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Münchner Auktionshaus offeriert Stücke aus der Sammlung Moussaieff

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Am 30. Juni 2017 werden vom Münchner Auktionshaus Gorny & Mosch knapp 100 Objekte aus der Sammlung des weltbekannten jüdischen Juweliers Shlomo Moussaieff angeboten. Dazu gehören fantastische Kleinbronzen der griechischen und römischen Zeit sowie großartige Kunstwerke aus antikem Glas. Doch weit spannender als die Geschichte dieser Objekte ist die des Sammlers, der sie in mehr als 80 Jahren zusammengetragen hat.

Helios. Römische Kaiserzeit, 2. / 3. Jh. n. Chr. Bronzehohlguss, H. 31 cm. Aus Sammlung Shlomo Moussaieff. Mit Ausfuhrgenehmigung der israelischen Antikenbehörde. Schätzung: 80.000,- Euro. Aus Auktion Gorny & Mosch 248 (30. Juni 2017), Nr.151.

Die Jugend von Shlomo Moussaieff

Schon die Jugend von Shlomo Moussaieff bietet Stoff für einen Roman. Geboren 1923 in Jerusalem unter britischer Mandatsregierung, war er eines von zwölf Kindern einer äußerst wohlhabenden Familie aus Buchara. Shlomo verfügte über ein fotografisches Gedächtnis, zeigte aber als Legastheniker miserable schulische Leistungen. Als ihm der Vater deswegen drohte, ihn gemäß der Thora nur bis zu seinem 13. Geburtstag zu unterhalten, lief Shlomo mit 12 Jahren davon und sorgte fortan für sich selbst. Er verdiente einen Teil seines Lebensunterhalts in einer Teppichfabrik in Sanhedria. Zusätzlich durchsuchte er die dortigen Grabhöhlen nach antiken Objekten, die er verkaufen konnte, was zu seiner Verhaftung und zu einem längeren Aufenthalt in einer Jugendbesserungsanstalt führte.

Eine Jugend im Krieg

1940 – mit 17 Jahren – schloss sich der junge Mann dem jüdischen Untergrund an, kämpfte gegen die britische Mandatsregierung, trat dann wie all seine Mitkämpfer auf den Befehl Daniel Raziels in die britische Armee ein, um gegen Hitler zu kämpfen, und nahm nach dem Krieg wieder den Kampf gegen die Mandatsregierung auf. 1948 geriet Moussaieff in Gefangenschaft und verbrachte als POW ein Jahr in Jordanien.

Flussgott Acheloos. Griechisch, 4. Jh. v. Chr. Massives Silber. H. 4,7 cm, L. 7 cm. Aus Sammlung Shlomo Moussaieff. Mit Ausfuhrgenehmigung der israelischen Antikenbehörde. Schätzung: 40.000,- Euro. Aus Auktion Gorny & Mosch 248 (30. Juni 2017), Nr. 154.

Ein Land auf der Suche nach seiner Identität

Nach seiner Rückkehr eröffnete Shlomo Moussaieff der Familientradition folgend einen Laden für Schmuck und antike Kunst in Jerusalem.
Es war eine gute Zeit für den Antikenhandel, denn jeder interessierte sich damals für die Zeugnisse der Vergangenheit. Teddy Kollek, Bürgermeister von Jerusalem 1965 bis 1993, sammelte Münzen und antikes Glas. Auch Moshe Dayan, Symbolgestalt des um seine Existenz kämpfenden Israel, war ein enthusiastischer Sammler und setzte sogar seine Soldaten dafür ein, Ausgrabungen durchzuführen. Damals stellte der „Fundzusammenhang“ eines Objekts nur einen Nebenaspekt dar. Für den noch jungen Staat Israel stand die Frage im Vordergrund, ob mit einem Objekt oder einem Grabungsbefund Überlieferungen der Bibel belegt werden konnten. Jede Verbindung wurde als Argument für das Recht der Juden auf Israel gewertet. Dieser Zeitgeist beeinflusste auch den Sammler Shlomo Moussaieff. Er trug seine Sammlung seit 1948 in Jerusalem und seit 1963 in London zusammen. Seine Leidenschaft galt vor allem Objekten, die einen Bezug zur Bibel und zum Heiligen Land hatten. Seine Stücke sollten den Geist und die Lebenswirklichkeit biblischer Geschichten illustrieren. Die mit großer Kenntnis aufgebaute Sammlung gehört heute zu den größten und wichtigsten Sammlungen biblischer Altertümer. 

Der Umzug nach London

1963 eröffnete Shlomo Moussaieff eine Dependance im Londoner Hilton. Wie es dazu gekommen war, berichtet eine Anekdote: Der Antikenhändler war als Nachkomme des Maimonides stolz darauf, einige Autographen von diesem bekannten Erforscher der Thora zu besitzen. Diese wollte das Oberste Rabbinat von Israel für sein Museum erwerben. Teddy Kollek, damals Mitglied in der Regierung Ben-Gurions, vermittelte. Er versprach Moussaieff einen mietfreien Laden im Hilton von Jerusalem im Tausch für die Autographen. Der war einverstanden, aber der Chef des Hiltons nicht. So kam ein Handel mit dem Londoner Hilton zustande. Shlomo Moussaieff zog nach London und wurde zum Juwelen-Lieferanten der Highsociety.

„Ich bin ein Händler, ein Gassenjunge und ein Jude. Und ich bin stolz darauf.“

Moussaieff, der fließend arabisch sprach, wurde zum Lieblingslieferanten von exklusivem Schmuck nicht nur für wohlhabende Araber. Er begann, mit farbigen Diamanten zu handeln. Viele bedeutende Steine sind durch seine Hände gegangen oder tragen seinen Namen. Bei ihm kauften auch die Größen des Filmgeschäfts wie Elizabeth Taylor, Peter Sellers, Shirley McLaine und Frank Sinatra. Der Handel machte ihn reich. 2011 führte ihn die Sunday Times auf ihrer Liste der reichsten Menschen als Nummer 315.

Bronzene Lampe in Gestalt des Oceanus mit Schiffsaufsatz. Römisch, 1.-2. Jh. n. Chr. Aus Sammlung Shlomo Moussaieff. Mit Ausfuhrgenehmigung der israelischen Antikenbehörde. Schätzung: 50.000,- Euro. Aus Auktion Gorny & Mosch 248 (30. Juni 2017), Nr. 234.

Der Sammler

Damit hatte Shlomo Moussaieff die Mittel, die Sammlung von antiken Objekten zusammenzutragen, die er sich erträumte. Er besaß vor seinem Tod im Jahr 2015 die größte private Sammlung von Objekten des Nahen Ostens mit insgesamt mehr als 60.000 Objekten. 3.000 Objekte davon haben nach Aussage des bekannten Archäologen Robert Deutsch, einen Zusammenhang mit der Bibel.
Viele Kuratoren und Archäologen schätzten ihn wegen seiner Großzügigkeit. Er unterstützte Ausgrabungen finanziell, so zum Beispiel in Megiddo und in Tel Gath. Er stellte seine Sammlung immer wieder interessierten Wissenschaftlern für ihre Publikationen zur Verfügung und trug dann auch noch die Druckkosten. Objekte seiner Sammlung wurden im Israel Museum und im Bible Lands Museum ausgestellt. Die Bar-Ilan Universität von Tel Aviv verlieh ihm im Jahr 2000 die Ehrendoktorwürde, um die Großzügigkeit zu honorieren, mit der er ihr seltene Dokumente zur Erforschung der Kabbala überlassen hatte. Seine bedeutende Sammlung biblischer Siegel und bullae, sowie seine byzantinischen eulogia-Gläser wurden der “Israel Antiquities Authority” gestiftet, um sie zukünftig in der Moussaieff Gallery im neuen Campus dieser Institution in Jerusalem auszustellen.

Vielhenkelflasche. Östlicher Mittelmeerraum, 6. Jh. n. Chr. Glas. H. 22,6 cm. Aus Sammlung Shlomo Moussaieff. Mit Ausfuhrgenehmigung der israelischen Antikenbehörde. Schätzung: 18.000,- Euro. Aus Auktion Gorny & Mosch 248 (30. Juni 2017), Nr. 426.

Die Sammlung

Dem Wunsch des Sammlers getreu, gehen seine Objekte nicht gesamthaft an eine Institution, sondern werden versteigert. Er sagte einmal in einem Interview: „Museen packen alles in ihr Depot. Meine Frau soll meine Sammlung an Menschen versteigern, die sie nicht in den Keller packen, sondern die sie genauso lieben wie ich es tue.“
Ein erster Teil der Sammlung wurde am 30. Juni 2016 bei Christie’s in London versteigert, nachdem Teile davon, namentlich Arbeiten aus der Ennion Werkstatt, im Metropolitan Museum, New York ausgestellt worden waren. Ein zweiter Teil, nämlich die Judaica, wurden von der New Yorker Filiale von Sothebys versteigert. Für die lediglich 286 Lose wurden weit mehr als fünf Millionen Dollar erzielt, darunter einige Rekordpreise. Weitere Gläser wurden von Pierre Bergé in Paris zur Versteigerung gebracht.
Nun kommt ein weiterer Teil der Sammlung bei Gorny & Mosch in München zur Auktion. Alle dort angebotenen Objekte besitzen eine Exportlizenz der Israel Antiquities Authority, so dass ihr An- und Verkauf die strengen Auflagen des neuen deutschen Kulturgüterschutzgesetzes vollumfänglich erfüllt.

Weitere Informationen und Fotos erhalten Sie bei Gorny & Mosch, München, Maximiliansplatz 20, 80333 München, Tel: +49 / 89 / 24 22 643-0.

Zur Auktion 248 von Gorny & Mosch, in der diese Objekte angeboten werden, kommen Sie hier. 

Und den MünzenWoche-Vorbericht zu dieser Auktion lesen Sie hier.

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