die sieben Stimmen der Kurfürsten. Joachim I. hatte zunächst sogar selbst Ambitionen auf die Kaiserkrone entwickelt. Doch er ließ sich von Franz I. überzeugen: Franz bot nicht nur finanzielle Anreize, sondern auch die Hand seiner Tochter für Joachims Sohn sowie den begehrten Posten eines Reichsverwesers. Joachim war der letzte der Kurfürsten, der bereit war, für Kaiser Karl V. zu stimmen. Eine Tatsache, die Karl nie vergessen sollte.

Trotzdem stand Joachim I. von Brandenburg in dem Jahr, als der Taler geprägt wurde, fest auf der Seite Karls V., als es darum ging, Luther zu verurteilen, und das obwohl die Hohenzollern sich später als die Schutzherren der protestantischen Kirche inszenieren sollten. Und das hatte einen guten Grund…

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ Auf dem Reichstag zu Worms 1521 widerruft Luther seine Lehren wider Erwarten nicht. Bei diesem berühmten Moment ist Joachim I. anwesend, wir sehen ihn auf dieser historistischen Darstellung von 1853 vorne rechts im Bild unterhalb des Kaisers und wie auf dem Taler im Kurornat.

Ein Feind Luthers

Das Jahr 1521 war geschichtsträchtig. Es war das Jahr, in dem sich Luther weigerte, seine Lehren auf dem Wormser Reichstag zu widerrufen. Als einer der vornehmsten Fürsten im Reich war Kurfürst Joachim selbstverständlich beim geschichtsträchtigen Reichstag anwesend. Im Gegensatz zum Kurfürsten von Sachsen, der Luther schließlich Unterschlupf gewähren sollte, war er ein erbitterter Gegner der Reformation und sprach sich für die Verhängung der Reichsacht gegen Luther aus. Warum? Nun, es könnte damit zusammengehangen haben, dass es Joachims Bruder und ehemaliger Mitregent war, den Luther mit seinen Thesen gegen den Ablasshandel kritisiert hatte: Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und Magdeburg.

Kurfürst Joachims rigorose Ablehnung der Reformation sollte dazu führen, dass seine eigene Frau, die sich zur Reformation bekannte, nach Sachsen floh. Joachims Sohn, der die Vorzüge einer Staatskirche zu schätzen wusste, führte nach seinem Tod die Reformation in Brandenburg ein.

Eine Rarität

Doch zurück zu unserem geschichtsträchtigen Taler. Er ist äußerst selten. Die Münze wurde lediglich in einer kleinen Auflage geprägt. Fast alle Stücke wurden in den folgenden Jahren wegen ihres hohen Silberanteils wieder eingeschmolzen. So haben sich nur einige wenige Exemplare des ersten Talers von Brandenburg erhalten – gerade einmal 23 Stück sind bekannt, fast alle davon befinden sich in Museen und großen Sammlungen. Es bietet sich also hier eine seltene Chance, ein zentrales Stück frühe brandenburgisch-preußische Geschichte zu erwerben!

 

Alle Lose der Auktion finden Sie im Onlinekatalog der Auktion 348 von Künker.

Lernen Sie hier mehr über den Nachfolger von Joachim I. Nestor: Joachim II. Hector.

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