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MenschenGesichter Teil 43: Der sparsame Sonnenkönig

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mit freundlicher Genehmigung des MoneyMuseum, Zürich

Warum galt der Kopf jahrhunderte-, nein, jahrtausendelang als das Motiv einer Münzseite schlechthin? Und warum hat sich dies in den letzten 200 Jahren geändert? Das fragt Ursula Kampmann in ihrem Buch „MenschenGesichter“, dem die Texte unserer Serie entnommen sind.

Ludwig XIV., König von Frankreich (1643-1715). Louis d’or 1693, La Rochelle. Kopf Ludwigs n. r. Rs. Gekrönter Lilienschild. © MoneyMuseum, Zürich.

Am 17. August 1661 bewirtete der Finanzminister Frankreichs, Nicolas Fouquet, seinen König in Vaux-le-Vicomte. Dort stand das prächtigste Schloss seiner Zeit. Es gehörte Fouquet, der Unsummen in diesen Bau investiert hatte. Und dies, während in der Staatskasse völlige Leere gähnte.

Was Fouquet allerdings noch nicht wusste: Ludwig plante bereits dessen Absetzung, denn ihm und seinem neuen Finanzexperten Colbert waren Fouquets wirtschaftliche Transaktionen mehr als suspekt. Schon am 5. September ließ Ludwig Fouquet verhaften und für den Rest seines Lebens einkerkern.

Charles Le Brun, Porträt Ludwigs XIV., 1661. Quelle: Wikicommons.

Sofort machte sich der König an die Überprüfung der Finanzen, und was er feststellte, übertraf seine schlimmsten Befürchtungen. Der Staatshaushalt Frankreichs basierte auf kurzfristigen Krediten von Privatleuten, die beim Eingang der Steuern mit hohen Zinsen zurückgezahlt wurden. Das tatsächliche Staatseinkommen lag im Dunkeln, denn aus dem Durcheinander an Steuern wurde auf den ersten Blick niemand schlau. Auf den zweiten Blick stellte Colbert fest, dass Fouquet in den vergangenen Jahren fast die Hälfte der französischen Staatseinkünfte veruntreut hatte. Noch schlimmer war, dass zum Zeitpunkt der Prüfung bereits das gesamte Einkommen des laufenden Jahres ausgegeben war, dazu 26 Millionen Livres im Vorgriff auf den Staatshaushalt 1662 – Rechnungen in Höhe von 9,5 Millionen Livres waren noch offen.

Wollte man es nicht zum Staatsbankrott treiben, blieb nur ein eiserner Sparkurs. Und Ludwig XIV. war dazu bereit. Er ließ sich ein kleines, in rotes Leder gebundenes Büchlein anfertigen, in das er persönlich alle Einnahmen und Ausgaben eintrug. So konnte der König zu jedem Zeitpunkt genau sagen, wie viel Geld in der Staatskasse lag. Und diese strenge Kontrolle lohnte. Bereits 1664 waren die Finanzen Frankreichs die gesündesten in Europa. Der Monarch konnte sogar einen Überschuss von einer halben Million Livres verzeichnen, was man erst dann richtig schätzen kann, wenn man weiß, dass 1662 ein Defizit von mehr als 30 Millionen verkraftet werden musste.

Pierre-Denis Martin, Schloss Versailles zum Ende der Regierungszeit Ludwigs XIV., 1722. Quelle: Wikicommons.

Frankreich war also saniert, und die nächsten Jahre übertrafen die staatlichen Einnahmen die Ausgaben ständig. Mittels dieser Überschüsse war es Ludwig möglich, den Bau von Versailles spielend zu finanzieren. Erst die unzähligen Kriege mit ihren nicht kalkulierbaren Kosten sollten das Königreich ruinieren. Und so mahnte der Sonnenkönig seinen Nachfolger auf dem Totenbett: „Ahme mich nicht nach in meiner Vorliebe für das Bauen und den Krieg, versuche im Gegenteil, mit deinen Nachbarn Frieden zu halten.“ 

Auch in der nächsten Folge bleiben wir in Frankreich: Es geht in die Zeit der französischen Revolution und wir berichten von einem missglückten Fluchtversuch Ludwigs XVI.

Alle Teile der Reihe finden Sie hier.

Das Buch „MenschenGesichter“ gibt es in gedruckter Form und als ebook auf der Seite des Conzett Verlages.

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